Hinterlasse einen Kommentar

Windeltest: Nappies’R’Us Little Rascals

Die große Sommerhitzewelle hat weiterhin viele Teile von Europa fest im Griff (hier in Deutschland sind es ja nun auch mittlerweile schon etliche Wochen ohne ernstzunehmende Unterbrechungen) und es sind ja sowieso auch alle in Urlaub, also ist überall recht wenig los. Deshalb hab ich mir auch mit diesem nächsten Artikel etwas Zeit gelassen. Passenderweise hat Rearz in Kanada erst letzte Woche angekündigt, die Nappies’R’Us Little Rascals in Nordamerika zu vertreiben, was zumindest für unsere dort wohnenden Freunde interessant sein dürfte und uns auch einen perfekten Anlass gibt, darüber zu reden, auch wenn das Timing bloßer Zufall ist.

Nappies'R'Us Little Rascals, Packung

Das Produkt selbst kam mehr oder weniger aus dem Blauen ohne eine größere Marketingkampagne oder irgendwelche Ankündigungen vorab, zumindest nicht das ich wüsste. Deshalb habe ich das auch mehr oder weniger zufällig entdeckt, als ich mal wieder die NRU Webseite nach Neuigkeiten abgegrast habe. Offensichtlich war das auch gerade erst wenige Tage, nachdem das Produkt offiziell verfügbar geworden war, also habe ich dann auch gleich schnell zugeschlagen und bestellt. Das hat sowas Eigenartiges in Richtung des berüchtigten sechsten Sinns, aber ich beschwere mich nicht, dass ich auch mal Glück hatte. Wegen der frühzeitigen Bestellung so kurz nach dem Release gab’s dann auch noch einen kleinen Bogen mit Stickern dazu, die die Rascals in alternativen Posen zeigen, während sie allerlei Unfug anstellen. Vermutlich sind das Überreste der nie stattgefundenen Marketingkampagne bzw. Entwürfe aus der Entwicklungsphase.

Nappies'R'Us Little Rascals, Sticker

Meinen selbstauferlegten Regeln folgend habe ich die Windeln wieder in Größe M und L bestellt, um bei beiden zu schauen, wie sie passen, auch wenn schon klar war, dass die M die primäre Referenz für die Tests werden würde.. Die Maße sind wieder mal ziemlich standardmäßig, also gibt’s dazu auch wenig zu sagen und der Test konnte wie geplant stattfinden. Das übliche Muster wird auf den Punkt getroffen, wobei bei der L die Länge durch den Schritt bei 94 cm und die Panelbreite bei 80 cm liegt. Bei der M sind das dann entsprechend 83 cm und 67 cm. Verwendet man also schon Produkte, die diesen Spezifikationen entsprechen, sollte man keine größeren Probleme haben, die Form entsprechend an seine körperlichen Gegebenheiten anzupassen – abgesehen von ein paar kleinen Einschränkungen, die wir uns jetzt anschauen werden.

Nappies'R'Us Little Rascals, Packungen verschiedener Größen

Wie man eindeutig auf den Fotos sehen kann, wirken die Windeln bereits in den Folienbeuteln sehr dick und voluminös, was an den massiven Saugpolstern liegt. Beide Größen haben ein Trockengewicht von deutlich über 200 g pro Stück, was die behaupteten 5000 ml Gesamtkapazität nach ISO durchaus glaubwürdig erscheinen lässt. Man sollte sich also von vornherein im Klaren sein, dass das volle Absicht ist und die Windel entsprechend üppig ausfällt. Das bestätigt sich noch weiter bei den Abmessungen des Polsters, welches vorne und hinten sehr breit ausfällt. Die L schnappt sich hier mit 46 cm im Popobereich die Führung. Im Bereich der „Spezialwindeln“ ist das gar nicht mal so ungewöhnlich, aber im Vergleich zu medizinischen Mainstreamprodukten ist es schon einiges mehr.

Nappies'R'Us Little Rascals, verschiedene Größen

Wegen der großen Polster kann das Anlegen etwas Übung erfordern. Nicht nur das das Polster seinen eigenen Willen hat und erstmal gebändigt werden muss, aber auch die bei vielen China-Windeln übliche etwas steife äußere Hülle verlangt etwas Geduld und Geschick. Da ist das Produkt keine Ausnahme. Es gibt den schon gewohnten großen transparenten extra Aufkleber im Frontbereich, der schon für sich genommen einiges zur Steifheit beiträgt, aber auch die eigentliche Folie gehört nun nicht gerade zu der Sorte, die sofort immer perfekt formbar wäre. Man sollte das sehr sorgfältig machen und möglicherweise dann auch nach fünf Minuten mal überprüfen, wenn durch die Körperwärme alles etwas elastischer geworden ist. Schon möglich, dass man dann nochmal die Klebebänder etwas anpassen muss.

Nappies'R'Us Little Rascals, Vorderseite

Die großzügig verwendeten Grüntöne sind jetzt nicht meine Lieblingsfarbe und man muss sich erstmal dran gewöhnen, allerdings ist es mal eine nette Abwechslung von den übermäßig oft verwendeten Varianten der Farbe Blau bei einer Großzahl der anderen bunten Windeln. Ich bin der Meinung, es hätte sogar noch etwas besser aussehen können, hätte man die Farben noch insgesamt etwas feiner aufeinander abgestimmt und den Tonwert leicht verschoben.

Damit hätte sich mutmaßlich auch ein anderes Problem vermeiden lassen: Die dicke Schicht an Druckfarben und das damit verbundene Abreiben. Was das angeht, ist dieses Produkt im negativen Sinne ganz vorn mit dabei. Man sieht förmlich, wieviel Druckfarbe an manchen Stellen zusammenkommt, wenn man die übereinander gedruckten Punktraster der verschiedenen Farben betrachtet, z.B. in den dunklen, lilafarbenen Schattenbereichen. Wieder mal würde ich dringend empfehlen, hierfür eine speziell für diesen Zweck reservierte Schutzhose drüberzuziehen, damit man keine dunklen Flecken, die noch dazu schwer zu entfernen sind, auf der Innenseite der Jeans oder anderer Kleidungsstücke bekommt.

Nappies'R'Us Little Rascals, Seitenansicht

Um das große Polster, gerade hinten, unterbringen zu können, ist die Windel ziemlich asymmetrisch geschnitten, was man auch in den Fotos sieht. Zusammen mit der leichten Steifigkeit des Trägermaterials kann das die Beweglichkeit in der Hüfte zu einem bestimmten Grad einschränken. Allermindestens sorgt das dafür, dass es sich so anfühlt, als würde das Produkt sehr eng sitzen, selbst wenn man es sich doch nicht so stramm um den Hintern gewickelt hat. Allerdings hat das gottseidank keine weiteren negativen Auswirkungen wie einschneidende Folienkanten, also ist alles in Ordnung, sofern man sich etwas Mühe gibt und beim Windelwechsel alles glattzieht.

Soweit sieht ja alles fast schon ein bisschen zu perfekt aus, aber bevor ihr vor Freude ausrastet, muss ich unbedingt noch den einzigen Schwachpunkt erläutern und leider ist das ein ziemlich bedeutender. Er bezieht sich – Überraschung – auch auf das Saugpolster. Auch wenn es wirklich groß ist und locker 2500 ml und mehr Flüssigkeit aufnehmen sollte, werden diese guten Absichten doch durch die eigentliche Aufnahmegeschwindigkeit vereitelt, die ziemlich schlecht ist. Gerade nach den ersten zwei-, dreimal merkt man doch recht schnell, wie das Pipi auf der Oberfläche der Innenseite entlangfließt bevor es seinen Weg findet und im Saugkern gebunden wird. Ich schiebe dieses Verhalten vor allem auf das gutgemeinte extra Stück Gewebe, das nochmal auf das Polster aufgebracht ist. Auch wenn es perforiert ist, ist es doch einfach im Weg.

Nappies'R'Us Little Rascals, Rückseite

Wegen dieses (nicht so) kleinen Problems muss man sehr vorsichtig sein. Dadurch wird die Verwendung als Nachtwindel extrem eingeschränkt und ich empfinde das Produkt daher als ungeeignet für Leute, die große Mengen Urin auf einmal verlieren und/ oder die Intensität des Wasserlassens nicht kontrollieren können. Das soll heißen, wenn man sich in einer Position befindet, bei der man nicht perfekt gerade auf dem Rücken liegt oder aufrecht sitzt, ist das Auslaufrisiko sehr hoch. Die Flüssigkeiten suchen sich den Weg des geringsten Widerstandes und laufen seitlich heraus. Deswegen würde ich das Produkt auch eher als dicke Tageswindel empfehlen, wenn man lange unterwegs ist und sich natürlich auch keine Platte macht, wenn die Jeans aufgeplustert sind. In diesem Fall funktioniert es physikalisch einfach besser und die Schwerkraft sorgt dafür, dass man die Gesamtkapazität besser ausnutzen kann.

Komischerweise ist diese Windel nicht wirklich schlecht, aber auch bei weitem nicht perfekt. Leider gibt’s bei der Verwendung ein paar nicht zu unterschätzende Haken an der Sache, die einem Dauereinsatz im Wege stehen. Das Produkt kann immer nur ein Teil der täglichen Routine sein, aber nicht alle Anforderungen erfüllen, um andere Produkte vollständig zu ersetzen. Man muss schon Alternativen mit einplanen oder man verplempert zu viel Geld, weil man ständig Nachschub kaufen muss und die halbbenutzten Windeln immer vorzeitig wegwirft. Für die besonderen Momente, wo man es wirklich genießen kann und sich über die Unzulänglichkeiten keine Gedanken machen muss, ist es aber okay.

Advertisements

Kommentar abgeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: