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Windeltest: Nateen Combi

Damals wollte ich ja schon immer einen „richtigen“ Test der Nateen Combi machen, aber leider wurde mir diese Gelegenheit vor der Nase weggerissen, weil sich einige Dinge unerwartet geändert haben. Der einzige deutsche Vertrieb schloss seine Pforten und auch andere europäische Anbieter hörten kurz danach auf, das Produkt in ihrem Angebot zu führen wegen der Umstellung von Folie auf atmungsaktive Oberfläche. Man kann sich ja vorstellen, in welche Richtung da die Präferenz der Händler ging. Im Ergebnis bin ich nur dazu gekommen, einen Kurztest mit ein paar Exemplaren zu machen, die mir Diaper Minister freundlicherweise geschickt hatte.

Ich habe die Sache nie aus dem Blick verloren und geduldig auf meine nächste Chance gewartet, welche sich dann auch ergab, als ich über einen mir bis dahin unbekannten Vertrieb namens Smartlifetime.com stolperte. Man muss es den Belgiern schon lassen – was die Verfügbarkeit von Inkontinenzprodukten angeht, sind sie ganz vorne mit dabei, zumindest hier in Europa. Das ist für die aber auch einfach, haben doch viele Hersteller und Importeure auch Firmensitze und Fabriken in diesem kleinen Land.

Nateen Combi, Packungen, verschiedene Saugstärken

Weil ich es besonders gründlich machen wollte, habe ich voll zugeschlagen und mir alle Saugstärken besorgt und zusätzlich eine davon in den zwei für mich am relevantesten Größen M und L. Erforschen wir erstmal die Saugstärken.

Nateen Combi, Packungen, verschiedene Saugstärken

Von der schwächsten bis zu stärksten Saugstärke werden die unterschiedlichen Level entsprechend als Soft, Plus, Maxi und Ultra bezeichnet. Weil jede Packung genau zehn Stück Windeln enthält, kann man schon erahnen, was einen erwartet, wenn man die Packungsgrößen begutachtet. Das wird noch offensichtlicher, wenn man sie direkt nebeneinander stellt. Die zwei niedrigsten Stärken haben ungefähr die gleiche Packungsgröße, jedoch die Maxi und Ultra haben jeweils verschiedene Größen. Natürlich sind die dann auch nochmal für verschiedene Größen unterschiedlich, womit man dann durchaus ein Problem bekommen kann, wenn man sie in der Garage oder was auch immer man als Lagerraum nutzt, stapeln will, sofern man sich verschiedene Versionen entsprechend der Nutzung individuell zusammenstellt.

Nateen Combi, verschiedene Saugstärken

Entnimmt man je ein Muster aus den Packungen und stapelt sie (in meinem Fall mit einer schweren Badfliese zusammengedrückt), wird man zunächst auch erstmal nicht schlauer. Rein optisch lassen sich die verschiedenen Saugstärken zumindest anhand der Dicke nur schwer unterscheiden. Wenn einem jemand nur ein Bild zeigen würde, hätte man keine Ahnung, wie dick die Windel dann wirklich ist. Man bekommt erst einen besseren Eindruck, wenn man die Windel in der Hand hält und merkt, wie sie sich beim Zusammendrücken verhält und wie sie je nach Variante mal mehr, mal weniger flattert und schwingt. Ein Teil des Problems ist dabei das ziemlich uneinheitliche Erscheinungsbild der Produkte. Erlaubt mir, das mal etwas weiter auszuwalzen.

Nateen Combi, verschiedene Saugstärken

Gemäß der eigenen Firmenwebseite lässt Nateen seine Produkte in drei verschiedenen Fabriken in China anfertigen, was sich leider auch zeigt, und das nicht im positiven Sinn. Lassen wir erstmal die Soft aus dem Spiel, die im Bild ganz links zu sehen ist und die noch einen Folienaufkleber vorne hat. Eindeutig habe ich da noch eine Packung aus Restbeständen der Übergangsphase bekommen. Aktuelle Produktionschargen würden demzufolge mehr wie die anderen drei Modelle aussehen.

Wenn man sich diese genau ansieht, erkennt man, dass wirklich jede anders gefaltet ist, in der Packung anders zusammengestaucht wurde, die verblassenden Nässeindikatorstreifen an einer anderen Stelle hat. Selbst die Zelluloseflocken haben bei der Plus eine leicht andere Farbe. Das fällt meiner Meinung nach nicht unter das, was ich als konsistente Markenbildung bezeichnen würde. Da muss ich noch nicht mal mit der haarsträubenden Faltenbildung auf den Innenseiten anfangen! Natürlich könnte man das als meine üblichen Nörgeleien abtun, denn es sollte die Nutzbarkeit nicht berühren. Oder doch? Leider muss man sagen, irgendwie schon. Jede Saugstärke ergibt eine ganz eigene Nutzungserfahrung, je nach Auslegung und Zusammenstellung der Zutaten. Ich werde euch mal Schritt für Schritt meine Eindrücke schildern.

Die Soft ist im Prinzip die einfache „einmal (oder zweimal) benutzen und dann wegwerfen“ Version, wie sie am häufigsten noch in der stationären medizinischen Pflege verwendet wird, wo immer jemand bereitsteht, der die Windel wechseln kann. Für die meisten Leser dieses Blogs ist das deswegen nicht so furchtbar interessant. Da ich unerwartet noch die Übergangsversion hatte, wäre mein größter Beschwerdepunkt an der Stelle, dass die Klebebänder viel zu schwach waren. Das kann aber selbstverständlich einfach durch zu lange Lagerung hervorgerufen worden sein. Ansonsten ist das Saugverhalten für die kurze Zeit, die man solche Dinger üblicherweise trägt, gut vorhersehbar. Man kann es ja sowieso nicht über einen gewissen Punkt hin übertreiben. Die Form bleibt dabei auch stabil.

Die Plus habe ich immer für die zwei oder drei Stunden abends zwischen Duschen und der eigentlichen Nachtruhe getragen und was man da eben noch so macht wie z.B. TV glotzen. Bei diesem Modell wird es „auf dem letzten Meter“ etwas gewöhnungsbedürftig. Bis zu einem gewissen Punkt verhält sie sich wie die Soft und fühlt sich auch angenehm an, aber dann kippt das plötzlich um und je mehr man sich von diesem magischen Punkt entfernt, um so matschiger wird das Ganze mit jedem zusätzlichen Tropfen, den man da rein macht. Ich habe auch immer bemerkt, dass eine ganze Menge Ausdünstungen durch die äußere Schicht drangen und sich jede Menge Kondensattröpfchen auf den Plastikhöschen absetzten. Entsprechend erscheint es logisch, dass man ohne Schutzhose ziemlich aufgeschmissen ist und immer eine verwenden sollte, weil sich sonst der Windelbody oder die drübergezogene Stoffunterhose gleich vollsaugen und dann sehr unangenehm werden.

Die Maxi ist meiner Meinung nach die am besten ausbalancierte Version von allen. Wie man erwarten würde und auch der Name andeutet, ist die Menge an Flüssigkeit, die sie aufnehmen kann, schon beträchtlich. Ich fand das mehr als ausreichend, selbst wenn ich mal länger unterwegs war. Besonders gefiel mir, dass dieses Modell nie labberig anfühlt und sogar etwas fest, wie ich das von meinen täglichen Attends Slip Regular gewöhnt bin oder auch anderen Produkten wie der Tena Slip. Damit erledigt sich scheinbar auch das Problem mit dem Kondensat. Es gibt einfach keins.

Die Ultra sollte noch mal eine Schippe bei der Saugfähigkeit drauflegen, fällt aber beim Tragegefühl auf Plus Niveau zurück. Hier bleibt bei mir wieder der Eindruck, dass es eben nicht ausreicht, immer mehr saugfähiges Material in die Polster zu stopfen und das das einfach nicht so funktioniert, wie sich die Hersteller das vielleicht vorstellen. Bei anderen Produkten habe ich ja kritisiert, dass die daraus resultierende Verdichtung und Härte des Saugkerns die Saugfähigkeit beeinträchtigt, aber hier ist es genau das Gegenteil. Nach einer Weile ist Alles einfach nur noch nass und weich, so dass ich meine Windel dann lieber noch vor dem Erreichen der maximalen Kapazität gewechselt habe, auch wenn vermutlich noch eine Ladung Pipi (oder mehr) reingepasst hätte.

Nateen Combi Ultra, Packungen, Größen M und L

Die Ungereimtheiten und kleinen Macken in Sachen Aussehen setzen sich über die Größen hinweg fort, wie man im untenstehenden Bild gut erkennt. Erneut wohl wieder ein Fall von Fabrik A vs. Fabrik B. Zusätzlich gibt es eine durchaus verwirrende Abweichung bei den Größen selbst, wenn man sie mit anderen Produkten und den üblichen Standardmaßen vergleicht.

Die Größe M hält sich noch gut an diese Standards – die 65 cm Panelbreite und die 78 cm Länge von hinten nach vorne liegen in den Bereich, wie man ihn auch bei Tena, Attends usw. findet, was den üblichen 80 bis 110 cm Umfang entspricht. Größe L hingegen geht über die Referenzgrößen hinaus und erscheint einem eher wie eine XL. Die Länge vom Bauch bis zum Rücken liegt bei 98 cm anstatt der üblicheren 90 cm, die Panelbreite bei 83 cm anstatt 78 cm. Bei all diesen kleinen extra Zipfelchen kommt schon was zusammen.

Die gute Nachricht bei der ganzen Sache ist natürlich, dass sich, sofern man in die Lücke zwischen L und XL fällt, hier die Gelegenheit bietet, sich für die kleinere Größe entscheiden zu können, ohne den Tragekomfort zu beeinträchtigen. Anhand dieser Beobachtungen frage ich mich auch gleich, wie denn die richtige XL ausfällt. Vielleicht besorge ich mir da auch mal eine Packung, um meine Neugier zu befriedigen.

Nateen Combi Ultra, Größen M und L

Für mich ist es etwas umständlich, die L zu tragen, weil sich scheinbar kein Weg findet, sie so zu fixieren, wie ich das gern hätte. Zugegebenermaßen könnte das aber auch an fehlender Übung liegen und ich müsste mir vielleicht einfach noch ein paar Packungen kaufen, um es genau auszuknobeln. bei mir ist das größte Problem, dass es einfach zu weit oben sitzt und dann ergibt sich wieder die übliche kausale Kette von Ursache und Wirkung: Der Bauch drückt alles weg, die Windel rutscht nach unten und insgesamt ist einfach zu viel Luft im Intimbereich, um sich sicher verpackt zu fühlen.

Nateen Combi Ultra, Packung, Größe M

Wie immer haben sich meine primären Testaktivitäten auf die Größe M fokussiert. Zusätzlich zu dem, was ich schon zu Saugfähigkeit und Größen gesagt habe, gibt es noch ein paar Dinge, die erwähnenswert sind. Das erste davon wäre die Form des Saugpolsters. Diese ist über die ganze Produktlinie hinweg gleich und gottseidank nicht „kaputtoptimiert“, also die Verbreiterungen vorn und hinten wurden nicht einfach abgeknipst und das Polster ist nicht bloß ein Streifen. Ich mag aus bekannten Gründen eine gute Abdeckung am Hintern, und deswegen finde ich das Produkt gut auch für Probleme mit Stuhlinkontinenz geeignet. Es ist sehr wahrscheinlich, dass alles gut eingeschlossen bleibt, auch wenn es mal über die Pobacken hinausgeht. Da quillt nichts links und rechts aus der Ritze, wenn man das mal so sagen kann.

Nateen Combi Ultra, Vorderseite

Auch wenn die grundsätzliche Passform und der Sitz ganz gut sind, ist das Außenmaterial doch sehr dünn und gibt nach einer Weile und einer entsprechenden Menge Flüssigkeit in der Windel nach. Das bedeutet fast unvermeidlich, dass man das eine oder andere Mal nicht umhin kommen wird, die Passung zu checken und die Bänder nachzustellen. Das kann blöderweise aber die Oberfläche beschädigen, wenn man die Klettverschlüsse von einem schon zu sehr durchgeweichten Produkt abreißt. Klar, nichts auf der Welt ist perfekt, aber sowas sollte dann doch nicht sein.

Nateen Combi Ultra, Seitenansicht

Die Tapes sind ziemliche Standardware, auch wenn es manchmal schwer ist herauszufinden, wo man in einer Situation wie oben beschrieben genau ziehen muss, weil die weißen Bänder optisch und auch physisch quasi mit der Windel verschmelzen. Einige Male hatte ich auch Schwierigkeiten, sie beim Anlegen einer frischen Windel von der Folie abzulösen, mit der sie an den Flügeln befestigt sind. Ich habe es dann mehrfach geschafft, eben diese Folie mit abzuziehen. Weil die Klettverschlüsse insgesamt auch etwas steif und dick sind, merkt man das nicht immer gleich. Man muss also etwas aufpassen.

Nateen Combi Ultra, Rückseite

Insgesamt ist das kein schlechtes Produkt, hat aber Probleme, die man nicht einfach ignorieren kann. Die inkonsistente Gestaltung ist dabei natürlich nur ein kleiner Teil, aber man fragt sich trotzdem „Warum?“. Firmen wie Hartmann und SCA/ Essity (Tena) haben Fabriken überall auf der Welt und zeigen viel mehr Einsatz dabei, ein einheitliches Erscheinungsbild ihrer Produkte umzusetzen. Da wundert man sich, warum das Nateen nicht in drei in China relativ nah beieinander liegenden Fabriken hinkriegt. Qualitätsmanagement?

Die Passform und die Flauschigkeit der Produkte sind mal wieder eine Frage der individuellen Vorlieben. Ich bevorzuge eher enge, feste, fast schon rüstungsartige Windeln, aber bei anderen ist das genau umgekehrt und sie wollen alles superweich. Worüber man aber überhaupt nicht diskutieren muss, sind Dinge wie das möglicherweise notwendige Nachjustieren der Bänder nach der Hälfte der Zeit. Sowas geht ja mal gar nicht und das muss verbessert werden! Auch wenn ich schon glaube, dass bei der Umstellung von Folie auf atmungsaktiv was verlorengegangen ist, ist noch nicht alle Hoffnung vergebens.

Mein persönlicher Favorit ist und bleibt die Maxi, weil hier einfach alles hinhaut. Die anderen sind auch irgendwie okay, reißen einen aber nicht vom Hocker, zumindest mich nicht. Eure eigenen Testergebnisse können natürlich ganz anders ausfallen. Das Gute daran ist, dass man das schon für relativ kleines Geld machen kann. Weil eben nur zehn Stück in einer Packung sind, sind die Preise pro Packung entsprechend niedrig. Da kann man auch schon mal schnell noch eine Packung in den Warenkorb legen, um kostenlosen Versand zu bekommen, wenn man kurz unter der kritischen Schwelle bei irgendeinem Versandhändler ist…

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