Windelgrundlagen: Ein neuer Blick auf Hautpflege bei Inkontinenz – Teil 6 – Tena

Da wir nun schon einiges abgedeckt haben und mehrere der „Großen“ (Hersteller) schon entsprechend abgehandelt wurden, ist jetzt Tena an der Reihe.

Gemeinsamkeiten und Allgemeines

Wie es auch bei den Hautpflegeserien der anderen Hersteller schon war, ist das Angebot bei Tena genauso unausgewogen und irgendwie unvollständig. Es scheint einfach so, als ob nie alles an einem Fleck bzw. bei einem Hersteller zusammenkommt. Man muss sich immer alles selbst aus verschiedenen Quellen zusammenstellen. Tena bringt dazu ein paar papierbasierte Produkte mit sowie eine Schutzsalbe, die vielleicht gar nicht mal so schlecht ist. Dazu gibt’s an späterer Stelle noch mehr zu sagen.

Soweit es die Gemeinsamkeiten zwischen den Produkten betrifft, ist die am einfachsten bemerkbare ein Duft von Zitrusgras (Lemongrass), der je nach Situation und Produkt von einigermaßen okay bis richtig nervig alles umfassen kann. Die Intensität hängt sehr davon ab, wie lange das Produkt auf der Haut bleibt, also ist es, wenn es nach dem Duschen schnell verfliegt, besser zu ertragen als wenn man sich den ganzen Körper mit Lotion einreibt und dann danach riecht. Zumindest wird es für mich mit der Zeit etwas unangenehm. Ich reagiere auf Gerüche, gerade wenn sie mir unsympathisch sind, immer besonders überempfindlich und bin dann genervt. Für andere Menschen kann das aber natürlich völlig okay sein.

Das Verpackungsdesign ist recht zeitgemäß und fast schon stylish, allerdings hat die Farbgestaltung/ -kodierung praktisch so gut wie keinen Sinn, weil es sowieso zu wenige unterschiedliche Produkte gibt. Man muss da nicht besonders viel Fantasie haben um sich vorstellen zu können, dass alles auch gleich ganz in Blau gehalten sein könnte, schon weil die Unterschiede zwischen den Produktverpackungen in manchen Bereichen wirklich minimal sind. Wenn eine Pflegeschwester da mal unter Stress danebengreift und eine Shampoo Cap aus dem Lagerraum holt, obwohl sie eigentlich feuchte Waschhandschuhe wollte und das erst nach dem langen Weg ins Patientenzimmer merkt, muss einen das nicht weiter verwundern.

Reinigungsprodukte

Tena Hautpflege, Duschgel

Die Reinigung mit Wasser wird mit einem einzigen Produkt kurz und schmerzlos abgehandelt – einem kombinierten Dusch- und Haarwaschgel. passend zur Farbe des Aufklebers und der Pumpeinheit oben auf der Flasche ist der Inhalt grün gefärbt, aber da hört es auch schon auf mit den Besonderheiten. Die Anwendung ist wie üblich einfach genug und insgesamt recht wirtschaftlich, weil man nur wenig Duschgel pro Waschgang braucht, also reicht es auch ein ganzes Weilchen, aber darüber hinaus hat es keine magischen Kräfte oder geheime Zutaten, die es z.B. leichter machen würden, Reste von Zinksalbe abzuwaschen.

 

Bei der wasserlosen Reinigung gibt es die gleichen Produkte, die so ziemlich jeder Anbieter im Programm hat: Feuchttücher, eine Variation zum Thema in Form von feuchten Waschhandschuhen, Schaumspray und eine Reinigungsemulsion. Letztere gibt es in zwei Packungsgrößen, einmal als 250 ml Tube und dann nochmal als 500 ml Spenderflasche. Die Wash Cream ist ziemlich neutral in der Art, das sie weder besonders ölig noch besonders wässrig ist, bietet also einen guten Mittelweg für diese Art der Reinigung. Sie ist auch sehr mild, weshalb es auch kaum ein Risiko für Hautreizungen gibt, wenn man es mal nicht schnell genug wieder wegwischt. Das passiert mir manchmal, wenn ich wieder zur denkbar schlechtesten Zeit einen Anruf bekomme und dann erstmal halbnackt durch die Wohnung laufe, während die Creme noch auf der Haut ist.

Tena Hautpflege, Produkte wasserlose Reinigung

Der Schaum ist wieder eine ganz andere Sache und ich muss leider ganz brutal und ehrlich sagen, dass ich ihn fast komplett nutzlos fand. Er ist extrem instabil und man hat nicht mal für den Hauch eines Augenblinzelns Zeit, ihn richtig aufzutragen. Die Bläschen fangen sofort an zusammenzufallen, sobald sie auf der Haut auftreffen und das gibt dann einfach nur eine nasse Pfütze. Wegen dieses Verhaltens ist es auch unmöglich, den Schaum indirekt mit den Fingern aufzutragen, eben weil dann das „Sahnehäubchen“ auch sofort dahinschmilzt. Um es noch schlimmer zu machen, ist die Düse wieder eine, bei der man die ganze Sprayflasche auf den Kopf stellen muss anstatt der einfacher zu bedienende Version mit seitlicher Düse. Aber egal, selbst wenn das so wäre, würde es immer noch enorm viel Übung und Erfahrung benötigen, den Schaum auch dort hinzubekommen, wo man ihn haben will. So wie es jetzt ist, muss sich das Produkt echt mal jemand von den Verantwortlichen ernsthaft anschauen und es ist reif für eine Generalüberholung.

Tena Hautpflege, Feuchttücher

Die Feuchttücher fallen etwas aus dem Rahmen, weil sie sich etwas „trocken“ anfühlen, wenn man sie aus der Packung nimmt, auch wenn sie das natürlich nicht sind. Ich werde mich da allerdings nicht drüber beschweren, weil ich ja kein Freund von tropfnassen Feuchttüchern bin. Also werde ich mal ganz brav die Schnauze halten und das so akzeptieren. ;-) Ein Vorteil dieser scheinbaren Trockenheit ist ohnehin, dass man sich wirklich beim Abwischen etwas Mühe geben muss, anstatt die Tücher einfach leicht und lässig drüberwedeln zu lassen. Deshalb sollte der Reinigungseffekt sogar etwas besser sein. Der Nachteil ist aber, dass das für Menschen mit sehr dünner oder empfindlicher Haut schon zu viel Druck sein kann und die raue, trockene Haut dann aufreißt oder es leichte Abschürfungen gibt. Es ist eben wirklich eine Sache von „Kommt drauf an!“.

Tena Hautpflege, Feuchte Waschhandschuhe

Die feuchten Waschhandschuhe sind wieder eine Erweiterung des vorherigen Artikels und wo man bei Hartmann acht Handschuhe einsetzen soll, sind es bei Tena nur fünf, dafür aber mit einer etwas komplizierten bzw. ausgefeilten Wendetechnik, bei der Vorder- und Rückseite genutzt werden, wenn man das so ausdrücken kann/ will. was nun besser ist, sollen die Praktiker in der Pflege entscheiden, aber für unsre Zwecke bei der Intimreinigung reicht natürlich die meiste Zeit ein Handschuh. hier kann man sich sogar aussuchen, ob man die Standardvariante möchte oder die geruchlose.

Tena Hautpflege, Shampoo Cap

Zum Schluss gibt es noch die schon erwähnte Shampoo Cap, also ein Haarwaschhäubchen. Da ich sehr kurze, getrimmte Haare habe, hatte ich noch keine gute Ausrede, das mal auszuprobieren, also kann ich dazu auch nicht wirklich was sagen. Selbstverständlich ist sowas vor allem für bettlägerige oder sonst wie in ihrer Mobilität eingeschränkte Patienten gedacht, die zu schwach sind, um es bis unter die Dusche zu schaffen, um zwischendurch mal die Haare aufzufrischen. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass sowas durchaus mal ganz praktisch ist, wenn man bei längeren Ausflügen in der Natur oder auf Festivals mal nicht genug Wasser zur Verfügung hat und trotzdem mal den Mief und schweiß aus den Haaren bekommen will. Immerhin kann man das Produkt sowohl kalt als auch in der Mikrowelle vorgewärmt verwenden.

Zusätzliche Papierartikel

Dieser Bereich ist einer der etwas einzigartigeren in Tenas Portfolio und den mag ich bisher ziemlich gut. Klar, natürlich kann man sowas auch bei anderen Anbietern kaufen, aber typischerweise werden Zellstoffprodukte dort eher für den medizinischen Bereich vermarktet, nicht so sehr die Pflege, und man bekommt sie nicht unbedingt im Einzelhandel, sondern nur im Großhandel z.B. für Krankenhäuser. Was mir auch super gefällt, ist, dass alles schön in Kartons verpackt ist. Ja, genau, ganz ordinäre Kisten mit vorgestanzter Aufreißlasche, bei denen es auch einfach ist, mit den Fingerspitzen was rauszufischen, wenn man gerade eingesaute Hände hat. Keine umständlichen Folienbeutel, kein sonstiger Quatsch. Man weiß sowas wirklich zu schätzen, wenn man mal in einer Situation ist, wo man wirklich nur mal dieses verdammte Trockentuch haben will, ohne dabei gleich die ganze Wohnung zu kontaminieren. Der einzige Nachteil ist die Wuchtigkeit der Kartons, aber man findet sicher trotzdem ein gutes Plätzchen im Regal oder auf dem Nachttisch.

Tena Hautpflege, Waschhandschuhe

Als erstes, und an dieser Stelle ist das ja schon das Gewöhnlichste vom Gewöhnlichen, stehen die trockenen Waschhandschuhe. Es gibt sie als folienbeschichtete Version, aber auch ohne. Man beachte die große Stückzahl pro Karton! Wenn man die einigermaßen sparsam verwendet, kommt man damit gut ein halbes Jahr hin. Vom praktischen Standpunkt aus fühlen sich Tenas Handschuhe etwas steif an, weshalb es doch ganz hilfreich ist, sie zumindest leicht zu befeuchten, selbst wenn man sie eher als Trockentuch mis-/gebrauchen möchte.

Tena Hautpflege, Waschhandschuhe

Weiter geht es mit dem nächsten Produkt, welches sich so allmählich zu meinem Lieblingsprodukt der ganzen Serie mausert- den Soft Wipes. Das sind universell einsetzbare Tücher für alle möglichen Dinge, die sowohl trocken als auch nass verwendet werden können. Die Textur ist viel dichter und fester als bei Senis Air-Laid Tüchern und trotzdem sind sie fast so weich und zart. Ich verwende sie oft, um nochmal trocken nachzuwischen und die Feuchtigkeit aufzusaugen, wenn ich nach einem ernsthafteren Unfall am Hintertürchen mal Feuchttücher zur gründlichen Reinigung verwenden musste. Die kleinere Variante des Produktes reicht eigentlich für die meisten Anwendungsfälle, aber man kann sich natürlich austoben und auch die große Version nehmen.

Tena Hautpflege, Soft Wipes

Tena Hautpflege, Soft Wipes

Das andere wichtige Papierprodukt ist Cellduk, ein eher konventionelles, mehrlagiges Produkt, das einen an Servietten, Tempo-Taschentücher oder die vergleichbaren Zellstoffe im medizinischen Bereich, z.B. die Tupfer, die man nach der Blutentnahme aufgedrückt bekommt, um die Blutung nach dem Rausziehen der Nadel zu stoppen, erinnert. Dementsprechend fühlt sich das Produkt auch etwas rau und grob an und auch wenn es möglich ist, sollte man es nicht unbedingt ganz trocken verwenden. Ähnlich wie bei den Waschhandschuhen funktioniert es besser, wenn es leicht angefeuchtet ist. Es wird dadurch geschmeidiger und formbarer und man kommt damit wortwörtlich besser in jede (Po-)Ritze. Wegen der Schichtung hat es auch eine ziemlich gute Saugfähigkeit, wodurch es sich prima für das Aufsaugen aller möglichen Matschereien und Kleksereien eignet, was auch gewöhnliche Haushaltsprodukte wie Wein und Ketchup mit einschließen kann.

Tena Hautpflege, Cellduk

Tena Hautpflege, Cellduk

Freilich muss man zugeben, dass diese Papierprodukte nicht unverzichtbar sind und man auch mit seinen billigen Küchentüchern vom Discounter zurechtkommt, aber ich finde insbesondere die Soft Wipes eine nützliche Alternative bei meinen Problemen im hinteren Bereich. Es ist oft einfach effizienter, ein großes, stabiles Stück Tuch in der Hand zu haben anstatt endlos Toilettenpapier zu verbrauchen oder sich Gedanken machen zu müssen, dass man Löcher ins Küchenpapier reißt. Deswegen würde ich mir dieses Produkt durchaus immer wieder mal kaufen. Selbst der Preis rechnet sich, je nachdem wieviel Toilettenpapier/ Küchenpapier man nun real verbraucht. Mir kommt es zumindest manchmal so vor, als würde ich solches Zeug jede Woche kaufen…

Hautpflegeprodukte

Die Hautpflege-Abteilung ist genauso dünn besetzt, wie die anderen. Es gibt nur zwei Produkte, die da wären: eine Lotion und eine etwas dickere Creme. Für meinen Hauttyp passen beide nicht sonderlich gut. Verständlicherweise ist die Creme sowieso für noch ältere Menschen gedacht, aber trotzdem fand ich sie unnötig fettig. Ich hab da so meine Zweifel, dass das selbst in noch so trockene und brüchige alte Haut gut einzieht. Andererseits fühlt sich die Lotion auch wieder zu trocken an und bremst beim Einreiben. Sie verteilt sich nicht gut auf der Haut und demzufolge war es bei mir immer so, dass ich nochmal nachträglich kleinere Stellen mit einem Tröpfchen Lotion einreiben musste, die ich nicht gleich erwischt hatte. Der Vorteil wiederum ist natürlich, dass sich hinterher die Haut auch nicht so schwitzig und klebrig anfühlt wie bei manch anderem Produkt. Deswegen bin ich da auch hin- und hergerissen, ob das nun okay ist oder das Produkt verbessert werden müsste.

Tena Hautpflege, Creme und Lotion

Hautschutz

Bei den Schutzprodukten muss ich mir selber Asche aufs Haupt streuen, weil ich irgendwie total die Zinksalbe vergessen habe. Als ich meine Muster bekommen habe, war sie nirgendwo lieferbar und als ich dann mit Testen, Fotos machen und Artikelschreiben beschäftigt war, habe ich das völlig aus dem Blick verloren. Das wurde mir erst wieder bewusst, als ich mich hingesetzt habe, um diesen Artikel hier zu schreiben. Man könnte aber natürlich darüber streiten, wieviel Sinn es machen würde, sich darüber den Mund fusselig zu reden. Was kann man bei einer Zinksalbe schon falsch machen? Sofern da nicht irgendwas fundamental Revolutionäres dabei ist, lohnt es sich, glaube ich, nicht, sich da zu viele Gedanken drüber zu machen. Aber klar, es gibt ja immer die Möglichkeit, dass ich nochmal einen Folgeartikel verfasse.

Tena Hautpflege, Schutzcremes

Zum Glück macht die alternative transparente Schutzsalbe diese Scharte wett (und rettet meinen Hintern bei diesem Artikel), denn sie ist ziemlich gut. Ich war da eher skeptisch, weil das Produkt zunächst erstmal aussah wie Honig kurz bevor er kristallisiert und auch so dick war – eine dicke, gelb-goldene Masse. Der Haken dabei ist, dass man auch enorme Kraft braucht, um sie überhaupt aus der Tube zu drücken. Hat man es aber geschafft, eine ausreichende Portion irgendwie auf die Finger zu bekommen, fängt es sofort an zu schmelzen und man kann es problemlos verteilen, weshalb das kein Problem ist. Da zeigt sich, wie fein der Schmelzpunkt auf die Körpertemperatur abgestimmt ist. wenn man es aufgetragen hat, ist der eigentliche Schutzfilm eher stumpf und matt, also weder besonders klebrig noch rutschig und fettig wie bei diversen anderen Produkten. mir gefällt das sehr gut, auch weil die Schicht ein Weilchen erhalten bleibt, ohne dass man sie gleich wieder erneuern muss. Wenn man sich nicht übertrieben saubermacht und wieder alles komplett wegwischt, übersteht das auch mehrere Windelwechsel.

Zusammenfassung

Mein Gesamteindruck bei der Tena Hautpflege ist ähnlich wie bei Attends: Das, was wirklich fehlt, ist eine klare Linie und eine einheitliche Anwendungserfahrung für den Nutzer. Manche Produkte sind auch einfach unbenutzbar. Ich zumindest halte den Reinigungsschaum für einen totalen Blindgänger. Gottseidank machen zumindest die zellulose-basierten Produkte und die Barrier Cream das wieder mehr wett, aber trotzdem sollte sowas bei einer so großen Marke nicht passieren. Es ist also wieder ziemlich durchwachsen.

Danke an SCA/ Essity für die Produktmuster für den Artikel.

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