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Windelgrundlagen: Ein neuer Blick auf Hautpflege bei Inkontinenz – Teil 4 – Attends

Nachdem ich, wie wohl die meisten von euch, das Jahresende etwas ruhiger angehen lassen habe, nicht immer ganz freiwillig wegen einiger unvorhergesehener „schlechter Tage“, ist es an der Zeit, mit einem weiteren Artikel in einer unserer Serien ins neue Jahr zu starten. Dieses Mal schauen wir uns die Hautpflegeprodukte von Attends an. Es sind nicht so viele wie bei Seni, also sollte der Artikel auch etwas einfacher zu lesen sein. Wie immer vorab das Wichtigste: Alle Produkte wurden von Attends bereitgestellt und vielen Dank dafür an die entsprechende Stelle, aber trotzdem werde ich natürlich versuchen, alles so objektiv wie möglich mit meinem kritischen Blick zu beäugen.

Allgemeines

Auch wenn die reduzierte Anzahl an Produkten es einfacher macht, manche Dinge zu erklären und zu beurteilen, wird es doch zugleich auch schwerer, den schmalen Anwendungsbereich zu definieren, für den sie relevant sein könnten. Was ich damit meine, werdet ihr später noch sehen.

Das Design der Packungen usw. ist insgesamt recht modern und auch „neutral“, was zumindest meine Designer-Geschmacksknospen bei Laune hält. Es gibt eine eindeutige Farbkodierung, bei denen kräftige, leuchtende Farben großflächig aufgedruckt sind, was zusammen mit der begrenzten Auswahl die Verwechslungsgefahr extrem reduzieren sollte. Man kann sozusagen eigentlich gar nichts verwechseln. Im Bad könnte es allerdings etwas zu knallig wirken, auch wenn sich  dadurch natürlich eine meiner Beschwerden, die ich bei den Seni-Produkten hatte, erledigt.

Mit Ausnahme der Barrier Sprays gibt es die Produkte in angemessen großen Tuben und Spenderflaschen bzw. in akzeptablen Stückzahlen pro Packung. Auch darin unterscheiden sie sich teilweise vom schon genannten Mitbewerber, auch wenn das natürlich völlig subjektiv ist. Ja nachdem, wie die tägliche Routine so aufgebaut ist, braucht man eben mal mehr von dem einen Produkt und weniger vom anderen.

Trockenreinigung/ Wasserlose Reinigung

In diesem Bereich ist eigentlich alles ziemlich eindeutig, weil einem da keine ausgefallenen Dinge um die Ohren fliegen und alles so ist, wie man es erwarten würde – es gibt Feuchttücher, Einmalwaschhandschuhe und dazu passend Reinigungsschaum und -emulsion. Man denkt da kann nichts schiefgehen, aber wie es aussieht eben doch. Lasst mich das mal erklären.

Natürlich sind Variationen bei der Zusammensetzung der Produkte von Anbieter zu Anbieter völlig normal. Manche bevorzugen eine andere Textur und Konsistenz, andere einen unterschiedlichen Duft. Das ist auch hier so. Der Schaum und die Reinigungslotion sind wesentlich wässriger als ihre Gegenparts bei Seni. Das ist für die Emulsion auch kein Problem, beim Schaum aber schon, was dessen Nützlichkeit durchaus einschränkt.

Hier wird ein normaler seitlicher Sprühkopf verwendet, wodurch es allgemein leichter wird, den Schaum aufzutragen. Allerdings bringt genau das einen dann auch nicht weiter, wenn man es eben nicht so machen kann. Wenn man den Schaum erst auf die Hand sprühen muss, um ihn anschließend auf die betroffenen Bereiche zu verteilen, löst er sich viel zu schnell auf, um das zufriedenstellend hinzubekommen. Das wird noch weiter verkompliziert, weil er nicht gut auf der Haut haftet. Die typische, leicht ölige Struktur ist einfach nicht vorhanden. Deswegen fühlt es sich dann auch an, als würde man versuchen, ganz normale Badeschaumwölkchen zu verteilen und möglicherweise verwendet man einfach unnötig viel von dem Zeug.

Attends Reinigungsprodukte

Als ob das nicht schon genug wäre, hat mich der nächste Punkt wirklich aufgeschreckt. Der Schaum hat einen intensiven Zitrusduft und enthält Limonene, also den aromatischen Extrakt von Zitrusöl. Dabei handelt es sich um einen starke natürliche Reinigungssubstanz, aber es ist eben auch dafür bekannt, Hautreizungen und allergische Reaktionen auszulösen. Die meisten Hautärzte empfehlen, den unmittelbaren Hautkontakt zu vermindern z.b. wenn man in Reinigungsprodukten damit in Berührung kommt, weshalb das für mich zumindest fragwürdig ist, warum man es hier verwendet, auch wenn ich zu Hause regelmäßig beim Putzen in einer Wolke aus Zitrusduft hantiere. Im Zweifelsfall sollte man das also vorsichtig ausprobieren, bevor man sich voll in die Sache reinstürzt.

Langfristig sollte man diese kritischen Substanzen vielleicht auch komplett eliminieren, was auch zu einer konsistenteren Geruchserfahrung beitragen würde. Eigenartigerweise hat die Waschlotion einen ganz anderen Geruch, der eher dem typischen „riecht irgendwie nach Blume, aber ich kann nicht sagen nach welcher“ entspricht, wie er in vielen Kosmetikprodukten zum Einsatz kommt.

Attends Waschhandschuhe, Packung

Die Einmalwaschhandschuhe gibt es in Packungen zu fünfzig Stück und, was für mich mal wieder nicht so günstig ist, nur ohne Innenfolie. Damit wird es schwieriger sie, zu verwenden, wenn man hintenrum mal wieder eine richtig große Sauerei verursacht hat. Da bräuchte man dann unbedingt noch Gummihandschuhe. Kleine Notiz am Rande: Auf der Packung gibt es ein bisschen Marketinggeschreibsel, dass die ovale Öffnung das Überstreifen leichter machen würde. Ausnahmsweise stimmt das sogar mal. manchmal sind es eben die kleinen Dinge und die einfachen Ideen.

Attends Waschhandschuh

Weiter mit den Feuchttüchern. Diese fallen wieder komplett aus dem Rahmen und liegen jenseits der üblichen Erwartungen. Für ein Produkt, das auf Inkontinenzpflege für Erwachsene ausgerichtet ist, sind sie mir schlicht zu klein, also wirklich wie Babytücher. Es ist nicht unmöglich, damit zurechtzukommen, aber selbst für eine einfache Grundreinigung des Intimbereiches braucht man dann schon mal zwei oder drei Tücher einfach weil eine große Fläche beackert werden muss. Das ist umso mehr der Fall, wenn man die Windeln lange getragen hat und entsprechend mehr Rückstände auf der Haut sind, bei denen man noch stärker rangehen muss. Soll also heißen, die Tücher sind für eine gründliche Reinigung etwas unpraktisch, gerade wenn man große Hände hat.

Attends Feuchttücher, Packung

Auch – ratet mal was jetzt kommt – haben sie erneut einen anderen Duft, den ich an manchen Tagen als eine Geruchsmischung aus Kamille und grünem Gras empfinde, andere Male einfach nur als scharf und stechend, beinahe wie bei einem Desinfektionsmittel mit massig Isopropylalkohol darin. Für meine Nase definitiv nicht der angenehmste Geruch.

Hautpflege

In diesem Bereich ist das Attends Portfolio ziemlich leichtgewichtig und man könnte sogar sagen, dass es unterrepräsentiert ist, gerade wenn man berücksichtigt, dass das Gesamtprogramm keinerlei ergänzenden Produkte für die Reinigung mit Wasser enthält. Deswegen müssen die Körperlotion und die Pflegecreme allein dafür sorgen, dass die beim Duschen oder Baden verlorengegangene Hautfettschicht wieder regeneriert wird.

Attends Pflegeprodukte

Die Body Milk, also Körpermilch, tendiert ähnlich wie die Reinigungslotion mehr zur wässrigen Seite. da ich schon recht fettige Haut habe ist das sogar ganz gut, weil sie dadurch relativ schnell einzieht und ich nicht ewig das Ganze einmassieren muss. das ist auch günstig, um schnell die frische Windel anlegen zu können, weil man eben auch nicht lange warten muss, bis die Feuchtigkeit abgetrocknet ist. wenn man recht trockene Haut hat, ist das aber vermutlich nicht das am besten geeignete Produkt. Es bietet nicht genug langfristigen Schutz und man müsste noch weitere Pflegeprodukte verwenden, zumindest für den Anwendungsfall der für uns hier relevant ist. für die empfindlichen Bereiche sollte man auf jeden Fall eine fetthaltigere Creme verwenden.

das könnte natürlich auf jeden Fall auch die Attends-eigene Pflegecreme sein, weil sie einen dünnen Film auf der Haut bildet. was das angeht, ist sie dem Seni Pflegebalsam (die Tube mit der gelben Farbkodierung) aus dem vorherigen Artikel sehr ähnlich. Ich finde es hier sogar genau genommen noch besser, weil es sich nicht so klebrig anfühlt als hätte man Honig oder Zuckerwasser draufgemacht. Weil die Creme aber nicht so dick ist, reibt sie sich aber auch schneller ab. Beide Produkte haben übrigens einen Geruch, der der Reinigungslotion ähnelt, also ist das zumindest hier etwas einheitlich.

Das dritte Produkt, das Hydrogel, fällt eher in die Kategorie medizinischer Zusatz-/ Hilfsmittelchen und nicht so sehr in die Hautpflege. Derartige Produkte werden in Krankenhäusern und Pflegeheimen oft eingesetzt, um die Durchblutung bei bettlägerigen Patienten etwas anzuregen, häufig dann abends vor der Nachtruhe, damit es im Bett schön warm ist, wenn man wegduselt. Je nachdem, wie man die ätherischen Öle empfindet, kann das angenehm oder nervig sein. Wenn man im Krankenhaus zusammen mit vier anderen älteren Herren liegt, die gerade eingerieben wurden, merkt man es aber schon, das könnt ihr mir glauben! Für die Inkontinenzpflege hat es aber auf jeden Fall keien Bedeutung. Wenn man es in kleinen Mengen verwendet, riecht man dann wie Pfefferminzkaugummi. Wer da drauf steht (oder der Partner), kann das ja mal probieren. ;-)

Schutzprodukte

Die zwei Schutzprodukte sind genau genommen eigentlich nur eins, lediglich die Konsistenz und Dicke unterscheidet sich. Die Forte Version hat etwas mehr Zinkoxid und Bienenwachs, so dass sie weniger fließt und etwas dicker aufträgt.

Attends Barrier Spray, Packungen

Mir gefällt die Idee, das Ganze als Sprühflasche zu machen, weil damit das langweilige Händewaschen danach entfallen kann. man sprüht einfach aus der Ferne. Dadurch wird auch sichergestellt, dass eine gleichmäßige, dünne Schicht aufgetragen wird. Der Nachteil ist, dass egal welche der Varianten man verwendet, beide trotzdem noch sehr dünnflüssig z.B. im Vergleich zu einer herkömmlichen Creme sind, was bedeutet, dass man trotzdem noch ganz schön warten muss, bis sie trocknen. Eine weitere kleine Einschränkung ist, dass die dickflüssigere Variante gern mal sabbert und größere Flecken aus der Sprühdüse kleckern, weshalb man sich dann doch die Finger schmutzig machen muss, um das Zeug zu verteilen. aus meiner Sicht ließe sich das vermeiden, wenn man eine richtige Spraydose oder eine druck-Pumpspray verwenden würde, weil durch den höheren Druck eine andere Düse verwendet werden könnte bzw. die Flüssigkeit besser herausgedrückt wird, wodurch es dann zu weniger Verstopfung und Sabbern kommen würde.

Attends Barrier Spray

Zusammenfassung

Die Attends Hautpflegeprodukte sind ein bisschen ein Kuddelmuddel, vor allem weil die „User Experience“ für den Anwender so bunt gemischt ist. Ehrlich gesagt kommt es mir sogar teilweise so vor, als hätte man einfach ein paar Produkte von generischen Anbietern zusammengesucht und denen dann erlaubt, das Logo drauf zu drucken. Deshalb wäre es schon ein guter Anfang, wenn man sich wenigstens mal auf einen einheitlichen Duft einigen könnte. Dadurch würde sich dan nauch vielelicht der Einsatz von umstrittenen Inhaltsstoffen erledigen. Die Produkte selbat sind eher für Leute relevant, die noch ein gewisses Mindestmaß an normaler Hautfunktion haben, insbesondere was die Lipidschicht angeht. Bei sehr trockener Haut sehe ich nicht, wie das funktionieren soll, zumindest nicht ohne jede Menge extra Aufwand. Hier gäbe es dann definitiv noch Potenzial, eine zweite Produktlinie genau für diese Fälle zu entwickeln oder zumindest das bestehende Programm noch weiter auszubauen und zu ergänzen.

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