Ein Kommentar

Pants Test: Tena Pants

Nachdem ich der Sache eine ganz schöne Zeit aus dem Weg gegangen bin, was vor allem am eingeschränkten Nutzwert für mich liegt, habe ich es nun doch endlich mal geschafft, einen etwas genaueren Blick auf Pull-Ups/ Pants zu werfen. Genau genommen war es sogar die ganz in Dunkelblau gehaltene Tena Men Active Fit, die dieses Jahr herausgekommen ist, mein Interesse geweckt hat und somit den Anstoß für den Artikel gab. Wieder mal habe ich dazu auch meinen guten Draht zu Tena ausgenutzt, um mir eine ausreichende Anzahl an Mustern zu besorgen, damit ich eine einigermaßen fundierte Meinung dazu abgeben kann. Deshalb an dieser Stelle erneut vielen Dank in diese Richtung! Beachtet bitte, dass wir hier nur Produkte mit einer gewissen Mindestsaugkraft berücksichtigen, also ist da nix mit Discreet-Varianten im Papiertaschentuchformat.

Tena Pants, Überblick

Bevor wir uns den Produkten zuwenden, halte ich es für notwendig, nochmal diverse Punkte zu den Einschränkungen sowie einige persönliche Vorbehalte in Bezug auf die Verwendung von Pants zusammenzufassen, damit man versteht, warum sie für manche Anwendungsszenarien vielleicht nicht so ideal sind. Schauen wir also mal.

  • Als erstes und letztendlich auch ganz oben auf der Liste steht das mangelnde Saugvolumen. Selbst die besten Pants kommen kaum an eine Kapazität heran, die der von manchen Windeln mit eher niedriger Saugstärke entspricht. Entsprechend sind sie deswegen häufig nur für leichte bis mittelschwere Fälle von Inkontinenz geeignet, bei denen es nur ein leichtes Tröpfeln gibt oder man bei einer Dranginkontinenz gelegentlich unkontrollierte Ausbrüche hat und das Ganze nur eine vorübergehende Schutzmaßnahem ist, bis man es auf die Toilette schafft.
  • Pants sind fast komplett ungeeignet für eine Nachtversorgung oder andere Langzeitanwendungen. Neben der eingeschränkten Kapazität hat das auch etwas mit der Form und Größe des Saugpolsters zu tun. Die meisten sind sehr eindeutig nur auf vertikales Fließverhalten im Stehen oder Sitzen ausgerichtet. In anderen Stellungen suchen sich die Flüssigkeiten einen anderen Weg am saugfähigen Material vorbei.
  • Aus ähnlichen Gründen sind die Produkte bei Stuhlinkontinenz nur begrenzt nützlich. Weil die Polster so klein sind, gibt es nichts, was die Fäkalien physisch-mechanisch zurückhalten würde und es gibt auch nicht genug Saugkapazität um große Flüssigkeitsmengen aufzunehmen, wie man das beispielsweise bei Durchfall hat. Bestenfalls kann man daher Pants nur verwenden, wenn man Probleme mit „Bremsspuren“ und anderen leichten Verschmutzungen hat.
  • Es gibt ein höheres Auslaufrisiko. Da die Pants prinzipbedingt ein recht luftiges, netzartiges Gewebe haben, kann Flüssigkeit leichter durchsickern. Außerdem können die Beinabschlüsse oft nicht so dicht abschließen, wie es wünschenswert wäre. Das Gewebe kann nun mal nur soundsoviel Spannung aufbauen.
  • Pants können ziemlich unhygienisch sein. Das ist ein Fakt, den man akzeptieren muss. Wenn man ein benutztes Höschen wieder ablegen will, kann es zu ungewollter Kontamination kommen. Es gibt im Prinzip zwei Möglichkeiten, Die Pull-Ups wieder loszuwerden. Entweder man reißt die seitlichen Nähte auf oder zieht sie einfach runter. Bei beiden Methoden kann man durch das ganze Rumgewurschtele unbeabsichtigt Urin und Kacke auch in vorher sauberen Bereichen breitschmieren, weil das Gewebe auf der Haut arbeitet.
  • Für Leute mit eingeschränkter Beweglichkeit sind die Produkte ziemlich unpraktisch. Es ist nicht so schwer, sich das vorzustellen. Ein älterer Mensch, der sich schon so kaum noch nach vorne beugen kann, wird damit zu kämpfen haben, die Pants selber anzuziehen. Selbst wenn jemand dabei hilft, kann es sein, dass z.B. durch eine kaputte Hüfte nicht genug Spielraum vorhanden ist und der Betroffen noch dazu unnötige Schmerzen aushalten muss. Und klar, wenn jemand kaum noch Kraft in den Händen hat, kann er die Nähte auch nicht selbst aufreißen.
  • Die Höschen sehen manchmal einfach nur bescheuert aus, gerade bei Männern. Das ist für mich eines der größten Ärgernisse, aber zumindest versucht Tena, etwas gegen den „Spitzenhöschen-Look“ zu tun, wie ihr später noch sehen werdet.
  • Pants sind teuer. Bedingt durch das Herstellungsverfahren haben sie schon einen höheren Grundpreis pro Stück und noch dazu braucht man einfach eine größere Menge, um über den Tag zu kommen. Das wird schnell kostenintensiv.

Natürlich klingt vieles davon einfach so, als ob die Produkte den Ärger nicht wert wären und sie deshalb vielleicht noch nicht mal existieren sollten, aber innerhalb der gemachten Einschränkungen haben sie doch ihre Daseinsberechtigung. Wenn man nach dem Toilettengang noch nachläuft, beim Lachen oder beim Sport die Hose nass macht oder die Pants einfach als vorbeugende Schutzmaßnahme bei ansonsten normaler Toilettenhygiene unter der normalen Unterwäsche trägt, ist das schon okay. man sollte nur nie davon ausgehen, dass man damit auch nur in die Nähe einer normalen Slipwindel oder einer großen Vorlage kommt.

Nach diesen klärenden Worten geht es mit den eigentlichen Tena Produkten dieser Klasse weiter. Für unsere Zwecke habe ich mich nur auf Produkte in Größe M konzentriert, weil es im Gegensatz zu herkömmlichen Windeln bei Pants keine Möglichkeit gibt, die Passform von zu groß geratenen Produkten durch kreative Tricks und Klebetechniken anzupassen. Es gibt also keinen realistischen Weg für mich, eine L zu tragen, ohne dass es aussieht wie ein Kartoffelsack.

Tena Pants Original Normal

Das ist im Prinzip die Sparvariante am unteren Ende der Fahnenstange mit dem dünnsten und kleinsten Polster (zumindest in diesem Artikel). Das ergibt eine etwas eigenartige, lockere Passform, weil es nicht genug Volumen gibt, das dafür sorgt, dass sich im Stützgewebe Spannung aufbaut. In Folge dessen wird es auch kaum am Körper festgedrückt, was sich für mich sehr unangenehm anfühlt. Man fühlt sich einfach nicht sicher und das Höschen rutscht immer wieder runter. Die Schlussfolgerung hier wäre demzufolge, dass ich da eine kleinere Größe nehmen müsste, wenn ich diese Variante nutzen wöllte, sofern das möglich wäre.

Tena Pants Original Normal, Vorderseite Tena Pants Original Normal, Seitenansicht Tena Pants Original Normal, Rückseite

In Sachen Saugverhalten und Gesamtvolumen lässt sich hiermit kein Preis gewinnen. Das ist wirklich wie aus dem Lehrbuch genauso ein Produkt, das nur für leichtes Getröpfel in Frage kommt oder als zusätzlicher Notfallschutz unter der normalen Unterwäsche. Das bedeutet letzten Endes, dass die Menge an Pipi, die es aufnehmen kann, einem Becher Kaffee, also ca. 200 ml, entspricht. Ich hab die eigentlich nur als Lückenfüller für die kurzen Phasen verwendet, wenn ich zwischen Abendbrot, abendlicher Dusche und dem späteren Abhängen auf dem Bett halbnackt durch die Wohnung schwebe.

Tena Pants Plus | Super | Maxi

Hierbei handelt es sich sozusagen um die Hauptproduktlinie der „medizinischen“ weißen Pants. Wenn man das direkt mit der vorherigen Version vergleicht, sieht man gleich, dass der Hauptunterschied hier im Polster liegt, welches hier merklich größer ist. Es hat auch einen entsprechend ausgeformten Teil für den Popo und ist nicht nur einfach rechteckig. Das bedeutet auch, dass es einfach schon wegen des größeren Volumens besser passt. Der größere Frontbereich sorgt dafür, dass man sich viel sicherer fühlt, wenn man es einfach laufen lässt, wodurch die Produkte auch bei Dranginkontinenz geeignet sind, wenn man eine doch schon recht große Menge Urin nicht mehr zurückhalten kann.

Tena Pants Super, Vorderseite Tena Pants Super, Seitenansicht Tena Pants Super, Rückseite

Die Namensgebung entspricht der Tena Slip, aber da sollte man sich nicht täuschen lassen. Die absoluten, effektiven Saugwerte sind trotzdem niedriger. Nach meiner Schätzung ist das Verhältnis eher so ein Drittel der Slip Produkte, wobei es sich dann bei den höheren Saugstärken günstiger in Richtung eines Verhältnisses von eins zu zwei entwickelt. Daraus ergibt sich, dass eigentlich nur eine Maxi Pant ungefähr an eine Tena Slip Super herankommt, wenn überhaupt. Genauer gesagt fühlt es sich für mich sogar immer so an, als ob die Pants bei der Saugstärke in eine (imaginäre) Lücke zwischen den anderen Produkten passen, sofern es die praktische Nutzung betrifft. Natürlich hat das mit den unterschiedlichen physikalischen Verhältnissen bedingt durch die Konstruktion zu tun, aber auch einfach damit, dass man aus Sicherheitsgründen die Produkte nie bis an ihre Grenze ausnutzt.

Unabhängig davon würde ich die Produkte als „sicher“ einstufen, solange man den Zeitraum im Blick hat, in dem man voraussichtlich nicht zum Wechseln kommt und wie lange man dementsprechend das Produkt tragen muss. In meinem Fall heißt das, das ich z.B. eine Maxi Pant schon mal für die zwei Stunden zur Physiotherapie tragen kann und vielleicht auch sogar eine Super reicht, aber ich würde damit jetzt nicht länger unterwegs sein wollen, weil ich nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahre und es dann natürlich manchmal schlecht aussieht mit Gelegenheiten zum Wechseln. Außerdem kommt bei mir noch hinzu, dass ich dann schon zusehen muss, dass ich vorher nochmal aufs Klo gehe, damit nicht so viel Druck auf dem Darm ist und nichts schiefgeht.

Dieses auffällige Fähnchen auf der Rückseite ist übrigens ein Klebestreifen, mit dem man das benutzte Produkt verschließen kann, wenn man es aufgerollt hat. Das gibt es auch nur bei dieser Produktlinie.

Tena Men Protective Underwear Level 4

Auch wenn der Name ein ganz schönes Wortmonster ist, gibt es das Produkt schon einige Jahre und man könnte es als Tenas ersten Versuch ansehen, sowas wie „mannhafte“ Pants einzuführen. Interessanterweise hat man das hier auch konsequent durchgezogen und das Produkt von Grund auf neu designt, sowohl was die äußere Form angeht, aber auch die Form des Polsters. Das wird dadurch deutlich, dass das Polster Vorne sehr weit nach oben reicht und den männlichen Intimbereich damit besonders gut abdeckt und umschließt. Wenn man es anlegt, fühlt sich das Produkt auch insgesamt etwas mehr wie kurze Männerschlüppis an, weil es von der Form her etwas dreieckiger ist und nicht so langgestreckt im Hüft- und Taillenbereich.

Tena Men Protective Underwear Level 4, Vorderseite Tena Men Protective Underwear Level 4, Seitenansicht Tena Men Protective Underwear Level 4, Rückseite

Bei unserer kleinen Produktselektion ist es auch einzigartig, weil der obere Teil (der mit den aufgedruckten Streifen) auch ein anderes Material verwendet. Es ist wesentlich stabiler und dehnt sich nicht so stark, wodurch eine gute, eng sitzende Passform zustande kommt. Allein deswegen schon wäre das auch mein Lieblingsprodukt. Es kommt am nächsten an das Gefühl einer eng angelegten normalen Windel ran, wie ich das eben bevorzuge. Das Polster entspricht mehr oder weniger dem der Pants Super, was Saugkapazität, Form und der Passung am Körper angeht. Kleines Detail am Rande: Es gibt sogar ein nachgeahmtes Label auf der Innenseite. Da kann man mal sehen…!

Tena Men Protective Underwear Level 4, Label

Tena Men Active Fit

Zum Abschluss noch das Produkt, dass den Artikel quasi ausgelöst hat. Zugegebenermaßen hat es sich aber nicht als so aufregend herausgestellt, wie ich erhofft hatte. Wenn man genau hinsieht, sieht es etwas wie eine eigenartige Kreuzung aus der Original Normal (Gesamtform und Form des Polsters) und der Super Pant aus. Logischerweise teilt es dadurch gewisse Eigenschaften mit den anderen beiden Varianten. Das kann man sowohl für den etwas lockeren Sitz festhalten, aber durchaus auch die akzeptable Saugleistung. Komisch? Auf jeden Fall!

Tena Men Active Fit, Vorderseite Tena Men Active Fit, Seitenansicht Tena Men Active Fit, Rückseite

Zusammenfassung

Auch wenn das hier vielleicht kein richtiger Produkttest ist, hoffe ich doch, dass dieser kleine Überblick zumindest hilft, die richtigen Pull-Ups zu finden, die man möglicherweise mal tragen will. Für mich selbst, sollte das jemals relevant sein, würde ich nur die gestreifte Protective Underwear in Betracht ziehen, einfach weil sie mir am besten passt. Die anderen sind okay, aber haben jetzt auch nicht dafür gesorgt, dass ich das Gefühl habe, da was zu verpassen. Auch wenn mir die Einschränkungen schon immer klar waren, ist der Abstand zu „richtigen“ Windeln einfach zu groß und es lohnt sich nicht. Der einzige wirkliche Vorteil ist, dass es diese Pants mittlerweile wirklich in fast jedem Supermarkt oder in jeder Drogerie gibt, weshalb man in Notsituationen unterwegs nicht lange danach suchen muss.

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Ein Kommentar zu “Pants Test: Tena Pants

  1. Diese Pants haben schon Ihrer vorteile und für Tröpfchenweisen Urinverlust sind sie gut geeignet. Ich bevorzuge aber doch richtige Windeln wie die Tena Slip Super oder Maxi

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