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Vorlagentest: Kolibri Compact

Auch wenn ich mich entschieden habe, wegen meiner Stuhlinkontinenzprobleme „richtige“ Windeln zu verwenden, ist die Welt der Inkontinenzprodukte doch viel größer und umfasst noch diverse andere Möglichkeiten. Ich habe schon eine Weile vor mich hin gegrübelt, wie ich das hier am besten integrieren kann, um damit das Angebot an Informationen etwas zu verbreitern. Ich will da aber nicht schwindeln – diese alternativen Produkttests werden viel unregelmäßiger und weniger umfangreich wie meine anderen Aktivitäten ausfallen, was einfach daran liegt, dass ich mein begrenztes Budget nicht für Sachen ausgeben will, die ich dann nicht so oft nutze. Deshalb wird das hier nur ab und zu auftauchen, wie es sich eben ergibt und ich das Zeug kostengünstig in die Finger bekomme.

Als ersten Anfang werden wir uns mal die Kolibri Compact Einlagen/ Vorlagen ansehen. Ich habe die Packungen mit dem Material bekommen, das ich Anfang des Jahres für den Test der Kolibri Comslip genutzt habe und habe seitdem immer mal wieder eher sporadisch die Produkte verwendet. Warum ich sie nicht öfter und regelmäßiger verwendet habe, sollte eigentlich schnell klar werden. Weil es sich nun mal um Windeln abzüglich der Flügel handelt, ist das größte Problem einfach die Fixierung. Das hat dann wieder Auswirkungen auf andere Bereiche, wozu ich dann an den entsprechende Stellen etwas sagen werde, während wir das Produkt begutachten.

Kolibri compact normal, Packungen Saugstärken

Die Kolibri Compact gibt es in zwei Varianten: Die etwas einfachere Normal-Version und die höherwertige in Soft. Im Gegensatz zu Windeln wirkt sich bei Einlagen diese Differenzierung nicht nur auf die Saugstärken oder die Art des äußeren Materials aus, sondern hat oft auch direkte Auswirkungen auf die Form des Produkts. Deswegen kann man sich nicht immer unbedingt sicher sein, dass Versionen mit identischer Bezeichnung die gleichen Ergebnisse hergeben. Gottseidank hält sich das hier in Grenzen und beschränkt sich auf das, was man in Ermangelung eines besseren Begriffs dafür nur als zwei unterschiedliche „Größen“ bezeichnen kann.

Kolibri compact normal, Packung

Die Kolibri Compact Normal hat davon nur die kleinere Variante abbekommen und kommt in zwei Saugstärken, die entsprechend der üblichen Kolibri-Benennung special und ultra heißen. Auch wenn einem das von den Windeln her bekannt vorkommen dürfte, hat es doch mit den Saugstärken der Produkte dort relativ wenig zu tun und ist einfach willkürlich festgelegt. Verständlicherweise sind die Polster einfach nicht so groß und dick und können nicht die gleiche Menge an Flüssigkeiten binden.

Kolibri compact normal, Saugstärken

Die zwei Saugstärken unterscheiden sich rein optisch in der Farbe, wobei die lilafarbene die special ist und die eierschalenblaue die ultra. Für die Fotos habe ich mich für die special entschieden, um visuell etwas Abwechslung ins Spiel zu bringen und die Details etwas besser herauszubringen. Wie man sich allerdings denken kann, hat man mit der Farbe im realen Leben vielleicht auch ein Problem. Die Farbe ist sehr intensiv und strahlt durch alles hindurch, was nicht undurchsichtig genug ist, egal ob das nun dünner Stoff oder die halbtransparenten Plastikhosen sind. Das kann sich dann sogar noch weiter nach außen fortsetzen, wenn man blöderweise z.B. im Sommer auch noch weiße Hosen oder durchsichtige Röcke trägt. Da hat man schon mal das erste Problem und sollte sich in so einer Situation dann eher für die neutralere Farbe entscheiden.

Die Außenschicht besteht aus einem halb-atmungsaktiven Material – nicht ganz Folie, aber auch nicht richtiges Gewebe. Da kommt nichts durch und es ist ziemlich weich, aber ich muss trotzdem sagen, dass die Teile manchmal schon ziemlich verknittert sind, weil sie ungünstig in die Packung gestopft wurden, was dann den Effekt auch wieder zunichtemacht. Es ist teilweise zeimlich schwierig, den Rand wieder glatt zu bekommen, damit man das Produkt auch wirklich bequem tragen kann.

Kolibri compact normal, Vorderseite

Damit kommen wir auch schon zu einem meiner Punkte. Da ich die Bilder mit einer transparenten Plastikhose aufgenommen habe, kann man die Probleme mit der Fixierung zumindest vielleicht erahnen. Glaubt mir, es war ziemlich schwierig, das Polster einigermaßen symmetrisch und gleichmäßig auszurichten, damit es auch glaubwürdig aussieht. Am eigen Körper ist es etwas einfacher, weil dann bedingt durch die Anatomie manches an Ort und Stelle rutscht und einrastet, wenn ihr wisst, was ich meine, aber das ursprünglich Gesagte bleibt gültig: Man muss sich schon richtig Mühe geben, damit alles richtig sitzt und trotzdem gibt es keine Garantie, dass über den Tag wieder alles verrutscht, wenn man sich bewegt.

Kolibri compact normal, Seitenansicht

Wie die Bilder zeigen, sind diese kleineren Teile mehr oder weniger überhaupt nur auf Harninkontinenz ausgerichtet, wobei sich der größte Teil  des Funktionsbereiches  in den vorderen Körperregionen befindet. Zusätzlich zu den Schwierigkeiten, eine stabile Positionierung und Ausrichtung hinzubekommen, ist das auch einer der Gründe, warum ich gar keine oder nur eingeschränkt Verwendung für viele Arten von Vorlagen habe. Es ist einfach unvermeidlich, dass bei einem ernsthaften „Unfall“ die Fäkalien über den Rand des Polsters hinausschießen. Noch dazu erscheint es mir selbst unter normalen Bedingungen einfach umständlich, diese Einlagen zu verwenden. Es gibt einfach keine gute Möglichkeit, das Produkt zu wechseln, ohne dass es entweder nach dem Ablegen der Fixierhose auf den Boden knallt oder man eine Sauerei macht und alles vollschmiert, wenn auch unabsichtlich. Für mich ist das, als ob einem immer eine dritte Hand fehlt.

Kolibri compact normal, Rückseite

Weil der Wechsel nun mal so risikobehaftet ist, wird man die meiste Zeit auch die Kapazität nicht maximal ausnutzen und schon vorzeitig das Inkontinenzprodukt erneuern, nur um zu vermeiden, dass man sich die Hände dann auch allzu schmutzig macht. Man muss aber zumindest erwähnen, dass man wenigstens die gleichen guten und weichen Polster hat, die auch bei den Windeln so gut funktionieren. Eine frisch angelegte Vorlage fühlt sich fast schon wie angenehme Unterwäsche an und nach kurzer Zeit bemerkt man das schon gar nicht mehr. Natürlich liegt darin auch wieder eine kleine Falle, weil man das dann zu leicht vergisst und sich die Klamotten möglicherweise eben doch anschmuddelt, weil man zu lange gewartet hat.

Kolibri compact normal, Innenseite

Die Flüssigkeitsverteilung ist insgesamt gut wie auch die gesamte Aufnahmefähigkeit. Die Auslaufschutze sind sogar relativ breit/ hoch, was nochmal etwas die Sicherheit erhöht. Wie schon erwähnt, unterscheidet sich die reale Kapazität aber trotz gleicher Namensgebung deutlich von der bei den Windeln. Selbst die Special erzielt hier bestenfalls nur die Werte einer Windel mit mittlerer Saugstärke, also sowas wie Tena Slip Plus oder Super bzw. Kolibris eigene Comslip Ultra.

Kolibri compact soft, Packungen Saugstärken

Bei den Soft Versionen kann man die gleichen Regeln geltend machen, zumindest bei der ultra. Die special und supra sind hingegen ganz andere Produkte aufgrund des Umstandes, dass die Form ganz anders und größer ist. Allerdings muss man leider sagen, dass bei Vorlagen größer nicht immer unbedingt auch besser bedeutet. Viele der im vorherigen Absatz erwähnten Probleme können sich um ein vielfaches verstärken, wobei das größte davon ist, dass sich große Polster noch mehr zusammenknautschen und man dann schon ganz schön wurschteln muss, damit es sich der Fixierung anpasst.

Kolibri compact soft, Packung

Kolibri compact soft, Saugstärken

Wie in den Bildern dargestellt, sind die größeren Varianten ziemlich rechteckig, was es noch schwerer macht, sie zur Kooperation zu bewegen. Das ist nicht unmöglich, aber ich würde mir diese Modelle eher für zu Hause aufheben, wo man genug Zeit und Ruhe hat, sich mit solchen kleinen Unannehmlichkeiten zu befassen und sich das Leben erleichtern kann, wenn man z.B.  Das Polster auf dem Bett flachdrückt, wenn man sich drauflegt.

Kolibri compact soft, Vorderseite

Natürlich ist die Frage, die jedem im Kopf rumschwirrt, wie man diese verdammten Dinger denn nun am besten fixiert. Ein paar Gedanken dazu habe ich ja schon mal in einem meiner Einführungsartikel aufgeführt. Ich mag diese furchtbaren Netzhöschen, die immer so schön auf den Packungen mit aufgedruckt sind und dem Anbieter ein schönes Zusatzgeschäft bescheren sollen, immer noch nicht sonderlich. Sie sind einfach zu schwach und unbequem. Gleichzeitig ist für mich nur Plastikhose aber auch komisch, weil mich zu viel PVC direkt auf der Haut dann doch irgendwie stört. Deswegen bevorzuge ich immer noch meine Schlüppis aus synthetischen Fasern oder eben Badehosen. Das hat auch den Vorteil, dass es sich leicht reinigen, also ausspülen lässt, wenn mal was schiefgeht.

Kolibri compact soft, Seitenansicht

Natürlich kann man die Vorlagen auch als Booster/ Zusatzpolster verwenden, oder, wenn man sich das euphemistisch schönreden will, eine Windel als Fixierhose drum machen. Natürlich wird’s hier ziemlich schwammig, weil alles von unendlich vielen möglichen Kombinationen abhängt. Ich kann beispielsweise ohne Probleme die kleinere Version problemlos mit meinen üblichen Attends Slip Regular in Größe M verwenden, allerdings immer nur ein Teil. Ansonsten wird der „Abstandhalter“-Effekt zu groß, wenn sich mehrere Polster übereinander stapeln und dann läuft alles aus.

Bei den größeren Varianten wird das etwas komplizierter, weil man dann auch größere Windeln braucht, um überhaupt alles genügend abzudecken, was dann wiederum von den körperlichen Gegebenheiten abhängt. Das Gleiche trifft allerdings auch auf textile Bedeckung und Plastikhosen zu. Schon erstaunlich, wie groß so eine Vorlage einem dann plötzlich erscheint, wenn man sie gut verstecken muss. Deswegen wäre es sicher sinnvoll, erstmal die kleinere Variante auszuprobieren, bis man sich dabei sicher fühlt. Selbstverständlich gehört das übliche Aufritzen der Oberfläche auch mit dazu, damit sie durchlässig wird, wenn man die Dinger als Zusatzpolster verwendet.

Kolibri compact soft, Rückseite

Wie auch immer man sie verwendet, die Kapazität der großen Polster ist beinahe mit der der entsprechenden Windeln vergleichbar, natürlich unter Berücksichtigung der Einschränkungen, die sich durch die unterschiedliche Herangehensweise ergeben. Eine supra kann man schon ziemlich lange tragen und wenn man sie irgendwie vernünftig fixiert kriegt, kommt man damit sogar durch die Nacht. Selbst eine special ist nicht so schlecht.

Kolibri compact soft, Innenseite

Abschließende Gedanken? Auch wenn ich durchaus gern mal ausgetretene Pfade verlasse, bleibt es schwierig, andere Inkontinenzprodukte in meine tägliche Routine zu integrieren und ich habe dabei gemischte Gefühle. Im besten Fall könnte ich sagen, dass ich dazu keine rechte Meinung habe, im schlimmsten Fall sind sie einfach nix für mich. Das heißt allerdings nicht, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es bei bestimmten Formen der Inkontinenz funktioniert. Für mich kommt es halt einfach nicht zusammen. Das Wechselprozedere einer Vorlage ist furchtbar umständlich im Vergleich zur Einfachheit, mit der man sich eine neue Windel um den Hintern wickelt und bei mir mit meinen Darmproblemen kommt bei Vorlagen auch nicht so recht das Gefühl der Sicherheit auf.

Auf Grundlage meiner begrenzten Erfahrungen schlägt sich dieses Produkt im Vergleich zu anderen seiner Art (klar kommen da in Zukunft noch mehr Artikel) ganz gut, auch wenn das meiste damit zu tun hat, dass es einige gute Eigenschaften wie das das gute Saugverhalten von den Windeln der gleichen Marke geerbt hat. Wer wirklich mal Vorlagen/ Einlagen ausprobieren will, geht bei diesem Produkt kein großes Risiko ein. Eine Packung der kleineren Versionen ist nicht so teuer und weil die Saugstärken überhaupt erst bei einem vernünftigen Level anfangen, muss man da auch nicht fürchten, sein Geld für billige Papiertaschentücher aus dem Fenster zu werfen.

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