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Windelgrundlagen: Ein neuer Blick auf Hautpflege bei Inkontinenz – Teil 1 – Einleitung

Noch eines dieser alten Themen, das ich schon immer mal wieder in Angriff nehmen wollte, um etwas genauer darauf einzugehen, ist die Hautpflege in Relation zu Inkontinenzproblemen. Ganz am Anfang dieses Blogs hatte ich dazu schon mal ein bisschen was in meiner Einführungsserie geschrieben, aber nachdem ich nun an einem Punkt angekommen bin, wo ich Windeln rund um die Uhr trage, haben sich natürlich einige Ansichten dazu geändert genauso wie auch meine Erfahrungen gewachsen sind. Außerdem ist es einfach notwendig geworden, dass ich mich selbst mal mit dem Thema etwas genauer auseinandersetze, damit ich langfristig da keine Probleme bekomme und die vielen kleinen Nebeneffekte des Windeltragens keinen Schaden anrichten.

Zunächst muss ich dazu erstmal ganz ehrlich zugeben, dass ich mit diesem „Es reibt sich die Lotion auf die Haut!“ Kram, wie das so schön in Das Schweigen der Lämmer gesagt wird, nicht wirklich gut bin. Selbst heute gehe ich damit oft viel zu nachlässig um und hab eigentlich nur Glück, dass meine Haut von Natur aus widerstandsfähig genug ist und bisher keinen schaden genommen hat. Allerdings werde auch ich nicht jünger und nehme noch dazu mehr als genug Kortikoide zu mir, die ihren Teil zu Hautproblemen beitragen können, also ist das so oder so mal eine gute Gelegenheit, das Thema zu diskutieren.

Hinweis: Eine ganze Menge von dem, was ich schreiben werde, wird etwas trocken und theoretisch klingen, also habt da Verständnis dafür. Das wird nichts Hochwissenschaftliches und wir konzentrieren uns auch wirklich nur auf das, was im Umfeld von Inkontinenz relevant ist, aber manches muss man etwas ausschweifender erklären, auch wenn es langatmig und dröge daherkommt.

Die Gründe

Die Beweggründe, warum man Pflegeprodukte verwendet und welche, werden für jeden individuell variieren, aber zumindest wenn es um das Tragen von Inkontinenzversorgung geht, gibt es ein paar reproduzierbare Szenarien, die fast universell zutreffen. Ich werde versuchen, sie hier umfänglich aufzulisten, aber ihr könnt natürlich gern eure eigenen Gedanken über die Kommentarfunktion ergänzen. Legen wir also mal los.

Sauberkeit und Hygiene

Dieser Punkt sollte eigentlich selbstverständlich sein. Man hofft doch, dass jeder einen einigermaßen entwickeltes Gespür für Sauberkeit und Hygiene hat und wenn nicht, wäre jetzt vielleicht ein guter Zeitpunkt, sich damit auseinanderzusetzen. Man will ja schließlich nicht wie ein Klo müffeln oder dass sich unangenehme Substanzen auf der Haut ablagern. Es bedarf dazu auch keiner zehn Duschen am Tag, keiner teuren Spezialprodukte noch Unmengen von Parfüm, um sich sauber zu fühlen und gut zu riechen. Man muss nur seine festen Abläufe haben und etwas Selbstdisziplin aufbringen, um die Sache durchzuziehen.

Verbesserung der Widerstandskraft und Elastizität der Haut

Als Voraussetzung für einige andere Dinge ist es wichtig, dass man die Haut so flexibel und von ihrer Struktur her so intakt wie möglich hält. Dadurch lassen sich Druckstellen, Abschürfungen und starker Hautabrieb vermeiden und es hilft auch, die Inkontinenzprodukte so optimal zu verwenden, wie sie vielleicht gedacht sind. Das bedeutet, dass eine elastische Haut einen besseren, strammeren Sitz erlaubt und verkraftet als trockene Haut, die zum Aufbrechen neigt. Ich möchte hier auch anmerken, dass das auch bei der Reinigung und der Intimrasur hilft (was natürlich wieder eine ganz andere, eigene Diskussion wert ist).

Erhaltung der Hautfette und -feuchtigkeit

Auch wenn es komisch klingen mag, ist eines der größten Probleme bei der Verwendung von Inkontinenzprodukten, dass die Haut sich trocken anfühlt und es dann auch irgendwann wird. Man glaubt das erstmal nicht, weil man ja zeitweise bei einer vollen Windel fast schon wortwörtlich einen kleinen Sumpf am Hintern mit sich rumträgt, aber die Fakten bleiben davon unberührt: Die chemische Zusammensetzung des Urins hat ihre negative Wirkung genauso wie das watteartige Saugpolster die dünne Hautfettschicht abrubbeln kann und der Haut die Feuchtigkeit entzieht. Für mich ist das einer der störendsten Faktoren beim Windeltragen. Ohne da jetzt zu sehr ins Vulgäre abzudriften, aber manchmal juckt es mir deswegen so am Hodensack, ich könnte mich kratzen, bis die Eier bluten. Das ist dann, als hätte ich auf heißem Sand gesessen und mir da unten ’ne Verbrennung geholt. ;-)

Heilung und Vermeidung von Wunden

Wenn man Windeln oder andere Inkontinenzprodukte trägt, ist man ständig dem Risiko von Hautbeschädigungen und -verletzungen ausgeliefert. Von kleinen Abschürfungen über oberflächliche Schnittwunden durch scharfe Kanten bis zu Haarwurzelentzündungen können da Millionen Dinge passieren. Einiges davon kann dann weiterführende Konsequenzen haben wie Bakterien- oder Pilzinfektionen. Deshalb muss man seiner Haut auf die Sprünge helfen, damit sie schneller heilt oder von vornherein nicht so empfindlich dafür ist.

Behandlung von Hautkrankheiten und Infektionen

Als direkte Schlussfolgerung aus dem vorherigen Abschnitt ergibt sich, dass die Verwendung bestimmter Hautpflegeprodukte einigen der Effekte von ernsten Infektionen und chronischen Hautkrankheiten, wie beispielsweise Schuppenflechte, entgegenwirken kann. Ich habe zum Beispiel regelmäßig immer wieder mal Phasen mit Kleiepilz, weil die Kortikoide meine Hautbarriere schwächen. Deshalb macht es natürlich mehr als Sinn, zusätzlich zu den diversen medizinischen Salben und Cremes, mit denen man sowas behandelt, dafür zu sorgen, dass sich nichts weiter ausbreitet und man im wahrsten Sinne des Wortes alles abwäscht und abwischt so gut es eben geht.

Verschiedene Hautpflegeprodukte

Die Schritte

Aus den im vorherigen Absatz genannten Gründen leitet sich eine klare Abfolge von Schritten und Prozeduren ab, die wiederum bestimmen, welche Produkte man in welcher Reihenfolge verwendet. Das sind drei einfach zu merkende, allgemeingültige Schritte und wo nötig, werde ich dann auch noch ein paar zusätzliche Anmerkungen geben (und versuchen, das Kuddelmuddel zu entwirren, das ich selbst verursacht habe, weil ich alles so aufgeschrieben habe, wie es mir in den Kopf gekommen ist). ;-)

1. Reinigung

Noch bevor man überhaupt daran denken kann, voll loszulegen, fängt alles immer damit an, all das zu beseitigen, was stören könnte, egal ob Schweiß, Urin- und Kotrückstände, Bakterien und Pilze, Hautzellreste, Reste von vorherigen Pflegeprodukten, abgeriebene mikroskopische (oder auch nicht) Fasern von der Kleidung, Unterwäsche, den Windeln usw.. Man fängt also immer mit einer sauberen Grundlage an.

Abgesehen davon, dass das auch irgendwie seinem eigenen Selbstzweck dient, gibt es noch einen weiteren Grund dafür. Wie man auch in der Schule im Chemieunterricht mit sauberen Gefäßen arbeitet, um ein unvorhersehbares Ergebnis bei einem Experiment zu vermeiden, sollte man unerwartete Wechselwirkungen bei Hautpflegeprodukten möglichst vermeiden. Das wird umso wichtiger, wenn man mehrere Produkte von verschiedenen Herstellern verwendet oder wenn man mal wieder herumprobiert, um die beste Kombination zu finden.

Wie man das erreicht ist wieder eine andere Sache, aber man sollte sich klar sein, dass alles nur dem einen Zweck dient. Ob man nun duscht, sich mit einem Waschlappen abreibt oder sich mittels „Trockenreinigung“ (ich nenne das ab jetzt mal so) unter Verwendung von Reinigungsgels und -schäumen, Tüchern oder Ähnlichem behilft, spielt eine untergeordnete Rolle. Natürlich wird man sowieso die meiste Zeit verschiedene Dinge kombinieren und daraus seine tägliche Routine entwickeln wie eine gründliche Morgendusche und dann kleinere Reinigungsaktionen zwischendurch z.B. mit Feuchttüchern, wenn man sein Inkontinenzprodukt wechselt. Vieles davon hängt auch von den Umständen ab, also ob man beispielsweise auf Arbeit Zugang zu einer geeigneten Toilette hat. Mehr dazu aber dann, wenn wir die Produkte besprechen und wie man sie verwenden sollte.

2. Unmittelbarer Schutz

Dieser Teil ist vielleicht der, der etwas einzigartig ist und nur im Bereich Inkontinenz eine Rolle spielt. Normale Menschen wird das kaum betreffen. Klar, die Verwenden auch Sonnencreme, Fußcreme und einiges Andere, aber nur wenige werden wirklich so spezielle Produkte wie schichtbildende Schutzcremes oder generell sehr reichhaltige (sprich: fettige) Kosmetika verwenden, um ihre Haut vor den Auswirkungen der Inkontinenz zu schützen. Darin eingeschlossen sind auch ein paar Produkte, die man nicht durchgehend verwenden wird, sondern nur, wenn bestimmte zeitweise Probleme, Ausschläge oder sonstige Hautreaktionen auftreten.

Bei diesem Thema werde ich versuchen, mich auf ein vernünftiges Maß zu begrenzen, weil es hier sehr feine Grenzen zwischen ernsthaften Medizinprodukten, anerkannten und langerprobten Drogerieprodukten sowie speziellen Inkontinenz-Pflegeprodukten gibt. Wenn ich da jede Duft- und Aromavariante, jede Art der Emulsion, jeden Wirkstoff oder Kräuterextrakt ausgiebig diskutieren würde, wäre das nur verwirrend. Außerdem besteht dabei immer die Gefahr, dass man sich aufgrund unterschiedlicher Meinungen z.B. bei „alternativen“ Produkten und „gefährlichen Halbwissens“ nur Ärger einhandelt, und das muss ich nicht haben. ;-)

3. Langzeitpflege

Hier kommen wir zu dem, was die meisten Menschen als ihre normale tägliche Hautpflege bezeichnen würden, wenn man mal von Waschen, Duschen, Baden und gelegentlichem Schrubben absieht. Dabei geht es vor allem darum, die natürlichen Funktionen der Haut zu erhalten und das oftmals auch indirekt z.B. durch stimulierende Substanzen, die die Durchblutung anregen und somit die Haut stärken. Bei diesem Teil bin ich zugegeben auch eher eine Null. Auch wenn es der größte Teil des Kosmetikmarktes ist, haben mich all die Cremes, Lotionen usw. lange Zeit völlig kalt gelassen und ich hab dafür kaum Geld ausgegeben. Wenn ich nicht mal irgendwann angefangen hätte, mir wegen der Radfahrerei die Beine zu rasieren und dann Stück für Stück noch andere Körperregionen, wäre ich nie darauf gekommen, wie angenehm beruhigend und glättend doch kühlende Gele und Body Milk sein können. ;-)

Entsprechend werde ich mich auch hier zurückhalten und kann auch dann nur sagen, wie die Produkte, die ich selbst verwende sowie ein paar Muster, die ich von einigen Anbietern bekommen habe, für mich funktionieren. Ihr könnt euch als entspannen und weiter die Sachen verwenden, die ihr schon immer genommen habt, wenn es für euch hinhaut. Ich plane definitiv nicht, einen Kosmetik-YouTube-Channel aufzumachen und dann die nächsten Jahre Millionen Produkte abzuarbeiten und die Leute zu etwas zu belehren, bei dem ich selber nicht viel Ahnung habe. mit dem Windelkram habe ich eigentlich auch schon genug zu tun.

Verschiedene Hautpflegeprodukte

Wie geht’s weiter?

Ich hoffe, ich habe euch jetzt mit meiner Einleitung nicht zu sehr gelangweilt und hoffe genauso, dass ihr zumindest erahnen könnt, in welche Richtung diese Artikelserie gehen soll. Wer spezifische Fragen und Ideen hat, die wir mal erörtern sollten, kann sich in den Kommentaren austoben. Im nächsten Teil beabsichtige ich mal zusammenzufassen, was man so ganz grundsätzlich an Mittelchen braucht und wie einige Inhaltsstoffe wirken und in den späteren Artikeln schauen wir uns dann mal ein paar Markenprodukte an, wie man auch schon in den Bildern erkennen kann. Also bis dahin dann…

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