Windelzubehör: Der große Onesie-Vergleich – Teil 10 – Unbekannter China Onesie

Auch wenn man denken könnte, dass wir mittlerweile einen guten Teil des Marktes für Onesies/ Windelbodys/ Strampler/ Pflegebodys oder wie auch immer man die Dinger nennt abgegrast haben, bleibt doch immer noch genug Luft und aus manchmal doch recht obskuren Quellen tauchen dann noch ein paar Produkte auf. Weil ich für das Produkt, über das wir heute reden, nie genau rausgefunden habe, wer nun der eigentliche Hersteller ist, mach ich jetzt mal einen auf Kanzler Palpatine (der aus Star Wars) und erkläre mit knarziger Stimme „Von nun an sollt ihr als Darth…“, ähm nö, Unbekannter China Onesie „…bekannt sein“. Klingt komisch, ist aber so (ja, das ist auch aus Die Sendung mit der Maus geklaut). Das Produkt selbst kann man an diversen Orten in verschiedenen Varianten finden, aber dazu später etwas mehr.

Vorab will ich auch schon mal darauf hinweisen, dass aufgrund meiner eingeschränkten Fähigkeiten, mich auf chinesischen Webseiten zurechtzufinden (mangels durchgehender Übersetzung) und aus dem ganzen einen Sinn zu erschließen, sowie ein paar anderen Dingen wie dem Umstand, dass die Bilder auf solchen Seiten oft schlechte Qualität haben, einige Informationen sicher nicht 100% genau sind und manches auch etwas spekulativ ist. Wer sich also damit besser auskennt, kann gern über die Kommentarfunktion oder per direkter Kontaktaufnahme die Faktenlage verbessern.

Farben und Muster

Ich selbst habe dieses Produkt schon in ungefähr sechs Varianten gesehen, obwohl es natürlich aufgrund der Schwierigkeiten bei der genauen Bestimmung der Herkunft möglich ist, dass es sich dann doch um komplett verschiedene Produkte handelt. Selbstverständlich kann ich aus offensichtliche logischen Gründen für die zwei Versionen mit den gedruckten Mustern, wie sie in den Fotos zu sehen sind, meine Hand ins Feuer legen. Außerdem weiß ich durch zuverlässige Bekannte, dass es definitiv auch eine himmelblaue/ babyblaue sowie eine hellrosa/ babyrosa Variante gibt.

Unbekannte Chinesische Onesies

Wie man sehen kann, handelt es sich bei den bedruckten Varianten im Grunde um komplett weiße Bodys, bei denen nur das Muster etwas Farbe ins Spiel bringt. Im Gegensatz dazu sind bei den farbigen Varianten die Bündchen auch farbig abgestimmt, und zwar jeweils passend zur Grundfarbe, nur in einem intensiveren Farbton. Also wird beim himmelblauen ein dunkleres Mittelblau verwendet und beim rosa Modell ein dunkles Pink.

Obwohl ich üblicherweise kein Freund von kleinen Mustern bin, finde ich sie in diesem Fall mal ganz akzeptabel. Der Hauptgrund dafür ist die Auswahl der Farben. Auch wenn es komisch klingt, selbst meine Geschmackszellen als Grafikdesigner schlagen da keinen Alarm, weil die Farben sehr gut abgestimmt sind. Zwar erkennt man die Musterwiederholung doch recht leicht, aber es ist jetzt auch nicht so, dass einem da die Augen wehtun und es einen nervt. Das verdient schon mal ein wenig Lob, egal, was da noch kommen möge. Besonders die Variante mit den Tieren und den stilisierten rechteckigen Köpfen ist da vielleicht sogar noch mehr hervorzuheben als die mit den Autos.

Jenseits dieser Muster glaube ich, mich noch an eine Variante mit kleinen Kirschen und hellgrünen Blättern erinnern zu können wie auch an irgendwas, das sehr viel Gelb hatte, aber da kann ich mich auch mächtig täuschen, wie ich schon gesagt hatte. Ich würde auch mal behaupten, dass es auf jeden Fall irgendwo auch eine blank weiße Version davon gibt und vermutlich noch diverse andere, aber natürlich werden meine Nachforschungen durch meine Unzulänglichkeiten beim Verstehen von asiatischen Sprachen beeinträchtigt.

Größe und Passform

Wie Langzeitmitleser hier auf dem Blog schon wissen, habe ich schon mal ’ne ganze Menge zu diesem Produkt geschrieben, als ich mir die Bodys gerade frisch zugelegt hatte. Jeder kann sich natürlich gern mein damaliges Geblubber nochmal durchlesen, aber der Vollständigkeit halber und um dem Stil der aktuellen Artikelserie treu zu bleiben, werde ich nochmal ein paar Gedanken hinzufügen und erläutern.

Unbekannter Chinesischer Onesie, Muster Tiere, Vorderseite

Grundsätzlich behält das, was ich in dem früheren Artikel zu diesen Onesies geschrieben hatte, seine Gültigkeit – diese Dinger sind irgendwie eine wild zusammengewürfelte Kopfgeburt, bei der wohl der Besitzer einer Hinterhoffabrik irgendwo in Asien mitten in der Nacht aufgewacht ist, und sich dachte, dass es eine gute Idee wäre, sowas als Zweitverwertung seiner T-Shirts zu vermarkten. Grundsätzlich ist daran erstmal nix verkehrt und ich bin mir sicher, vieles, was wir aus diesen Regionen importieren, wird unter ganz furchtbaren Bedingungen in solchen heruntergekommenen „Fabriken“ produziert, aber natürlich wird das hier auf eine zynische Art besonders relevant, vor allem wenn es eben praktisch nicht funktioniert.

Unbekannter Chinesischer Onesie, Muster Tiere, Rückseite

Die Bilder bringen diesen Eindruck schon rüber. Wenn der Body wirklich auf diesen (imaginären) T-Shirts beruhen würde, waren diese schon mal von Anfang an verdammt kurz. Selbst wenn man berücksichtigt, dass die Proportionen bei asiatischen Menschen vielleicht etwas anders sind, sehen die Onesies doch verdammt quadratisch aus. Hätte ich damals mehr darauf geachtet, hätte ich wissen können, dass es da Ärger gibt. Habe ich natürlich nicht und mir fehlte auch die Erfahrung, weshalb ich die Dinger dann eben am Hals hatte zusammen mit einer ganzen Menge Probleme, die ich erstmal lösen musste, um die Bodys überhaupt verwenden zu können.

Unbekannter Chinesischer Onesie, Muster Transport, Vorderseite

Neben der allgemeinen Form wären da auch die absoluten Größen zu nennen. Dass ich eine XXL kaufen musste nachdem die XL zu klein ausfiel, ist bei mir bis dahin auch noch nicht vorgekommen, auch wenn ich mir natürlich meiner Einschränkungen wegen meiner Figur mit Bauch und so voll bewusst bin. Die einzige Erklärung wäre wirklich die, dass diese auf asiatische Verhältnisse zugeschnittenen Größen eher europäischen Kindergrößen zuzuordnen wären, wobei die XXL dann schon sowas wie die 176 wäre und alle anderen Größen darunter noch kleinere Größen darstellen, also die XL beispielsweise dann der 164 entspräche. die logische Schlussfolgerung daraus kann nur sein, dass das alles, wenn überhaupt, auf eher kleinere Leute abzielt.

Anhand der Schnittform war klar erkennbar die Absicht beim Design, gute Bedeckung hintenrum zu erreichen, aber es ist zu doof, dass die Windelbodys niemals soweit runter reichen. Also ohne damit jemanden beleidigen zu wollen, man muss schon sehr kompakt gebaut sein und einen kurzen Oberkörper haben, wenn man hofft, dass das überhaupt funktionieren könnte. Aus diesem Grund halte ich die Verlängerungsstücke, die ich mir habe anfertigen lassen, für unabdingbar. Es ist ansonsten einfach unmöglich, die fehlenden Zentimeter zu überbrücken. Ohne das jetzt zu Tode zu wiederholen: Die Fotos sind da sogar noch schmeichelhaft und erwecken einen falschen Eindruck. Die Konturen dessen, was Front- und Rückenverlängerung sein sollen, sind wirklich flach wie ein Sandstrand.

Unbekannter Chinesischer Onesie, Muster Transport, Rückseite

Wenn man damit leben kann, dass man mit den anstöpselbaren Verlängerungen tricksen muss, funktioniert es okay. Verständlicherweise ist die Passform trotzdem noch relativ eng, aber zumindest kann man die Spannung in vertikaler Richtung dadurch beeinflussen, wie lang man die Verlängerung macht. In horizontaler Richtung kommt mir die sehr breite Form auch zugute, weil ich dadurch meine Arme relativ frei bewegen kann, ohne dass zu viel Spannung entsteht und irgendwas einreißt.

Windelfixierung

Wie man nach dem vorherigen Abschnitt erwarten würde, hat die Fähigkeit des Produkts, die Windel oben zu halten, so absolut gar nichts mit seinen eigentlichen Eigenschaften zu tun. Deshalb bleibt es einem selbst überlassen, es so hinzukriegen, dass es für einen funktioniert.

Unbekannter Chinesischer Onesie, Schrittbereich

Weil ich die Verlängerungsstücke eigentlich nur als ein Mittel ansehe, um den Body überhaupt verschließen zu können, würde ich mich nicht ausschließlich darauf verlassen, dass sie eine dicke volle Windel auch wirklich halten können. Deshalb würde ich dringend empfehlen, eine zusätzliche Schutz-/ Fixierhose zu tragen. Das wäre erst recht notwendig, wenn man diesen Onesie unter der Alltagskleidung tragen will, sonst gibt es peinliche Erlebnisse, wenn man zur Begrüßungsumarmung die Arme hochreißt und alles darunter zum Vorschein kommt.

Unbekannter Chinesischer Onesie, Knöpfe Vorderseite

Unbekannter Chinesischer Onesie, Knöpfe Rückseite

Sofern man all diese Kleinigkeiten ausgeknobelt hat, ist die eigentliche Stärke der Verbindung noch die kleinste Sorge. Es gibt jede Menge Knöpfe, je nach Größe zwischen vier und sechs, und die sind extrem stramm bis zu dem Punkt, dass man sich die Fingernägel abbricht, wenn man sie die ersten paar Mal aufmachen will. Natürlich setzt sich auch hier das Motto fort, dass es einem das Produkt nicht leicht macht, es überhaupt zu verwenden. Wirklich an jedem Exemplar sind die Drücker anders (schief) angebracht und demzufolge braucht man auch für jeden Body ein passend angefertigtes Zwischenstück, weil diese nicht untereinander austauschbar sind.

Unbekannter Chinesischer Onesie, Verlängerung offen

Unbekannter Chinesischer Onesie, Verlängerung geschlossen

Unbekannter Chinesischer Onesie, Verlängerung Detail

Materialien und Herstellungsqualität

In eigenartigem Kontrast zu den vielen, vielen Problemchen die wir schon angesprochen haben, ist die Qualität insgesamt eigentlich sogar ganz akzeptable. Anders als bei vielen anderen Produkten aus 100% Baumwolle fühlt sich der Stoff auf der Haut schön glatt an und ist auch einigermaßen dicht, so dass er die Form gut genug beibehält. Es scheint leichte Variationen beim Grad der „Weißheit“ zu geben, aber zumindest in meinem Fall passt es zur Farbe der Druckmuster. Bei den Tieren mit ihren Orange- und Brauntönen hat der Stoff einen leicht beige/ gelblichen Einschlag wie „natur“ Baumwolle und das haut da schon hin während bei den Autos der Stoff nahezu perfekt weiß ist.

Die Nähte sind auch nicht wirklich schlecht, wobei die meisten davon einigermaßen sauber und gerade sind bzw. den Konturen parallel folgen. Es ist jetzt keine große Kunst und an Stellen, wo mehrere Nähte aufeinandertreffen gibt es schon leichte Verdickungen, aber jetzt nichts so schlimmes, was man nicht auch als Hobbyschneider zu Hause nähen würde. Wie schon erwähnt, ist die Platzierung der Knöpfe ziemlich abgefahren und trägt nicht zu einem besseren Eindruck bei. Mit etwas mehr Sorgfalt hätte man das leicht beheben können, aber irgendwie spielt es ja doch nicht so die Rolle. Der größte Schwachpunkt bleibt einfach die grundsätzlich falsche Form. Man bekommt den Eindruck, dass jemand das mit Absicht versaut hat und das Schnittmuster ausgehend von falschen Annahmen gestaltet wurde, die mit dem realen menschlichen Körperbau nicht viel zu tun haben.

Preise und Verfügbarkeit

Die Verfügbarkeit des Produktes ist ziemlich unzuverlässig. Schon bei der nächsten Internetsuche kann man zufällig drüber stolpern, wenn man bestimmte Suchbegriffe verwendet, und an anderen Tagen kann man Stunden bei eBay danach forschen, ohne es je zu finden. Es hängt einfach von den Umständen ab wie beispielsweise ob es gerade jemand anbietet und ob diese (potenziell chinesischen) Anbieter eine vernünftige verständliche Übersetzung hinbekommen haben, die auch zu den eingegebenen Worten passt.

Genauso hängt es davon ab, wie man mit der Navigation auf Seiten wie Alibaba zurechtkommt, sollte man seien Suche dorthin ausweiten. Ich würde es jetzt nicht als Nadel im Heuhaufen bezeichnen, weil das Produkt doch recht häufig auftaucht, aber wenn man sich dazu entschließt es zu kaufen, muss man doch etwas Aufwand betreiben. Wenn man es gefunden hat, ist es dann auch noch eine ganz andere Sache, den Verkäufer zu kontaktieren. Sich mit asiatischen Sprachen auszukennen, schadet hier wirklich nicht.

Ich musste mich gottseidank nicht mit sowas rumärgern, weil ich meine Onesies beim deutschen eBay gekauft habe. Jemand hatte da schon größere Stückzahlen importiert und wohl gehofft, damit den einen oder anderen Euro zu verdienen, weil zu der Zeit auch nicht so viel anderes auf dem Markt war. Ich wollte mir mal was gönnen und habe dann zugeschlagen – mit all den Konsequenzen, die sich daraus ergaben. Mit um die 25 Euro pro Stück war das nicht unbedingt ein Schnäppchen, aber dafür musste ich mich nicht mit Zoll und Einfuhrsteuern befassen, weil das alles schon erledigt war. Ich bin mir ziemlich sicher, wer clever genug ist und auf asiatischen Webseiten klarkommt, kann den Body auch für den halben Preis finden.

Zusammenfassung

Ohne Zweifel ist das ein etwas eigenartiges Produkt, das mit seinen Farben und Mustern schon das innere Kind begeistern könnte, sich aber für einen Großteil der möglichen Nutzer selbst disqualifiziert, weil die Passform nicht stimmt. Das heißt, solange man keine zusätzlichen Schritte unternimmt, damit es funktioniert. Es stimmt mich sogar irgendwie traurig, dass ich so viel Negatives schreiben muss. Es erscheint so einfach, aber auch lächerlich, dass man das so verbockt. Es ist wieder mal ein Fall von „Warum dann überhaupt?“. Man kann da nicht mal wirklich böse sein, weil einem ja die Muster gefallen, aber man muss trotzdem mal einen Frustseufzer rauslassen…

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