Hinterlasse einen Kommentar

Wie groß ist groß?

Auch wenn es bei uns in Deutschland bei weitem nicht so heiß ist wie in Südeuropa, macht mir die Hitze doch weiterhin irgendwie zu schaffen und ich fühle mich schlapp und lustlos. Wenigstens haben aber erstmal die rheumatischen Schmerzen in den Fingern nachgelassen und daher kann ich zumindest mal versuchen, wieder etwas an dem ganzen Kram zu arbeiten, den ich immer so zusammenrühre.

Etwas, das mir schon länger im Kopf rumschwirrt ist, dass ich schon immer mal zurück zu den Anfängen dieser Website/ dieses Blogs gehen und einige der Artikel von damals noch mal aus neuer Perspektive betrachten wollte. Mit der wachsenden Erfahrung bei der Verwendung und dem Testen verschiedenster Produkte haben sich einige Ansichten geändert und unabhängig davon kann man natürlich einige immer wiederkehrende Themen im Prinzip endlos diskutieren und sie schweben über unseren Köpfen, auch wenn man vielleicht keine Lust hat, schon wieder was darüber zu lesen. Die Frage der Größenauswahl für das eigene Inkontinenzprodukt ist eines dieser Themen.

Wie ihr wisst, verweise ich auch in meinen Artikeln regelmäßig darauf, weshalb es erst recht einen Grund gibt, dem Ganzen einen etwas objektiveren Touch zu geben, erst recht, da viele von euch ja gar nicht die Gelegenheit haben, einfach mal so aus der Laune heraus verschiedenste Produkte zu testen. Außerdem ist es eine gute Gelegenheit mal meine interne Datenbank/ Tabelle zu verwerten, in der ich immer diverse Informationen zu den Produkten eintrage. Das wird auch in Zukunft einige Ergebnisse bringen, aber natürlich erzähle ich das schon länger und komme dann doch nie dazu, entsprechende Dinge auf die Beine zu stellen. ;-)

Für diesen Artikel habe ich eine großzügige Auswahl an Tena-Probepackungen zunutze gemacht, einfach weil sie in allen Größen und Saugstärken verfügbar waren und ich dafür niemanden auf Knien anbetteln musste. Dementsprechend danke an die Leute dort! Dadurch ergibt sich auch die Gelegenheit, ein paar Informationen über die neue XL Größe der Tena Slip einzustreuen, die erst Anfang des Jahres eingeführt wurde. Auch hier wird dann in späteren Artikeln noch das Eine oder Andere rauszuholen sein.

Maße sind Maße

In meinen Gedanken am Anfang meiner Karriere als Schreiberling zum Thema Inkontinenz hab ich ja ganz schönen Aufwand betrieben, um zu verdeutlichen, wie sich die relevanten Maße einer Windel im Verhältnis zur Körperstatur auswirken. Der lästige Teil dabei ist, dass diese grundsätzlichen Regeln und Feststellungen auch weiterhin gültig sind. Man kann sich wirklich den Tag komplett versauen, wenn man ein Produkt in der falschen Größe trägt. Allerdings bin ich im Umgang mit „übergroßen“ Produkten jetzt etwas aufgeschlossener und weiß mittlerweile, wie man sie auch sinnvoll nutzen kann, was natürlich viel mit passenden Anlegetechniken zu tun hat. Das wird später noch deutlich werden, wenn wir uns mit den spezifischen Größen beschäftigen. Jetzt zum interessanten Teil.

Nur gut, dass alles beschriftet ist!

Direkt aus der Packung kann man bei vielen Herstellern die einzelnen Größen nicht unbedingt gut unterscheiden. Bei Tena-Produkten ist das weniger ein Problem, weil die eindeutig bedruckt sind, aber man stelle sich mal vor, man hat eine Ansammlung von ähnlichen Windeln, alle mit grüner Folie, auf einen Haufen geworfen.

Die Gründe, warum manchmal Produkte in verschiedenen Größen fast schon zwanghaft so gefaltet werden, dass die gleiche rechteckige Form dabei herauskommt, sind mir nicht ganz klar, denn es hat so oder so keinerlei Vorteile. Die meisten Produkte haben sowieso unterschiedliche Stückzahlen pro Packung und unterschiedliche Beutelchen, weshalb es da keinen Grund geben sollte, irgendwelche imaginären Anforderungen der Verpackungsmaschine zu erfüllen. Umgekehrt würden auch gleiche Stückzahlen bei unterschiedlichen Größen und Saugstufen zu unterschiedlich großen Packungen führen, was ja bei der heutigen Technik auch kein Problem sein sollte. Entsprechend ist das wohl eher zufällig. Daraus ergibt sich aber eine interessante Herausforderung, nämlich wenn man dann diese Packungen in verschiedenen Größen oder von verschiedenen Herstellern stapeln muss, muss man sich schon Gedanken machen, wie man alles anordnet.

Tena Slip Größen

Tena Flex Größen

Was man in den Bildern auch erkennt ist, dass es für die Hersteller nicht unbedingt Sinn macht ihre Produkte in allen Größen und allen Saugstärken anzubieten. Selbst bei meiner eigenen kleinen Umfrage hat sich ja gezeigt, dass Größe M und L vorherrschend sind und bei den anderen Größen die Nutzerzahlen ziemlich schnell bis zur Bedeutungslosigkeit absinken. Bei Tena bedeutet das beispielsweise, dass die XS wirklich bloß als Plus Saugstärke zu haben ist. andere Hersteller machen das genauso und bieten nur ausgewählte Produkte in bestimmten Größen an.

Gut gemessen

Eines der Geheimnisse meiner kleinen Datenbank ist, dass ich mich nicht auf die Herstellerangaben verlasse und alles selber nachmesse. Man kann sich da fragen, warum, aber es gibt einen guten Grund. Typischerweise geben die Hersteller selber nämlich nur grobe, gerundete Werte an und dann auch nur die, die sie für relevant halten. Meist erfährt man nur den Umfang und wenn man Glück hat, noch die Länge quer durch den Schritt, aber das war’s dann auch schon. Das ist fürs Marketing und einen groben Überblick ausreichend, aber sobald man in die feineren Details einsteigt, doch recht wenig brauchbar. Es gibt doch einiges zu beachten.

Als erstes muss man berücksichtigen, dass die Größen untereinander eine gewisse Überschneidung haben. Wenn dir jemand sagt, dass seien Größe M einen Umfang von 70 bis 110 cm hergibt und die L von 90 bis 140 cm, welche nimmt man dann? Eine endgültige Antwort kann man natürlich nur durch eigenes Tragen und Testen finden, aber hier ist der Punkt: Viel wichtiger als der absolute Umfang ist die eigentliche Breite der Front- und Rückenteile. Dadurch definiert sich, wie anpassungsfähig die Windel insgesamt ist und, wie ich in meinen Tests immer sage, wie „groß“ oder „klein“ sie sich anfühlt im Vergleich zu einem Referenzprodukt bzw. genormten Standardgrößen. Schmale Flügel sorgen unweigerlich dafür, dass sich alles enger anfühlt, weil die Klebebänder weiter außen landen und dadurch mehr Spannung haben, während breitere Klappteile es ermöglichen, die Bänder weiter innen zu fixieren bis hin zu dem Punkt, wo sie sich bei einem übergroßen Produkt in der Mitte treffen. Damit riskiert man aber auch, dass das Produkt nicht sicher sitzt und man muss alle möglichen Tricks anwenden, um es überhaupt so hinzubekommen.

Das zweite, häufig vernachlässigte Informationshäppchen ist die Höhe der Vorder- und Rückseite, da dadurch bestimmt wird, wie mittig die Windel sitzt und in meinem Fall ist es natürlich auch dafür wichtig, wie gut ich im Bereich meines Hinterns geschützt bin. Bei einer Größe M können diese Werte für den vorderen Bereich irgendwo zwischen 11 und 27 cm liegen und für die hintere Klappe von 14 bis 35 cm. Allein dieser große Wertebereich sollte schon meinen Punkt verdeutlichen – verschiedene Hersteller haben zu dem Thema eine unterschiedliche Meinung. Einige bevorzugen einen sehr lockeren Ansatz, bei dem kurze Frontpanele viel Beinfreiheit erlauben, andere haben sehr hohe Flügel, die weit an den Beinen herunterreichen und weit bis hoch in den Rückenbereich und darauf abzielen, das wirklich alles sicher verpackt ist. Ich bevorzuge weiterhin letzteres, weshalb Produkte wie die ID Slip Super oder MoliCare Slip maxi immer noch zu meinen Favoriten gehören (natürlich auch die selteneren und teureren ABU und Rearz Produkte).

In diesem Punkt sind die Tena-Produkte fast symmetrisch und der hintere Teil ist meistens nur ein oder zwei Zentimeter höher. Bei den kleineren Größen verschiebt sich dieses fast 1:1 Verhältnis allerdings etwas, weil aufgrund der anatomischen Gegebenheiten die Rückseite bei der Verwendung bei Kindern und Heranwachsenden proportional größer ausfallen muss. Was aus meiner kleinen Infografik hoffentlich auch ersichtlich wird, ist, dass die Schnittmuster nicht einfach für jede Größe skaliert werden. Da man immer genug Platz braucht, um die Klebebänder auch wirklich befestigen zu können und es man auch eine Mindestfläche für das Saugpolster braucht, damit es überhaupt seinen Job machen kann, kann die Vorderseite eben selbst in kleinen Größen ein Mindestmaß nicht unterschreiten. Genauso bedeutet das auch, dass die größeren Varianten nicht einfach unendlich immer breiter werden. Vielmehr wurde in diesem Fall die Größe XL so gestaltet, dass sie die Wirkung eines ausladenden Bauches, der die Windel nach unten drückt, aufhebt, indem sie weiter nach oben reicht.

Tena Slip Größen

Ähnliches lässt sich für die Länge von Vorn nach Hinten feststellen. Ich habe dazu schon mal eine kurze Bemerkung in meinem Artikel zu den Param Produkten eingeworfen und hier wird das erneut bestätigt. Eine XL ist genauso lang wie eine L und die unterschiedliche Passform erklärt sich lediglich aus den unterschiedlichen Proportionen. Die untenstehende Grafik sollte auch meinen Standpunkt zu diesem Parameter rüberbringen. Selbst wenn der Umfang reicht, kann eine zu kurze Länge zwischen den Beinen hindurch immer noch zu einem unbequemen und unzureichenden Sitz der Windel führen. Natürlich macht es eine zu lange Windel aber auch gleichzeitig schwieriger zu verhindern, dass sie aus der Hose herausschaut.

Tena Slip Größen

Bei Windeln mit Bändern/ Flex-Windeln ist das eine etwas andere Geschichte und da muss ich mir sogar teilweise selbst widersprechen, auch wenn das logisch ist und einfach daran liegt, wie die Produkte funktionieren (sollen). Da man sie weiter oben über der Taille tragen soll, wachsen sie doch relativ linear, weil mit zunehmender Größe das Polster einfach immer länger sein muss, um überhaupt so weit nach oben zu reichen. Dadurch braucht man dann auch längere Befestigungsbänder, weil größere Menschen eine größeren Rumpf haben oder da oben ein Bäuchlein wartet, das umschlungen werden muss. ;-)

Tena Flex Größen

Angewandtes (Halb-)Wissen ;-)

Nachdem wir die Theorie nun abgearbeitet haben bleibt die Frage, was uns das Ganze eigentlich sagen soll. Die offensichtlichste Anwendung ist dabei die Bestimmung der „echten“ Größe der Windel und der möglichen Maxima und Minima. das ist nicht hochwissenschaftlich – man addiert einfach die Werte:

Breite Frontpanel + Breite Rückpanel + Verlängerungsband Links + Verlängerungsband Rechts

Da die meisten Maße symmetrisch bzw. identisch sind, lässt sich das vereinfachen:

2 x Panelbreite + 2 x Verlängerungsband

Das ist schon mal nicht schlecht, oder? Natürlich vergessen wir dabei völlig, dass man, um die Windel auch wirklich tragen und die Bänder schließen zu können, noch eien gewisse Überlappung braucht. Diese sollte aber auch einen bestimmten Höchstwert nicht überschreiten. Wir müssen also noch irgendwelche Sicherheitsreserven abziehen. Links und Rechts 5 cm „Luft“, aber auch nicht mehr als ein Drittel des Gesamtumfanges sind aus meiner Sicht ganz gute Werte:

Maximum:

2 x Panelbreite + 2 x Verlängerungsband – 2 x 5 cm

Minimum:

2 x Panelbreite + 2 x Verlängerungsband – (2 x Panelbreite + 2 x Verlängerungsband) /3

Setzt man die Werte für die Tena Slip in M ein, ergibt sich:

Maximum: 2 x 68 cm – 2 x 5 cm = 126 cm

Minimum: 2 x 68 cm – 2 x 68 cm / 3 = ~ 90.6 cm

Für eine Tena Flex in Größe L berechnet sich die gleiche Formel dann so:

Maximum: 2 x 40 cm +2 x 40 cm – 2 x 5 cm = 150 cm

Minimum: 2 x 40 cm +2 x 40 cm – (2x 40 cm + 2 x 40 cm) / 3 = ~ 106.6 cm

In beiden Fällen bestätigt die Mathematik, was ich anhand der praktischen Erfahrungen schon herausgefunden habe: Bei schwankenden Werten zwischen 90 cm und knapp über 100 cm für meinen Hüft- und Taillenumfang entsprechen die theoretischen Werte fast exakt der realen Situation und es gibt noch Spielräume. Bei der Slip heißt das, dass die Klebebänder ziemlich genau auf Höhe der Leistenbeuge landen, wo sie auch hingehören, und bei der Flex ist das Resultat, dass der Klettverschluss, der die beiden Bänder zusammenhält, gut mittig vorne auf dem Bauch landet, wo es nicht nervt und kratzt. Das ist schon ziemlich gut, aber natürlich sind das keine absoluten Festlegungen, wie die nachfolgenden Abschnitte zeigen werden.

Hands-On: Tena Slip

Wenn man ein Blog betreibt, das sich mit Windeln beschäftigt, heißt das, dass man die Dinger auch tragen muss, um sinnvolle Informationen für die Leser geben zu können. Das bedeutet aber auch, dass ich manchmal mit dem zufrieden sein muss, was ich bekommen kann oder was mir die Leute schicken, auch wenn es nicht die richtige Größe ist. Der interessante Punkt dabei ist dann, Wege zu finden, das Produkt trotzdem noch bestmöglich tragen zu können. Im Laufe der Zeit habe ich deshalb meine eigenen Strategien und Lösungsansätze entwickelt und mir natürlich auch den einen oder anderen Tip von anderen zunutze gemacht.

Natürlich gibt es für mich realistisch gesehen selbst mit allen Tricks der Welt keinen Weg, eine XS auch zu verwenden. Das ist wirklich nur für den Artikel gewesen und um meine Neugier zu befriedigen. Bei einer S sieht es dank meines schmalen Popos schon besser aus und in der Not würde man sich damit behelfen können, aber ich brauch dann trotzdem noch extra Klebeband, um sie überhaupt zu verschließen. Die M ist natürlich meine Standardgröße und wie schon erwähnt, erfüllt sie die Anforderungen in Sachen Passform perfekt. Bezüglich der Tena bleibt mein größtes Problem aber, dass sie wegen der geringen Höhe der Klappen gerade hintenrum nicht die beste Abdeckung bietet. Da gibt es sicher Potenziale für eine Slip+ oder so mit 5 cm längerer Rückenpartie und einem breiteren, auf Stuhlinkontinenz abgestimmten Polster.

Bei Größe L wird’s interessant. In meinem ursprünglichen Artikel war ich ja ziemlich dagegen, diese großen Größen als meine tägliche Standardversorgung zu verwenden. Ein Teil davon hat natürlich damit zu tun, dass ich eine Wampe durch die Gegend schiebe, aber nichtsdestotrotz bleibt der Umstand, dass man erstmal Wege finden muss, einige mit der Form in Relation zum Körper verbundene grundlegende technische Probleme in den Griff zu kriegen. Selbst schlanke Menschen mit dünnen Beinchen haben nämlich genau die gleichen Probleme, selbst wenn sie 1,90 m oder größer sind. Die zwei grundsätzlichen Problem sind daher:

  1. die Vermeidung eines all zu lockeren Sitzes, um die Bewegung und Verzerrung der Windel selbst zu minimieren
    und weiterführend
  2. die Reduktion von Luft und Hohlräumen damit das Saugpolster in Kontakt mit dem Körper bleibt und seine Funktion erfüllen kann.

Die Strategien, das in den Griff zu bekommen sind so vielfältig, wie die Menschen selbst, aber ich werde mal einige Methoden erläutern, die für mich funktionieren:

Einlagen/ Vorlagen/ Zusatzpolster/ Doppelwindel

Auch wenn ich versuche, hier alles einigermaßen vernünftig und „neutral“ zu halten, sind mir natürlich diese kreativen und obskuren Dinge nicht fremd und ich werde nicht so tun, als würde ich das nicht auch machen. es gibt einfach nichts besseres, als sich dick verpackt ins Bett einzukuscheln. Ich persönlich ziehe es dabei vor, eine kleinere Windel (Größe M) als „Innenwindel“ zu verwenden an Stelle von Einlagen. Das hat den Vorteil, dass man trotzdem eine gute enge Passform bekommt und die Gefahr des Auslaufens minimiert wird, nur weil sich was verschoben hat oder verrutscht ist. Man darf natürlich nicht vergessen, dabei die Außenseite des inneren Produktes ordentlich aufzuritzen, denn sonst geht die Flüssigkeit nicht hindurch und sucht sich ihren eignen Weg aus den Beinausschnitten und anderen offenen Stellen heraus und man hat nichts gekonnt. Wenn ihr Einlagen/ Vorlagen verwendet, nehmt nur welche, die kleiner sind als das Polster der Windel. Auch hier wieder wäre es fatal, wenn ein zu großes Polster aus der Windel herausragt und wieder alles sonst wohin läuft. natürlich ist die Einschränkung hierbei, dass man es nur bis zu einem gewissen Punkt treiben kann und die Anzahl der Einlagen/ Windeln begrenzt ist, sonst wird’s irgendwann lächerlich und unpraktisch. Also schauen wir mal weiter.

Low Taping (tiefergesetzte Fixierung)

Leider gibt es dafür keine gute deutsche Übersetzung, also belasse ich es mal bei dem Begriff „Low Taping“, womit ich meine, dass man letzten Endes die Windel im vorderen Teil einfach so weit wie möglich nach oben zieht und den hinteren Teil entsprechend nach unten nachrutschen lässt, bis  es einigermaßen hinhaut. Dann werden die Klebebänder eben einfach irgendwo auf der Hälfte der Höhe im Bereich des Polsters festgemacht, so als ob der obere Teil gar nicht existiert und man eine kleinere Windel trägt. Auch wenn die Methode funktioniert, hat sie doch gleich mehrere Nachteile. Erstmal baumelt der überstehende Teil, den man hochgezogen hat, herum wie die Klappe einer Latzhose, die sich von den Hosenträgern gelöst hat. Das muss man dann entweder kunstvoll ordentlich falten und in die Schutzhose stopfen oder es mit zusätzlichem Klebeband fixieren. Letzteres ist aber dabei nicht immer möglich, weil man ja den Rückenteil nach unten gesetzt hat und die Flügel sich dann nicht mehr genau gegenüber liegen. Gaffa-Tape und Ähnliches will man sich ja auch nicht direkt auf die Haut kleben. Ein weiterer Nachteil ist, dass man dadurch die nutzbare Kapazität der Windel enorm reduziert, weil große Teile des Saugpolsters in einem Bereich sind, wo es gar nicht nass werden kann. Gleiches gilt für den Bereich um die Beine. Die größere Freiheit kommt auf Kosten von weniger saugfähigem Material.

Diagonal-/ Kreuzklebetechnik

Dabei handelt es sich um den vielleicht bekanntesten Workaround und bedeutet einfach, dass man versucht die Bänder in der Tat so zu fixieren, dass dabei mehr oder weniger ein horizontal ausgerichtetes (also auf der Seite liegendes) Andreaskreuz rauskommt, indem man die oberen Bänder nach unten auf der gegenüberliegenden Seite ausrichtet und umgekehrt. Die zugrundeliegende Annahme hierbei ist, dass die schrägen Zugkräfte dafür sorgen, dass die entsprechenden Teile der Windel dorthin gezogen werden, wo sie hin sollen. Der hintere Teil beispielsweise wird also nach oben gezogen, so dass das Polster gegen die Pobacken gedrückt wird während oben der Rand wie ein Hosenbund mit Gummizug wirkt. Wie mein Geschreibe schon andeutet, hängt dabei der Erfolg zu großen Teilen von der Form der Hüftpartie ab, weil man ja doch versucht, die ganze Windel unterzubringen. Eine Person mit schönem rundem Hintern wird da mehr Glück haben als jemand, der extrem dünn ist. ;-)

Natürlich kann man all diese Dinge beliebig zusammenwürfeln je nach verwendeten Produkten, eigenem Körperbau und persönlichen Vorlieben. Die meiste Zeit wird man entsprechend etwas aufpolstern und seine eigene Variante der beiden Klebetechniken verwenden. Es ist auch anzumerken, dass entsprechend eng sitzende Schutzhosen einem einige dieser Sorgen abnehmen können.

Abschließend wollen wir uns noch die XL Variante der Tena Slip ansehen. wie ich geschrieben habe, ist diese Version erst in diesem Jahr frisch vom Band gerollt und war vorher nicht verfügbar. Auch wenn die Maß zu großen Teilen denen der Größe L entsprechen, ist der Eindruck beim Tragen doch ein ganz anderer. In meinem Fall sind dabei zwei Sachen zu beobachten: Erstens fühlt es sich wegen der großen Höhe der Flügel, die sehr weit nach oben reichen, fast schon wie Leibchen oder wie eine Weste an. Entsprechend, und das ist der zweite Punkt, landen die Klebbänder dann auch fast genau mittig und es fühlt sich tatsächlich an, als würde man seine Kleidung zuknöpfen. Interessanterweise finde ich die Passform angenehmer als bei der L, was wohl vor allem am anderen Schnitt liegt. es flattert nicht so viel herum, auch wenn das komisch klingt. Das einzige, was eigentlich fehlt, ist ein drittes Paar Klebebänder. Bei so viel Material an den Flügeln ist immer irgendwo ein Spalt.

Hands-On: Tena Flex

Bei der Tena Flex sind die Dinge etwas einfacher. Der Drang, damit wilde Experimente zu veranstalten wird von vornherein durch die schmalere Form gebremst. Ich selbst kann mich da auch nur schwer dran gewöhnen und immer noch nicht sehen, dass ich derartige Produkte die ganze Zeit tragen würde. Ich hab da immer Angst, dass bei meinen Durchfällen da einfach Links und Rechts alles am Polster vorbeidonnert. Unter kontrollierten Bedingungen (also zu Hause mit Klo in Reichweite) habe ich allerdings nichts dagegen, erst recht nicht, wenn ich kostenlose Muster bekomme. ;-)

Wie erwartet, kann ich mit der Größe S nicht so recht was anfangen. Lustigerweise ist das so eine Sache von ca. 7 cm Überlappung, die da auf beiden Seiten fehlen, um die Bänder zu schließen. Aber selbst wenn das ginge, würde sie verdammt weit unten sitzen und sähe dann aus, wie manch knapper Damen-Tangaslip. auch wenn es sonst meine Standardgröße ist, habe ich schon vor einiger Zeit festgestellt, dass bei Flex-Produkten die Größe M einfach nicht hinhaut. Das muss ich auch wieder mal auf meinen Bauch schieben, der einfach die Bänder zu weit nach unten schiebt, damit da was sinnvolles rauskommen könnte. Auf der positiven Seite hat Tena zumindest in den jüngeren Überarbeitungen des Produktes die Größe der Klettverschlüsse angepasst. Das war ja in meinem originalen Test einer der Hauptkritikpunkte, weil das Kratzen auf der Haut so genervt hat. Ich werde jetzt nicht sagen, dass das Problem damit ganz ausgeräumt ist, aber da jetzt rund um die Klettis etwas Luft ist, ist die Gefahr etwas geringer und man muss sich auch nicht mehr so abmühen, alles auf den Mikrometer genau zu platzieren, nur damit die Zähnchen nicht überstehen.

Die Größe L Version ist bei diesem Produkt meine bevorzugte Variante. Wie weiter oben erläutert, haut es von der rechnerischen Seite her hin und die Bänder landen dort, wo sie auch ihren Job erledigen können. Auch wenn ich dicke Polster genauso liebe wie jeder andere, macht das hier nicht unbedingt wirklich Sinn. Ich habe das schon kurz in meinem Test der Seni Optima erwähnt, glaube ich, und hier ist das nicht anders. Man kann einfach konstruktionsbedingt nicht die volle Kapazität ausnutzen und es erscheint wenig sinnvoll, sein Geld zum Fenster rauszuwerfen, indem man die saugstärkste Variante kauft. Bei Tena wäre das die Maxi, aber meiner Meinung nach ist die Super mehr als ausreichend, wenn man diese Einschränkung berücksichtigt.

Im Gegensatz zur Slip gibt es bei der Flex die XL schon ein ganzes Weilchen. Für mich ist diese weitestgehend unbenutzbar, weil sie einfach zu groß ist. Das kann man leicht bestätigen, wenn man das Bild mit den Maßen betrachtet – 2 x 50 cm entspricht nun mal 100 cm und in meinem Fall sind das genau zwei oder drei Zentimeter zu viel. Das klingt erstmal nicht schlimm, aber dadurch passiert es, dass die Klettverschlüsse, von denen es hier übrigens drei gibt anstatt nur zwei, nicht mehr auf dem Gürtelband landen sondern auf der Außenseite der hinteren Klappe und dort haften Sie einfach nicht. Die Gürtelbänder teilen dieses Schicksal, weil auch sie zu lang sind und damit entweder auf der Außenseite landen oder bestenfalls kurz davor, was für mich einen nicht akzeptablen sehr lockeren Sitz zur Folge hat. Wer das also mal ausprobieren wollte und körperlich auch nur meinen Maßen entspricht, kann sich die negative Erfahrung sparen.

Das Ende vom Lied?

Wie man hoffentlich an meinem langatmigen Geschreibsel sieht, bleibt die Frage der Größe ein ewiges Thema und es kann keine definitive Antwort geben, auch wenn ich so ausführlich zu sein versuche, wie es nur geht. Es spielen zu viele Faktoren rein. Ich hoffe aber zumindest, dass ich einige Bedenken ausräumen konnte und dem Einen oder Anderen schlechte Erfahrungen ersparen kann. Wer Fragen hat, kann sie gern in den Kommentaren stelle. Ich werde mich in der Zwischenzeit weiter werkeln und mich mal bemühen, diese ultimative Größentabelle zusammenzustellen… ;-)

Advertisements

Kommentar abgeben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: