Heute schon schlecht beraten worden?

Irgendwie merkt man, dass gerade Sommerloch ist, und entsprechend fällt auch der nächste Streich der Stiftung Warentest in die Kategorie „Wir haben’s ja schon immer gewusst!“, in diesem Fall dass die Inkontinenzberatung bei den Anbietern und Vertreibern der Produkte eher schlecht ist. Gut, ob man dafür nun 1,50 EUR ausgeben muss, um den Artikel zu kaufen, muss jeder selbst entscheiden, aber ich sag mal so: Wer’s nicht tut, verpasst nix. Inhaltlich gibt’s da nichts, was man sich nicht auch selber an fünf Fingern abzählen kann, was da wäre:

  • Apotheken haben mit Abstand die schlechteste Beratung. Das wundert eigentlich nicht, da sie in den letzten Jahren durch die Rahmenverträge und Festbeträge immer mehr aus dem System gedrängt wurden. Es rechnet sich einfach nicht und entsprechend haben die meisten Apotheken recht wenig Interesse, sich mit diesem komplizierten und aufwändigen Thema rumzuärgern. Hinzu kommen ganz praktische Probleme – eine kleine Dorfapotheke hat gar nicht die Kapazitäten, um umfassend alle möglichen Inkontinenzprodukte auch nur als Muster vorrätig zu haben. Das lohnt sich also nur, wenn man genau weiß, was man will, der Preis stimmt und die Lieferkette der Apotheke funktioniert.
  • Zu Sanitätshäusern und bestimmten Homecareanbietern muss man wohl nichts sagen. Wenn es ein großes Hindernis bei einer effizienten flächendeckenden Inkontinenzversorgung gibt, dann ist es die Unwilligkeit dieser Buden. Es herrscht dort eindeutig eine „Ham’wa nich, kommt auch nicht wieder rein.“-Mentalität. Entweder man nimmt die Produkte, die da sind, oder muss weiter zum nächsten Laden. Ironischerweise kann man hier nicht mal von Gewinnsucht sprechen, weil einem oft nicht einmal Premium-Produkte empfohlen werden, obwohl sie im Regal stehen bzw. auf der Webseite gelistet sind. Individuelle Beratung – Fehlanzeige.
  • Der Direktvertrieb der Hersteller hat natürlich seine Grenzen. Schon dass die Hotlines chronisch überlastet sind und man teilweise 15 Minuten und länger in der Warteschleife kreiselt, sagt ja einiges aus. Da sollte man von vornherein bei komplizierten Formen der Inkontinenz nicht erwarten, dass man per Ferndiagnose genau das richtige Produkt bekommt.

Zur Vorbereitung der Beratung und bei deren Durchführung selbst halte ich nichts von komplizierten Checklisten und Protokollen, wie das im Artikel empfohlen wird. Warum? Man könnte da jetzt hochwissenschaftlich die Chaostheorie bemühen, bei der kleine Veränderungen große Folgen haben, aber sagen wir mal so – wenn auch nur an einer Stelle was falsch festgehalten wird, kriegt man vielleicht am Ende doch das falsche Produkt. Zu viele Informationen stiften nur Verwirrung. Aus meiner Sicht ist es viel wichtiger, schon ein Bauchgefühl zu haben, was man sich selbst vorstellen kann und was funktionieren könnte.

Einer der häufigsten Beratungsfehler ist z.B., dass man die falsche Größe angedreht bekommt. Selbst zierlichen Omis werden dann Pants in Größe L gegeben, damit ja nichts drückt und dann sitzt das Ding natürlich nicht und kann seine Schutzfunktion nicht erfüllen. Genauso werden natürlich zu knappe Windeln, bei denen die Klebebänder auf den Beckenschaufeln landen, nicht sonderlich bequem anzulegen sein oder aufgehen und zu große Windeln nicht richtig sitzen. Also hier generell schon mal darauf bestehen, dass man auch mal die alternative Größe zumindest gezeigt bekommt und vielleicht auch als Probe.

Gleiches bei der Saugstärke. Weil es billiger ist, kriegt man oft nur die schwächsten Varianten zum Ausprobieren mit. Da aber die Dicke des Saugpolsters auch den Sitz beeinflusst und bei einigen Produkten die Polster von Stufe zu Stufe auch anders geformt sind, ist damit nicht immer eine Aussage möglich, ob man damit zurechtkommt. Auch hier sollte man darauf Wert legen, genau das Produkt zu bekommen, welches man auch wirklich nutzen will.

Natürlich sollte man aber trotzdem die grundlegenden Eckdaten wie eigenen Hüftumfang, Häufigkeit von Harn- und Stuhlverlust sowie die benötigte Menge im Kopf haben. Da sollte man sich auch nicht besoffen quatschen lassen und das verlangen, was auf dem Rezept steht…

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