Windelzubehör: Suprima 1276

Es ist schon ein Weilchen her, als wir hier auf unseren bescheidenen Seiten ein Suprima Produkt besprochen haben, aber jetzt ist es wieder mal soweit. Manche Leute verwenden sie ja nicht, aber ich mag Schutz- und Fixierhosen über der Windel in allen möglichen Varianten. Sie verhindern, dass die Windeln durchhängen, sobald sie nass werden, verringern Scherkräfte, wenn die Versorgung an der Jeans reibt, schließen Gerüche ein und verschlucken Geräusche.

Über die Jahre habe ich ja einiges probiert und auch wenn Plastikhosen wie die Suprima 1249 für herkömmliche Windeln weiterhin mein Favorit bleiben, blieb ein Wunsch bisher doch unerfüllt: Eine einfache „Schutzunterwäsche“, die für Gürtelwindeln wie die Attends Adjustable oder die MoliCare Premium Elastic funktioniert, ohne deren Vorteile wie die größere Beinfreiheit gleich wieder zunichte zu machen. Nachdem es eine ganze Weile angekündigt war, erschien dann doch tatsächlich die Suprima 1276 gegen Ende letzten Jahres. Auch wenn es damit für die letztjährige Sommersaison zu spät kam, kann es ja zumindest immer noch dieses Jahr seinen Nutzen unter Beweis stellen und man kann es nach diesem Artikel noch schnell auf die Urlaubseinkaufsliste setzen, auch wenn ich idealerweise den Artikel dafür schon im Mai hätte schreiben sollen. es hat einfach zu lange gedauert, bis ich mein Muster in den Händen halten konnte (Danke, dass es doch noch geklappt hat, liebe Suprimas!) und die Bilder entsprechend vorbereitet waren, also deshalb Entschuldigung für die Verspätung.

Suprima 1276

Weil das Produkt zusammen mit Kiwisto entwickelt wurde, wird recht schnell klar, dass es auf eine Art vor allem dafür gedacht ist, die dort vertriebenen Produkte für behinderte Menschen sinnvoll zu ergänzen, weil alles nach dem Grundsatz gestaltet ist, die Verwendung für diese Leute möglichst einfach zu machen. Einen großen Anteil daran hat der Klettverschluss an Stelle der sonst üblichen Druckknöpfe. Dadurch haben es beispielsweise auch Personen mit eingeschränkter Handmotorik einfacher, die Schutzhülle zu öffnen und zu schließen. Es ist entsprechend auch für Leute angenehmer, deren Inkontinenzversorgung durch Andere gewechselt wird, die sie pflegen. Es ist viel einfacher, die Flügel einfach aufzuziehen und wieder zuzuklappen, als sich mit fummeligen Druckknöpfen rumzuärgern. Weil man dabei auch nicht so viel Druck ausüben muss, sollte das gerade bei quengeligen Kindern oder grummeligen älteren Herrschaften für einige Erleichterung sorgen. ;-)

Suprima 1276

Das Motto der Einfachheit wird auch in der Produktgestaltung selbst fortgeführt. Abgesehen von den gerundeten Kanten, die natürlich trotzdem noch kompliziert genug zu nähen sind, wurden aufwändigere Features durch einfachere Lösungen ersetzt. Allerdings sieht das dann teilweise doch etwas primitiv und selbstgestrickt aus wie beispielsweise die Gummibänder, die direkt auf die Innenseite genäht sind anstatt in den üblichen Tunnelsäumen versteckt. Langfristig gesehen könnte das wirklich richtig hässlich aussehen, wenn die Gummibänder dann angeschmuddelt sind und die Querfäden darin ausfransen, während der Rest des Stoffes noch aussieht wie am ersten Tag. Mal sehen, wie das so wird.

Suprima 1276

Der Stoff selbst ist das gleiche Material wie bei der Suprima 1269 – Baumwolle und Polyester mit einer atmungsaktiven Polyurethanmembran dazwischen. Um das mal an dieser Stelle zu erwähnen – das Ganze ist ganz schön haltbar. Meine 1269 vom letzten Jahr hält immer noch durch, während in der Zwischenzeit schon einige PVC-Hosen das Zeitliche gesegnet haben. Andererseits wird damit auch der größte Nachteil klar: Als durchlässiges, atmungsaktives Produkt ist es eben auch relativ anfällig dafür, die Ausdünstungen aus der Windel aufzunehmen, die da durch den Wasserdampf transportiert werden. Entsprechend oft muss man dann auch waschen. Auch wenn es gar nicht im herkömmlichen Sinn dreckig ist, nerven die Gerüche dann doch irgendwann.

Suprima 1276

Wie ihr von meinen vielen Reviews wisst, bevorzuge ich es, wenn die Sachen relativ stramm sitzen, aber hier fand ich das etwas schwierig. Mich stört dabei nicht mal so sehr die etwas luftigere Form, die sich nun mal aus dem Schnittmuster ergibt, aber ich konnte das Teil nie so straff verschließen, wie ich mir das gewünscht hätte. Dafür gibt es aus meiner Sicht zwei Gründe und beide haben mit dem Klettverschluss zu tun. Wenn man so will, könnte man das als den einzigen wirklich größeren Fehler beim Produkt bezeichnen.

Als erstes kommt mir der Streifen mit den Klettschlaufen auf der Vorderseiet einfach zu glatt und fein vor. Das fühlt sich zwar gut an, wenn man drüber streicht, weil es schön glatt ist und damit verringert sich auch das Risiko, dass Kekskrümel und Schmutz sich darin verfangen, aber es hat nicht die beste Haftkraft. Der zweite Faktor bei der ganzen Sache ist, dass die Kletthaken um ca. ein Drittel zu klein sind. Über beide Punkte kann man sich natürlich stundenlang streiten, weil es auf eine Art ja durchaus Sinn macht, wenn je nach Situation der Klettverschluss nachgibt oder sogar von alleine aufgeht anstatt dem Träger irgendwelche Körperregionen abzuschnüren. Trotzdem finde ich, dass in einer zukünftigen Version dieser Teil überarbeitet werden sollte. Man könnte sogar zwei Varianten draus machen – eine „soft“ für bettlägerige Patienten, Kinder und Rollifahrer und eine starke Variante für mobile Erwachsene.

Suprima 1276

Ein neckisches und eigentlich nützliches Feature ist der zusätzliche kleine Streifen an den äußeren Zipfeln, an denen man den Klettverschluss fürs Waschen fixieren kann. Dadurch lässt sich verhindern, dass sich die Häkchen in anderen Wäscheteilen verfangen, auch wenn das insgesamt etwas unnötig scheint – man würde das Teil separat oder von Hand waschen, weil man ja sowieso keinen Weichspüler oder andere Faserpflegeprodukte verwenden soll und dann wird diese Sicherheitsmaßnahme überflüssig. Natürlich kann man damit aber auch verhindern, dass die Häkchen beim Anlegen auf der Haut kratzen.

Suprima 1276

Die Passform ist okay, aber man muss mal wieder vor der Größenzuordnung warnen. Die ist nicht so ganz koscher, weil ich starke Zweifel habe, dass die von mir verwendete S-L überhaupt eine „richtige“ L abdecken könnte. Das Produkt fällt wirklich realtiv klein aus. Schon bei mir landen die Klettverschlüsse nur gerade so im äußeren Bereich der Flügel und damit in der Leistenbeuge, was ziemlich sicher nicht nur zu den Problemen mit einer strammen Fixierung beigetragen hat, sondern auch schnell unangenehm werden kann, wenn man nicht genau arbeitet und aufpasst. Natürlich macht das wiederum Sinn, wenn man in seine Überlegungen Kinder und kleinere Personen mit einbezieht, aber bei mir als durchschnittlichem erwachsenen Mann fehlen doch ein paar Zentimeter im Umfang und ich würde vermutlich dann doch die XL-XXXL Version vorziehen. Vielleicht fällt nochmal eine vom Himmel, damit ich das überprüfen kann.

Suprima 1276

Zur Verdeutlichung der Form habe ich in meinen Fotos eine normale Tena Slip verwendet und werde das Produkt auch mit diesem Windeltyp weiterverwenden, aber tatsächlich funktioniert es wirklich am besten mit einer Attends Adjustable oder ähnlichen Produkten. Dabei werden die Gürtelbänder abgedeckt, während die Beine frei bleiben. Der Hersteller schlägt auch vor, das Produkt mit Vorlagen/ Einlagen zu verwenden und somit eine vollwertige Windel zu ersetzen, aber ich glaube nicht, dass das ein wirklich praxistauglicher Ansatz ist. Die paar Mal, als ich das gemacht habe, fühlte es sich einfach unangenehm an. Der Stoff tut sicher seinen Job als Schutzbarriere, ist aber für meinen Geschmack nicht so toll auf der Haut.

Suprima 1276

Das Produkt hat ja durchaus einiges für sich und ist einfach und effektiv in der Handhabung, aber es hat auch einige Macken, die man nicht so ohne weiteres ignorieren kann. Am dringendsten wären ein paar Verbesserungen am Klettsystem. Ich denke auch, dass es nicht schaden würde, das Schnittmuster zu überarbeiten und eine dritte Größe im mittleren Bereich einzufügen. Dann könnte beispielsweise das jetzige Modell zu einer echten S-M werden und noch besser an Kinder und Heranwachsende angepasst werden, während die zwei größeren Größen dann bei Erwachsenen besser funktionieren würden. Wenn diese Dinge erstmal gelöst sind, hätte ich dann noch gern ein paar andere Farben. Dunkelblau wäre nicht schlecht, das unvermeidliche Schwarz, aber wer weiß, auch ein schönes Orange könnte beim Sonnenbad auf dem Balkon nicht schlecht aussehen… ;-)

 

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: