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Windelzubehör: Der große Onesie-Vergleich – Teil 7 – DryLife

Mit etwas Verzögerung aufgrund diverser nerviger Kleinigkeiten, die meine Planung durcheinandergewirbelt haben und natürlich der Hitzewelle, bei der ich ein wenig zum Faultier geworden war, habe ich mich für diese Woche für einen Produktreview entschieden, der etwas einfacher gestrickt ist und vor allem nicht so viele Bilder enthält (deren Bearbeitung ja immer der größte Aufwand ist). Ich präsentiere: der DryLife Windelbody. Meine habe ich via Nappies’R’Us bestellt, aber man kann auch direkt auf die DryLife Seite gehen. Es ist ja sowieso die gleiche Firma.

Farben und Muster

Ich muss zugeben, dass mich diese Onesies vor allem wegen der Farben interessiert haben. Klar muss ich eingestehen, dass meine eigenartige Affinität für Rosatöne da etwas mit reinspielt, aber eigentlich hatte ich es vor allem auf den blauen Body abgesehen. Einen einigermaßen „reinen“ kobaltblauen/ hell ultramarinblauen Einteiler zu finden ist ziemlich schwierig und nach diversen dunkeln, schiefergrauen Farbschattierungen sind Blautöne nun mal meine zweitliebste Lieblingsfarbe. Als dritte Farbe gibt es noch das übliche Weiß, aber den habe ich nicht.

DryLife Windelbodys

Wenn man sich die völlig überdrehten Bilder auf der Webseite des Anbieters im Vergleich zu meinen angepassten Versionen ansieht, sollte auch klar werden, dass die Farben keinesfalls so stark und intensiv sind. Die nicht ganz so aggressive Farbgebung macht das Ganze auch für den täglichen Gebrauch tauglich, ohne dass man befürchten muss, mit dem pinken Body wie ein durchgeknallter Flamingo auszusehen. ;-)

Größe und Passform

Als Produkt, das in Großbritannien angefertigt wird (zumindest laut Angaben auf der Webseite), sollten die Abmessungen den üblichen Standardgrößen ganz gut entsprechen und das ist in der Tat hier der Fall. Es gibt S, M, L und XL Varianten. Meine Exemplare habe ich entsprechend der Maßtabelle in Größe L geordert und sie passen auch ganz gut. Sollte ich in Zukunft aber nochmal Ersatz bestellen, würde ich jedoch eine XL nehmen. Warum? Wie bei fast allen diesen Produkten gibt es fast immer eine Menge „wenn,…“ und „…,aber“ und dieses ist keine Ausnahme.

DryLife Windelbody

Auch wenn die Maße selbst okay sind, hat man sich leider für ein weniger als ideales Schnittmuster entschieden. Der untere Teil ist flach wie ein Sandstrand. Die Bilder lassen das noch besser erscheinen, als es wirklich ist. Der Vorder- und Rückenteil sind nahezu identisch, was auch weitere Auswirkungen hat. Mehr dazu später. Das Design ist ziemlich eindeutig darauf ausgerichtet, weiter nach unten zu gehen und den Hintern und die Beine stärker zu bedecken anstatt eher eine Dreiecksform zu haben, und um das auch wirklich so bei mir zu erreichen, müsste ich eben eine XL nehmen und würde einen Teil der Funktionalität einbüßen.

DryLife Windelbody

Auch wenn damit scheinbar meine Bodys untermaßig sind (in dem Sinne, wie der Designer/ Anbieter es vielleicht beabsichtigt haben, nicht bei der praktischen Verwendung), passen die Abmessungen doch gut an meinem Körper und es ist weniger kritisch als ich zuerst gedacht habe. Es gibt genug Stoff, damit selbst an den Armen genug Bewegungsfreiheit gegeben ist, was das ganze ironischerweise auch noch verwirrender und frustrierender macht. Es wäre eigentlich perfekt, „wenn nur…“…. Damit kommen wir auch schon zur Wurzel allen Übels im nächsten Abschnitt.

Windelfixierung

Ihr habt es ja schon gelesen – eigentlich wäre der Body, so wie er ist, ja schon ganz brauchbar. Die Passform ist gut und er würde gut funktionieren, um auch eine relativ dicke Windel an meinem Körper zu fixieren. Leider haben die Designer jedoch einige grundsätzliche Dinge aus dem Blick verloren. als erstes müsste ich da nochmal die Sache mit der Größe wiederkäuen. Würde ich eine XL verwenden, gäbe es zwar bessere Bedeckung, aber kaum noch Widerstand gegen die Schwerkraft. Die Windel würde also runterrutschen. Seht ihr das Problem? Natürlich gleicht sich das dann bei größeren Menschen an, weshalb es wahrscheinlich so um die 1,85 m Größe okay wäre, wenn man noch dazu etwas schlanker ist.

DryLife Windelbody

Die andere große Nachlässigkeit – wenn man es denn nicht echte Unwissenheit und Dusseligkeit nennen möchte – ist die Platzierung der Knöpfe. Weil die Vorder- und Rückseite nahezu gleich sind, landen diese fast unvermeidlich an einer bestimmten Stelle und das ist nun mal die blödeste und unbequemste, die man sich vorstellen kann – genau zwischen den Beinen und, wenn ich das mal so unverblümt sagen darf, fast am Pupsloch.

Ich kann mir nur schwerlich vorstellen, dass man es noch ungünstiger hätte machen können, denn gerade wenn man es mal eilig hat und in einer öffentlichen Toilette die Windel wechseln muss, ist es extrem umständlich. Man muss sich im wörtlichen Sinne vorbeugen, um die Knöpfe überhaupt zu sehen und sie schließen zu können. Das Gute daran ist, dass man sich nur mit drei Knöpfen rumschlagen muss und diese auch keinen großen sichtbaren Spalt lassen, weil sie jeweils nur eine kurze Entfernung überbrücken müssen. trotzdem ist das nur ein geringer Trost.

Bei dieser Art von Kleidung für spezielle Bedürfnisse sollte man sich meiner Meinung nach schon mehr Gedanken über solche Details machen, erst recht, wenn man sich selber anzieht. Ich möchte mir da gar nicht vorstellen, wie sich da jemand mit motorischen Störungen wie Zittern, Krämpfen oder partiellen Lähmungen abmüht, wenn er niemanden hat, der ihm dabei hilft.

DryLife Windelbody

Als letztes, was mich stört muss ich auch noch die Platzierung der Knöpfe erwähnen, was strategisch nicht gerade clever umgesetzt ist, wenn man das mal so vorsichtig sagen darf. Die Drücker sind auf der innersten Kante des Bündchens aufgesetzt, wodurch sich das Risiko erhöht, dass die Krallen der Fixierungsringe auf dem dünne Stoff landen anstatt auf dem doppelten Saum.

Bei meinem pinken Muster ist eines der Löcher von den Krallen auch sehr nah an ein Loch der Naht geraten, wodurch sich an dieser Stelle ein sehr unschönes größeres Loch gebildet hat und auch der faden der Naht aufdröselt. Sicher muss ich da bald mal das Nähzeug rauskramen und was reparieren, wenn es endgültig durchreißt. Zugegeben, bei den meisten auf diese Art genähten Windelbodys gibt es keinen wirklich guten Weg, die Knöpfe auf die relativ schmalen Bändchen aufzubringen (es sei denn, man näht extra breit Bündchen an), aber ich würde mir wünschen, etwas mehr Sorgfalt wäre hier verwendet worden.

Materialien und Herstellungsqualität

Die Qualität des Stoffes ist in Ordnung. Es ist im Prinzip der übliche Standardstoff aus 100% Baumwolle, nur wird hier eine relativ hochwertige Qualität verwendet, die auch mal ein paar Wäschen übersteht, ohne gleich raue Stellen und Wollmäuse zu zeigen. Die Farben bleiben genauso lange frisch und bleichen kaum aus. Hier scheint ein richtiger Heißfärbeprozess zum Einsatz gekommen zu sein, der die Farben gut bindet und wenig davon geht beim Waschen wieder ab. Ich verwende normalerweise beim ersten Waschen immer Farbfängertücher um auf Nummer sicher zu gehen, aber in diesem Fall hatten sie kaum irgendwelche Verfärbungen. Deshalb kann man sich da einigermaßen sicher sein.

Die Nähte sind derart okay, dass sie keine Fehler im Stichmuster zeigen, aber die Windelbodys selbst haben ’ne ganze Menge Variationen, was die Form angeht. Der blaue war perfekt gerade genäht, der pinke hatte dafür umso mehr Verzerrung/ Verdrehung eingebaut. Da soll einer draus schlau werden! Was mich auch stört ist, dass scheinbar die falschen Nadeln verwendet wurden. Ich hab von dem Kram nicht viel Ahnung, aber wenn sich die Einstiche unter Spannung zu sichtbaren Löchern aufdehnen, muss irgendwas faul sein.

Preise und Verfügbarkeit

Die Preise fangen bei 16,95 Britischen Pfund (GBP) für die weißen Versionen an, wenn man von der Steuerbefreiung für behinderte Menschen Gebrauch macht und mit Steuern werden das dann 20.34 GBP. Die farbigen Onesies kosten noch ein Pfund oben drauf. auch wenn das okay ist und für Leute in UK sogar irgendwie billig, wird’s für Menschen von anderswo aufgrund der Währungsumrechnung eventuell teuer. Im Schnitt bezahlt man dann eben doch um die 25 Euro. Die Verfügbarkeit sollte hinhauen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich das in diesem Fall nicht annähernd so oft checke, wie ich das bei anderen Produkten mache. Deshalb ist das auch mehr eine Vermutung.

Zusammenfassung

Wie man vielleicht schon an der Verwendung von diversen konditionalen Formulierungen gemerkt hat, macht es einem das Produkt nicht leicht. Es macht einige Dinge richtig, aber vergeigt dafür dann andere wichtige Punkte. Es scheint, als ob man sich nicht entscheiden konnte, entweder ein billiges „müssen wir auch im Angebot haben“ Produkt oder ein vollwertiges Inkontinenzprodukt herzustellen. Am schlimmsten ist wirklich, wie umständlich es ist, den Body anzuziehen wegen der Anordnung der Knöpfe. Es fühlt sich an, als ob jemand einfach ein Schnittmuster für einen Baby-Onesie vergrößert hat ohne die Handhabbarkeit für Erwachsene zu berücksichtigen. Eigenartigerweise wäre ich ja mehr als bereit, wegen der Passform und der schönen blauen Farbe die Dinger noch einmal zu kaufen, aber die Qualitätsprobleme müssten dann in einer Version 2 durch eine Überarbeitung schon ausgeräumt werden. Bis das passiert, bleibt es wirklich eine Frage von „Kann passen, muss aber nicht.“ und das individuelle Erfolgserlebnis bei der Verwendung hat eine große Streuung.

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