Windelzubehör: Der große Onesie-Vergleich – Teil 3 – Pien & Polle

Als zweiter Teil unserer Serie wende ich mich noch einem dieser „Klassiker“ zu. Die Pien & Polle (oder genauer Pien en Polle) habe ich schon eine ganze Weile und ja, es sind genau dieselben, über die ich schon mal etwas aufgeregt geschrieben hatte, als ich sie bekam. In der Zwischenzeit habe ich mir keine weiteren dieser Marke zugelegt, was ich aber aus diversen Gründen vielleicht einmal irgendwann tun sollte. Mehr zum „Warum?“ in den entsprechenden Abschnitten.

Farben und Muster

Pien en Polle Windelbodys

Ähnlich wie bei den Kiwisto Windelbodys in unserem vorherigen Artikel, werden auch diese von einer kleinen Firma hergestellt, die vor allem darauf ausgerichtet ist, Kleidung für behinderte Kinder und Ähnliches anzubieten. Deshalb würde man damit rechnen, dass das Angebot etwas eingeschränkt und die Auswahl begrenzt ist. Lustigerweise ist das aber überhaupt nicht so und das Angebot viel breiter als bei der deutschen Konkurrenz, was man vielleicht darauf schieben kann, dass die Motivation etwas persönlicher ist und der Schwerpunkt wirklich auf Kleidung liegt, während zugleich die Bude einfach noch nicht so groß ist. Wer weiß das schon?!

Wie auch immer, man kann jederzeit aus ungefähr zehn verschiedenen Uni-Farben wählen. Die üblichen Standards wie Schwarz und Weiß sind dabei, aber wie man anhand des Bildes sehen kann, gibt es auch diverse andere Farben wie Marineblau, Petrol-/Aquablau, Apfelgrün, Dunkelgrün, Rot, Pink/ Fuchsia, Lila und Grau. Von Zeit zu Zeit gibt es auch weitere Farben, was aber wohl daran hängt, wie gerade die Materialien da sind. Ich kann mich definitiv daran erinnern, dass es eine Zeit lang auch mal eine olivgrüne Version gab.

Zusätzlich zu den einfarbigen Modellen gibt es noch gemusterte Onesies, die so geschnitten sind, dass sie wie normale T-Shirts aussehen und bei denen der untere Teil durch etwas überlappendes Material verdeckt wird. Zusätzlich gibt es noch diverse andere Varianten wie z.B. eine mit Spaghettiträgern für Mädchen. Auswahl gibt es also genug. Zumindest für die T-Shirt-Bodys gehe ich aber davon aus, dass die Passform weitestgehend mit der der hier besprochenen Varianten identisch ist. Wenn man auf eine bestimmte Kombination von Mustern und Farben scharf ist kann man sicher auch mit den Leuten reden und es sich speziell anfertigen lassen.

Größe und Passform

Das ist einer der Punkte, dem ich mich nochmal irgendwann in der Zukunft zuwenden muss, wie ich das in der Einführung geschrieben habe. Als ich damals meine Exemplare geordert habe, war ich ziemlich unerfahren in diesen Dingen und um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich die größte verfügbare Größe 188 bestellt. Wie sich gezeigt hat, hätte ich auch gefahrlos eine Nummer kleiner in der 176 bestellen können, denn diese Windelbodys sind ziemlich „geräumig“, um’s mal so zu sagen. Das bedeutet, dass sie tatsächlich sogar ziemlich groß ausfallen, auch wenn man bedenken muss, dass ich nur 1,80 m groß bin. Entsprechend dürfte die Größenzuordnung zur 188 (cm) irgendeinen Beamten bei der Europäischen Union in Brüssel ziemlich glücklich machen, weil sie sich perfekt an die Standardgrößen hält.

Pien en Polle Windelbodys

Ein zusätzlicher Vorteil dabei ist natürlich, dass größere Menschen bis vielleicht so um die 1,95 m Körpergröße diese Produkte auch noch tragen können, ohne dabei irgendwelche größeren Probleme mit der Passform zu bekommen. Wenn man wirklich sehr schlank bis dünn ist, könnte das sogar noch weiter reichen. In der anderen Richtung gibt es diese Einteiler auch bis runter zu Kleinkindgrößen, also findet man auch was, selbst wenn man so klein und handlich wie meine Mama ist. ;-)

Die eigentliche  Passform ist, wie man anhand der Bilder sehen kann, ziemlich „flächig“. Diese Bodys sind relativ breit und das ergibt einen großen Umfang. Das ist gut, wenn man wie ich einen kleinen (na gut, nicht so kleinen) Bauch mit sich rumschleppt und ist sicher auch hilfreich für Leute, die im Rollstuhl sitzen und entsprechende Bewegungsfreiheit brauchen. Andererseits könnte es an den schon erwähnten sehr schlanken Menschen etwas zu luftig aussehen, weil dann zu viel Stoff noch lose herumflattern kann. Das ist natürlich auch eine Frage des persönlichen Geschmacks wie eben bei T-Shirts, also muss man selber sehen, ob es einem gefällt oder man etwas engeres bevorzugt.

Pien en Polle Windelbody

Im unteren Bereich fällt der Schnitt deutlich flacher aus als bei Kiwisto, was bedeutet, dass der Stoff hinten tiefer runter reicht und den Hintern stärker bedeckt. Dadurch sollte auch in den ungünstigsten Situationen verhindert werden, dass jemand die Windel zu sehen bekommt (selbst wenn man sich wortwörtlich so weit nach vorne beugt, dass die Finger die Zehen berühren, sollte alles noch gut verdeckt sein). Der lange Rückenteil ist auch wichtig für das Verschließen des Bodys. Weil der Fortsatz mit den Knöpfen selbst viel kürzer ist als beim Kiwisto, wäre es sonst nicht möglich, alles bequem zuzuknöpfen. Entsprechend fühlt sich das dann im Intimbereich auch mehr wie (enganliegende) Boxershorts an und nicht wie ’ne knapp geschnittene Speedo (Badehose) und es hält auch etwas wärmer als manch anderes Produkt. Weil der Stoff sehr weich und fein ist, schränkt das aber die Bewegungsfreiheit nicht ein.

Windelfixierung

Hier kommen wir zum zweiten Punkt, bei dem ich aus heutiger Sicht eine Größe kleiner wählen würde. Die groß ausfallende 188, die ich nun mal habe, ergibt zusammen mit dem sehr geschmeidigen Stoff aus 95% Baumwolle und 5% Lycra keine Kombination, die eine Windel alleine an Ort und Stelle halten könnte. Sobald die Windel durchsackt, hätte man da ein Problem und der Onesie würde einem dann im wahrsten Sinne auch nicht den Arsch retten. Für mich ist das glücklicherweise nicht die größte aller Sorgen, weil ich mich immer „voll aufrüste“, also eigentlich immer dazu Schutz-/ Fixierhosen trage, aber wenn man das nicht so handhabt, muss man sich möglicherweise ausschließlich darauf verlassen, dass die Windel von selbst hält. Ich denke wirklich, dass für mich deshalb die Größe 176 hier besser wäre.

Pien en Polle Windelbody

Der Verschluss ist bei diesem Produkt eine ziemlich einmalige Erfahrung, weil es das einzige ist, das ich kenne, welches diese kleinen Plastikdruckknöpfe verwendet, wie man sie sonst eher an BHs und anderer Damenunterwäsche findet. Anfangs war ich etwas skeptisch, aber auf ’ne Art ist es sogar ziemlich genial. Es ist viel stärker als man denken würde und weil die Knöpfe auf einem separaten, starken Textilband aufgebracht sind, ergibt sich fast automatisch eine effiziente und einfache Möglichkeit, beide Hälften zusammenzufügen. Man muss nur einigermaßen die beiden Bereich übereinander bringen und dann etwas drücken und schieben. Irgendein Knopf wird dann schon einschnappen und wenn man das erstmal hat, folgen die anderen fast von selbst.

Pien en Polle Windelbody

Mir persönlich ist das wurscht, ob die Knöpfe nun verdeckt sind, zumal sich dadurch die Ränder etwas nach oben wölben, wie man auf den Bildern weiter oben sehen kann, aber es ist trotzdem ein interessanter Lösungsansatz. Außerdem verstärken die weißen Bänder den Bereich und die Knöpfe durchlöchern nicht den Stoff, wie man das oft bei Modellen mit Metallknöpfen hat, deren Krallen dann das Gewebe beschädigen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man einfach die Streifen komplett entfernen kann, sollte es mal nötig sein, z.B. einen kaputten Knopf zu ersetzen. Da kann man dann einfacher die Knöpfe eindrücken und das Band (oder einen Ersatz) relativ einfach wieder annähen. Das hat schon so einiges für sich.

Materialien und Herstellungsqualität

Pien & Polle verwendet Öko-Tex zertifizierte Materialien nach europäischen Standards, also muss man sich in Sachen Schadstoffbelastung und Giftigkeit keine Sorgen machen – es sollte einfach keine geben. Ein Nachteil ist vielleicht, dass zumindest für mich die Farben nicht so lebendig rüberkommen, wie sie könnten. Sie sehen immer etwas blass und trübe aus (die meisten zumindest), was die Farbkorrektur der Bilder nicht einfacher gemacht hat (mal abgesehen von der endlosen Geschichte meiner unzureichenden Fotoausrüstung). ;-)

Was mich auch leicht stört, ist, dass sich der Stoff trotz Elasthan-/ Lycra-Anteilen nicht so glatt anfühlt, wie man das bei anderen Produkten hat, die eine ähnliche Kombination verwenden. Es fühlt sich eher wie ein reines Baumwollprodukt an. Das ist nicht weiter schlimm, ich hätte es nur etwas anders erwartet. Die Stoffqualität ist ansonsten aber gut. Es gibt keine Knötchen oder fehlende Schussfäden im Gewebe und wie schon erwähnt, ist alles sehr weich.

Die Nähte sind gut ausgeführt und weitestgehend gerade bis auf die an den Knopfleisten. Da das aber eine schwierige Stelle ist, wo alles etwas kurvenförmig verläuft, halte ich das für einen kleinen, verschmerzbaren Makel. Bei meinen Exemplaren gab es nie irgendwelche losen Fäden und es sind auch keine Garnreste rausgekrümelt, als sie neu waren, also gibt sich da jemand Mühe, die Qualität bestmöglich umzusetzen. Es gibt auch keinen Verzug, auch wenn diese elastischen Mischgewebe von sich aus da weniger anfällig sind und kleine Fehler verzeihen. Trotzdem merkt man einfach irgendwie immer, wo was hergestellt wurde, oder?

Preise und Verfügbarkeit

Die Preise sind ähnlich wie bei Kiwisto und fangen auch bei um die 17,95 Euro an und steigern sich dann mit zunehmender Größe bis ca. 25 Euro. Für die langärmeligen Varianten kommen dann nochmal zwei bis drei Euro dazu und die T-Shirt-Bodys sind noch etwas teurer. Nach meinen eigenen Erfahrungen und beim gelegentlichen Stöbern im Onlineshop von Zeit zu Zeit scheint die Verfügbarkeit der Produkte gut zu sein. Scheinbar wird darauf geachtet, dass die Produkte nicht mehr als ein paar Tage nicht vorrätig sind und die meiste Zeit sollte man es daher gar nicht merken, wenn mal irgendwas nicht sofort zur Lieferung bereit ist.

Soweit ich mich daran erinnern kann, kam damals das Paket per FedEx-Kurier (was in Deutschland ja eher ungewöhnlich ist, weil hier andere Paketdienste üblicher sind und den Markt beherrschen), aber zu der Zeit war das eben der regionale Kooperationspartner der holländischen Post. Heute mag das anders sein, aber da müsste ich ehrlich gesagt erstmal nachschauen. Wie auch immer, die Lieferung kam so schnell, wie das eben möglich erscheint und innerhalb von zehn Tagen war das Päckchen da. Das lässt sich gut berücksichtigen, selbst wenn man etwas auf den letzten Drücker bestellen will. In anderen Regionen kann es aber natürlich länger dauern.

Weil es generell keinen kostenlosen Versand gibt (selbst innerhalb Hollands nicht), sollte man sich der Kosten bewusst sein und entsprechend planen. Für Deutschland macht das nochmal 12,50 Euro extra und ich konnte das nur rechtfertigen, weil ich alle vier Onesies auf einmal bestellt habe. Ich bin mir nicht sicher, ob das damals auch zutraf, aber Vier ist auch die magische Zahl, ab der man Mengenrabatt bekommt. Trotzdem kann es sich für einige Ecken in der Welt einfach nicht lohnen, es sei denn, man bestellt wirklich so einen Haufen Zeug, dass bei einem Warenwert von 900 Euro oder so die 60 Euro Aufschlag nicht ins Gewicht fallen.

Zusammenfassung

Sofern ich das mit der Größe mal irgendwann auf die Reihe bekomme, verspreche ich, dass ich diese Dinger wirklich furchtbar lieben werde, aber bis dahin bleiben meine aktuellen Pien & Polle Bodys eine Erinnerung an meine Anfängerfehler. Ich kann nur zusehen, sie so abzuwetzen, bis ich irgendwann mal einen Grund habe, neue zu bestellen. Sie sind nicht schlecht, aber eben in der falschen Größe. Trotz dessen kann ich sie nur empfehlen, weil man eine gute Qualität bei einer ziemlich großen Auswahl an Farbkombinationen bekommt und alles so geschneidert ist, dass es auch als unauffällige Alltagskleidung taugt. Das sind reale Produkte, die man auch im „normalen Leben“ tragen kann, nicht nur, wenn man sich zu Hause ins Bett kuschelt oder nur verdeckt unterm Sweatshirt. Man sieht einfach, dass sich da jemand wirklich Gedanken gemacht hat und sich bei der Herstellung Mühe gibt. Der einzige wirkliche Nachteil ist, dass es schnell relativ teuer werden kann, je nachdem, wo man lebt. Zur Zeit werden aber Reseller innerhalb der EU gesucht, also kann sich auch das irgendwann bessern.

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