Windeltest: Tykables Overnights

Auch wenn ich normalerweise nicht Einhörnern hinterherjage, also beispielsweise der ultimativen bunten Windel, gehen meine kindischen Charakterzüge doch manchmal mit mir durch und ich ertappe mich dabei, wie ich denke „Ach, wie süß!“ und das öfter, als mir lieb sein kann. Deswegen ist nicht nur meine Wohnung mit Wandstickern und Fensterbildern gepflastert, die eher in ein Kinderzimmer passen, aber manchmal jage ich eben doch dem besagten Einhorn hinterher, sprich einem bestimmten Ding oder einer Sache, die mein inneres Kind einfach „Haben will!“. ;-) Wenn ich nicht im grafischen Bereich arbeiten würde und deswegen aufgrund meines Wissens und meiner Erfahrung nicht eine gewisse Zurückhaltung wie auch eine Abneigung gegen allzu Kitschiges hätte, würde ich da wohl ganz schön abdrehen. Weil das nun mal so ist, bin ich immer ganz froh, wenn ein Produkt mal beide Seiten gut abdeckt, weshalb ich die Tykables Overnights schon länger im Blick hatte und passenderweise macht es auch ein nettes kleines Schmankerl an einem Osterwochenende wie eben diesem.

Tykables Overnights

Aber genau genommen waren es ja nicht die Tykables, sondern das Produkt unter seinem alten Namen Snuggies, der dann natürlich wegen irgendeines blöden Namensrechtsstreits in den USA geändert werden musste. Nichtsdestotrotz waren diese Windeln hier in Europa schon immer irgendwie schwer zu bekommen, weshalb ich das lange vor mir hergeschoben habe, sie überhaupt mal in Angriff zu nehmen. Es kam einem immer so vor, als ob man nur übriggebliebene Packungen in der falschen Größe oder einzelne Exemplare in begrenzter Stückzahl zu deftigen Preisen kaufen konnte, weshalb das Ganze einfach nicht attraktiv war. Erst, als unsere Freunde von Diaper Minister ihren Vorrat aufgefüllt haben, habe ich zugeschlagen und auch gleich beide Größen bestellt.

Tykables Overnights

Tykables Overnights

Als jemand, der immer mit Grafik/ Design/ Marketing/ Werbung zu tun hatte, habe ich natürlich eine Schwäche für konsequentes Branding, also markenmäßig durchgestylte Produkte, und es gibt mir einiges Vergnügen und innere Zufriedenheit, wenn sich ein Anbieter da wirklich Mühe gibt. Eine farbenfrohe Verpackung ist so viel angenehmer anzusehen, als einfach nur weiße Folienbeutel. Bei der „Bedtime Checklist“, also der Checkliste vorm Schlafengehen, musste ich sogar kurz in mich reingrinsen, als ich sie entdeckt habe. Leider gibt es aber keine entsprechende Papierversion in der Packung, die man auch benutzen könnte. Aber egal, die Stapel mit den Packungen dürften in den Regalen in Tykables‚ kleinem Lädchen mit Spielzimmer ganz nett aussehen, auch wenn dieses eher dadurch bekannt ist, dass ein paar wenig verständnisvolle Anwohner da protestiert und einen Skandal draus gemacht haben.

Tykables Overnights

Da ich nun mal beide Größen geordert hatte, war ich doch etwas überrascht, als ich ein paar Stücke aus der Packung nahm und feststellen musste, dass die Farben doch recht wenig mit denen auf der Umverpackung übereinstimmten und auch zwischen den Größen gibt es deutliche Unterschiede. In Anbetracht dessen, was ich im vorigen Abschnitt gesagt habe, verwundert das dann doch. Die Sache mit den Sternen, die als verblassende Nässeindikatoren gedacht sind, könnte ja noch Absicht sein, aber selbst die eigentlichen Drucke zeigen leichte Farbvariationen. Wenn man davon ausgeht, dass beide aus der gleichen Fabrik kommen, ist das schon verwirrend.

Tykables Overnights

Um mal zu den guten Dingen zu kommen – natürlich ist das Gesamtdesign der Hauptpunkt, weshalb ich schon immer mal irgendwann das Produkt ausprobieren wollte. Die verschlafenen Tiere sind genau richtig mit ihrer vereinfachten Darstellung. Nicht zu fein, dass man sich ständig fragen muss, ob man nicht irgendwelche Details übersieht, während man den gewindelten Hintern im Spiegel betrachtet, aber auch nicht zu grob und hässlich. Die Größe ist auch gut abgestimmt und die Verteilung stimmig genug, damit es nicht wie ein unmotivierter Schnellschuss in MS Paint aussieht. Wie ich schon erwähnt habe, könnten die Farben gern etwas kräftiger sein, aber zumindest haben die Pastelltöne den Vorteil, dass nicht so leicht was abfärbt und man sich die darübergezogenen Schutzhosen versaut.

Tykables Overnights

Die passend gefärbte Innenseite verleiht dem ganzen einen gewissen exklusiven Touch und erinnert an einige Versionen der MyDiaper. Im übergeordneten Sinn enthüllt das auch die Herkunft des Produkts. Es ist wirklich nichts anderes als die -zigste Version der „China-Standardwindel, Modell Nr. 1“, was dann doch etwas enttäuschend ist. Das kann natürlich bei der ursprünglichen Snuggies anders gewesen sein und vielleicht schlägt hier auch meine ewige Aufschieberei gnadenlos zurück, aber trotzdem – wenn man bedenkt, was der Vertreiber da für einen Hype drum macht, hätte man was anderes erwartet. Die einzige Wiedergutmachung (zusätzlich zum ausgereiften Design) scheint zu sein, dass etwas mehr Sorgfalt bei der Auswahl der Zutaten und der Vermeidung von Herstellungsfehlern betrieben wurde.

Tykables Overnights

Wie man sieht, sind die Klebebänder transparent, was diesen hässlichen „störender weißer Klecks“ Effekt vermeidet, den man bei anderen Variationen dieser Windel sonst findet. Sie sind auch etwas breiter, was natürlich einem starken Halt zugutekommt. Ansonsten landen sie auf den gleichen transparenten Frontaufklebern, an die wir uns schon gewöhnt haben. Wenn wir schon mal von der Passform reden, deckt sich das mit meinen Erfahrungen bei anderen Produkten. Die Größe M (hier Größe 1) ist immer gerade ein wenig zu knapp für meinen Körper, womit die Größe L (hier 2) vorzuziehen ist, aber dann etwas überdimensioniert ist und auch nicht perfekt passt. Da werde wohl nie eine Lösung finden und muss in solchen Situationen immer einen Kompromiss eingehen. ;-)

Wie man in dem Foto mit der aufgeklappten Windel sehen konnte, ist das Polster auch die Standardausgabe, auch wenn ich den Eindruck habe, dass in neueren Versionen dieser Windeln alles etwas weicher ist. Ältere Versionen vergleichbarer Produkte waren immer ziemlich fest, was die negative Nebenwirkung hatte, dass die ersten paar abgegebenen Flüssigkeitsmengen nicht schnell genug ins Gewebe eindrangen und es diese unangenehmen „Bächlein“ auf der Oberfläche gab, wegen denen man sich manchmal nicht gleich bewegen konnte, bis alles eingezogen war. Ich finde, dass es jetzt besser ist und getraue mich auch eher, das große Saugvolumen auch wirklich auszunutzen (welches immer noch in der Oberklasse ist). Das ist aber natürlich eine subjektive Einschätzung und kann auch komplett den Umständen geschuldet sein.

Tykables Overnights

Leider ist es so, dass ohne das einzigartige Design und andere ähnliche Aspekte dieses Produkt auch nur irgendeine importierte Windel aus einer unbekannten chinesischen Fabrik wäre. Das darf man nicht falsch verstehen – es ist nicht schlecht, aber man kann es billiger haben, wenn man auf die Bedruckung keinen Wert legt. Es kommt wirklich nur drauf an, wo man auf der Welt wohnt. Es kann schon sein, dass man in den Vereinigten Staaten diese spezifische Variante noch am einfachsten bekommt, aber hier in Europa ist der Markt bereits mit anderen Abarten überschwemmt, weshalb das nichts ist, was man unbedingt haben muss. Es ist schon eine bittersüße Ironie, dass im Prinzip dank Alibaba jeder seine Wunschwindel mit relativ wenig Aufwand produzieren lassen kann (solange man das Ganze vorfinanzieren kann und entsprechende Mengen abnimmt, damit der Container voll wird), aber letzten Endes sind alle irgendwie doch gleich…

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