Verfluchtes Berlin

Als jemand, der erst ziemlich spät was mit dem ganzen Windelkram in Berührung gekommen ist, sind einige der etwas abgefahreneren Sachen der „Szene“ immer noch gewöhnungsbedürftig und entsprechend ist es doch etwas komisch für mich, auf eine Windelparty zu gehen. Ich bin zwar schon immer relativ offen mit meinen Fetischen und Kinks umgegangen und ich werde nicht so tun, als ob ich nur auf Blümchensex und Powerkuscheln abfahren würde, aber von Jungs mit gewindelten Hintern umgeben zu sein ist doch eher ungewohnt, so gern ich mir das auch anschaue (auch wenn die besten immer irgendwie schon vergeben oder sonst wie unerreichbar sind :-| ). Demzufolge habe ich bei sowas immer gemischte Gefühle – halb freue ich mich drauf, halb graust es mir davor.

Ich überlasse es eurer Fantasie, sich vorzustellen, was da bei diesem berüchtigten Event in Berlin abging (wer schon mal da war oder es sich schon immer mal vorgenommen hatte, weiß, wovon ich rede), weil ich darüber eigentlich gar nicht reden will, sondern wie das ganze Wochenende für mich fast komplett ins Wasser gefallen ist. Leider scheint der liebe Gott einen ziemlich schrägen Humor zu haben und eine eigenartige Art, mir mitzuteilen, dass ich doch lieber zu Hause bleiben und Fernsehen schauen soll, auch wenn so eine Sache wie diese aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen bei mir sowieso nur alle halbe Jahre vorkommt und ich sonst kaum aus meiner Höhle komme.

Alles ging am Freitagmorgen los, als ich mich schon gefühlt habe, als hätte ich unter einem Felsbrocken geschlafen. Alle Muskel und Knochen taten irgendwie weh und ich hatte schon zu kämpfen, überhaupt aus dem Bett zu kommen. Es besserte sich, nachdem ich meine Medikamente genommen hatte und der Schmerz ließ nach, aber trotzdem war ich kurz davor, einfach alles sausen zu lassen, wenn ich nicht schon ein paar Dinge fest ausgemacht hätte. Also habe ich mein Zeug zusammengepackt und bin mit dem üblichen Reisegepäck zuzüglich eines ausreichenden Windelvorrats zu unserer örtlichen Bahnstation gelaufen, was unter den Umständen auch schon anstrengend genug war.

Als ich dann im Zug nach Leipzig saß, entspannte sich alles wieder etwas (etliche Cosplayer, die auf dem Weg zum Manga-Festival der Leipziger Buchmesse waren, stiegen auch ein *toll*) und auch der Übergang zum ICE nach Berlin war schmerzfrei. In Berlin nahm ich dann die S-Bahn und U-Bahn, um den Schlüssel für die Zweitwohnung eines meiner Ex-Kerle abzuholen, wo ich meinen Hintern übers Wochenende parken würde. Er kam dann kurz danach auch heim und wir haben noch bei einer Tasse Kaffee gequatscht und uns an die alten Zeiten erinnert und die neuesten Neuigkeiten ausgetauscht. Er hat sich dann später am Abend in Richtung seiner Eltern und seines aktuellen Partners aus dem Staub gemacht und ich hatte die Bude für mich allein.

An dem Punkt wurde mir mein erster Fehler in meinem Plan klar: Die ganze Zeit hatte ich nicht eine Minute Ruhe bekommen und die chronische Erschöpfung, die bei einer Sarkoidose typisch ist, meldete sich umso stärker zurück. Das ist wirklich so, als ob man vor sich hinbrabbelt „Ich muss mich sofort hinlegen, sonst falle ich auf der Stelle tot um!“. Also legte ich mich erstmal ein bisschen hin und nach einer belebenden Dusche fühlte ich mich auch eigentlich ganz gut und bereitete mich auf den Abend vor. Ich hab noch spät Abendbrot gegessen und nochmal eine Ladung Medizin eingeworfen, bevor ich mich auf den Weg in Richtung Party machte.

In größeren Menschenmassen bin ich generell nicht so gut, was das zwischenmenschliche Geplänkel angeht, weil das einfach Asperger-mäßig mein Gehirn überfordert, wenn’s aus jeder Ecke anders tönt und jeder über was anderes redet. Zudem tut mir die stickige Luft in solchen Locations nicht sonderlich gut und irgendwie werde ich bei Jungs, die ich süß und anziehend finde, auch immer zum schüchternen, nutzlosen Drops. Eine Zeit lang gelang es mir aber doch, ein bissl mitzuhalten und ein paar ruhige Ecken zu finden, ohne dass ich mir selbst und den anderen zu sehr auf den Geist ging.

Dann wurde es wieder komisch. Ich habe wahrscheinlich komplett unterschätzt, wie schnell meine Opioide verstoffwechselt werden und als deren Niveau unter einen bestimmten Wert sank, hatte ich wieder diese nervigen Krämpfe und Lähmungserscheinungen. Das habe ich zwar erst seit kurzem, aber es ist schon ziemlich gruselig. Weil ich nichts zum Nachtanken dabei hatte und auch keine entsprechende Notfallausstattung und es dann sowieso ein Weilchen dauert, bis das alles wirkt, blieb mir nichts weiter übrig, als mich vorzeitig aus dem Staub zu machen. Der Rückweg in der U-Bahn war sehr unangenehm und zeitweise hab ich gezuckt wie ein Epileptiker kurz vorm Anfall. :-\ Selbst schlafen war nicht angenehm in dieser Nacht, weil sich mein Körper einfach nicht beruhigen wollte.

Am nächsten Tag habe ich mich dann mit einem guten Freund getroffen und wir haben uns das SeaLife/ Aquadome angesehen und sind danach etwas durch die Stadt spaziert, wobei er mir ein paar interessante Stellen gezeigt hat. Nachdem ich dann gegen 17 Uhr wieder in meiner (vorübergehenden) Unterkunft war, war ich wieder so kaputt, dass ich mich erstmal hinlegen musste und dann fast zwei Stunden geschlafen habe. Als ich aufwachte, war es draußen dunkel und mein Bauch grummelte, was nichts Gutes bedeuten konnte.

Es dauerte auch nicht lange, und dann manifestierten sich wieder meine Darmprobleme und ich hab mir wortwörtlich fast eine Stunde lang die Seele aus dem Leib geschissen (sorry wegen der Wortwahl). Ich hab wirklich keine Ahnung, was es ausgelöst hat, aber man weiß ja nie, was man so ißt, wenn man in einer fremden Stadt unterwegs ist. Danach fühlte ich mich umso mehr erschöpft und war auch total frustriert, weshalb ich mich entschloss, am zweiten Abend nicht auszugehen. Nach ein wenig TV-Geglotze bin ich dann auch eingeschlafen und muss alles an Schlaf von den Tagen vorher nachgeholt haben.

Warum erzähle ich das alles? Eigentlich vor allem, um den Leuten, die dort waren zu sagen, dass ich auch da war, aber eben nicht so viel, wie ich selbst gerne gewollt hätte. Wer mich also vermisst hat: Sorry! Wer mich in der kurzen Zeit, die ich dort war, doch erkannt hat, kann sich ja gern mal melden. als ob das alles nicht schon blöd genug gelaufen wäre, hatte dann auch noch mein Zug nach Hause fast eine Stunde Verspätung, aber bei dem ganzen Kuddelmuddel ist das auch nur noch der Abschluss eines ohnehin schon schlechten Wochenendes gewesen. Irgendjemand hat wirklich was dagegen, dass ich wenigstens ab und zu mal etwas Spaß und Aufregung habe…

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