Ich bin im Fernsehen…!

…oder genauer genommen meine Krankheit, die da heißt Sarkoidose. Auch drauf reingefallen? ;-) Okay, aber da sowas ja selten genug im TV kommt, ist es zumindest eine Randnotiz wert, zumal wenigstens ein paar Grundlagen einigermaßen anschaulich rübergebracht werden. Allerdings hat der Beitrag vom RBB auch seine eindeutigen Schwächen, weshalb ich da mal noch ein paar Gedanken nachschieben möchte.

Besonders stört mich natürlich, dass – mal wieder – der Eindruck erweckt wird, die Krankheit würde sich immer selektiv nur eine Kampfzone aussuchen, dann kriegt man ein paar Medikamente und wenn man „eingestellt“ ist, ist alles wieder gut. Außerdem wird auch im Beitrag nicht wirklich zwischen chronischen und akuten Verlaufsformen unterschieden, was diesen falschen Eindruck weiter verstärkt. Klar, zeitlich und räumlich begrenzte Sarkoidosen gibt es als Begleiterscheinung bei vielen Krankheitsbildern von Krebs über HIV bis zu allergischen Hautreaktionen und beispielsweise nach dem Ende einer Chemotherapie verschwinden die dann wieder, oft sogar ohne Medikamente (Spontanremission), aber das hat eben mit der chronischen Form nicht viel zu tun.

Entsprechend dieser fehlenden Differenzierung hat der Beitrag auch eine weitere Schwäche: Er macht glauben, dass man die diversen Symptome einmal diagnostiziert und dann kann man darauf irgendeine Form von „Standardtherapie“ aufbauen. Auch das könnte nicht weiter von der Realität entfernt sein! Letzten Endes muss der Name „Krankheit mit 1000 Gesichtern“, so wie er im Beitrag verwendet wird, auch so verstanden werden, dass sich das Krankheitsbild selbst ständig ändert. Um’s mal drastisch zu sagen: Man fühlt sich jeden Tag auf eine andere Art scheiße und von Woche zu Woche, Tag zu Tag hat man mit anderen Problemen zu kämpfen. Irgendwann hat man mit fast jeder Fachrichtung der Medizin mal was zu tun gehabt.

Weiterhin wird im Beitrag zwar darauf verwiesen, dass alle Organe und Organsysteme befallen sein können, aber auch hier wird wieder so getan, als wäre das selektiv. Ich fand’s beispielsweise eigenartig, dass da so ein Zirkus um die Milz gemacht wurde. Als wichtiger Teil des Immunsystems ist dieses Organ bei systemischen Erkrankungen immer mit im Spiel wie eben auch das Lymphsystem. Man muss keine Granulome in der Milz haben und trotzdem wird sie auf eine Sarkoidose (oder andere Autoimmunkrankheiten) immer reagieren. Meine Milz hat schon seit Jahren Übergröße.

Umgekehrt wird auch nicht erwähnt, dass selbst wenn andere Organe betroffen sein könnten, der Nachweis oft kaum zu erbringen ist, weil man eben, im Gegensatz zu großvolumigen Weichteilorganen, an vielen anderen Stellen am Körper gar keine Gewebeproben entnehmen kann bzw. das mit so großem Aufwand verbunden ist, dass es sich nicht lohnt oder es keiner bezahlen will. Man selber will das natürlich auch irgendwie nicht, denn wenn ich mir überlege, man würde das konsequent durchziehen, hätte ich selbst bei endoskopischen Operationen überall Narben am Körper, weil bei mir eben auch fast alle Körperregionen betroffen sind. Meine Stuhlinkontinenz fällt ja z.B. da irgendwie auch mit drunter, weil es im Dickdarm Veränderungen gibt.

Insgesamt finde ich also den Beitrag eher okay und nicht so richtig toll, weil er zu vieles vereinfacht und weglässt, aber immerhin ist es ein Anfang. Wäre nur zu wünschen, dass sich in Zukunft mal jemand mehr Zeit für das Thema nimmt. Es ist ja irgendwie schon tragisch und traurig, dass vorher ein „Hausfrauenthema“ wie Wadenkrämpfe und Besenreiser fast 20 Minuten lang ausgewalzt wurde und ein ungleich komplexeres Thema nur in einen Fünfminutenbeitrag gestopft…

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: