Warentest strikes back!

Wie ein großer Fastfood-Hersteller so schön sagt: Ich liebe es! Nach über einer Woche hat es die Stiftung Warentest nun mal hingekriegt, auf meinen, zugegeben nicht ganz so subtilen Kommentar zu antworten. Ich hatte auch schon brav zurückgeantwortet, aber da das blöde System auf deren Webseite keine Änderungen zulässt, habe ich meine Zeilen wieder gelöscht und werde mich entsprechend hier nochmal ausbreiten. Die entsprechenden Kommentare sind in den Zitaten (Blockquotes) gekennzeichnet.

Stiftung Warentest: Von „Unprofessionalität“ im Testvorgehen kann keine Rede sein. Es handelt sich um einen sehr aufwendig durchgeführten Test, der noch mehr Zeit und Ressourcen in Anspruch genommen hat als ein klassischer Warentest. Wir haben dafür nicht nur moderne Laborprüfungen durchgeführt, sondern zusätzlich rund 200 Betroffene die Produkte tragen und beurteilen lassen.

Mag ja alles sein. Das machen die Hersteller auch, aber deswegen ändert es nichts da dran, dass es am Markt mehr als genug Schrott gibt. Über die (nicht vorhandene) Aussagekraft synthetischer, abstrakter Tests habe ich mich ja schon zur Genüge auch hier ausgetobt wie z.B. in diesem Artikel. Selbst eine theoretisch gute Windel kann im Alltag eine Katastrophe sein.

Auch halte ich die Bewertung durch Benutzer nicht wirklich für aussagekräftig, solange nicht offengelegt wird, wie sich diese Testgruppe zusammensetzt. Sorry, auch wenn’s wehtut: Ich stelle mir da immer noch ältere Teile der Bevölkerung vor, die mit schlecht sitzenden Pants durch die Gegend eiern und sich dann wundern, warum sie auslaufen.

Stiftung Warentest: Was die Produktauswahl betrifft, müssen wir uns aus Kosten- und Platzgründen begrenzen und können nicht ganze Sortimente testen. Wir bemühen uns aber immer, Produkte mit hoher Relevanz einzubeziehen. Im Test befinden sich aufsaugende Hilfsmittel von Anbietern mit hoher Marktbedeutung, die überwiegend im Apothekenfachhandel verkauft werden, sowie Produkte, die häufig von großen Krankenkassen erstattet werden. Das sind zwei wesentliche Vertriebskanäle.

Nun ja, aber dann sollte man das auch benennen, oder? Es bleibt für mich dabei: Es macht keinen Sinn, eine Delta-Form (Kassenprodukt) mit einer MoliCare Premium Slip super plus (meistens aufzahlungspflichtig/ für Selbstzahler) zu vergleichen. Genau so wenig macht es Sinn, verschiedene Produktkategorien durcheinanderzuwürfeln und in der gleichen Tabelle darzustellen – Pants sind nun mal was anderes als Windelslips!

Auch verstehe ich nicht, wie man bei „Anbietern mit hoher Marktbedeutung“ z.B. von Ontex ausgerechnet die Euron-Form Slip nimmt, aber ID Slip & Co. außen vorlässt. Außerdem heißt ja nur, weil Kassenpatienten mit Delta-Form und anderen Einfachprodukten abgespeist werden und sich somit eine scheinbar marktbeherrschende Stellung ergibt, dass sie nicht gerne andere Marken verwenden würden. Würde der Markt wirklich funktionieren, ergäbe sich ein ganz anderes Bild.

Stiftung Warentest: Die Produkte haben wir uns übrigens – anders als von TrueMylenium (der bin da ich, Anm. d. Autors, Artikel entsprechend korrigiert) in seinem Blog angenommen – keineswegs von den Herstellern „zur Verfügung stellen“ lassen, sondern selbst eingekauft. Das ist unser übliches Vorgehen.

Na gut, dann ist es eben selbst bezahlt. Der Eindruck bleibt aber ob der sehr willkürlichen, unvollständigen Auswahl der gleiche: Man wird das Gefühl nicht los, dass zu wenige Hersteller zum Zuge gekommen sind und das Ganze nicht mit der nötigen Sorgfalt und Kenntnis der Materie vorbereitet wurde. Und das ist wohl auch der springende Punkt, der mich richtig ärgert, wenn ich mal so introspektiv über meine dunkle Seite meditiere.

Selbst wenn man aufgrund begrenzter Budgets und Zeit beispielsweise keinen Endnutzertest für derart viele Produkte machen konnte, hätte sicher eine Tabelle mit (vereinfachten) Labortests oder auch eine bloße Auflistung weiterer Produkte hier ein ausgeglicheneres Bild gegeben und den Nutzwert vergrößert. Insofern bleibe ich da auch bei meiner Meinung: Hätte man alles viel besser machen können.

Kurz- bis mittelfristig wird das Ganze aber ohnehin in der Versenkung verschwinden und dem großen Vergessen anheimfallen. Dazu ändern sich die Produkte zu schnell und die derzeitigen Umwälzungen als Folge der Gesetzesänderungen zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelverordnung werden ihr Übriges tun, um dies zu beschleunigen. Sofern die Stiftung Warentest also nicht regelmäßig neue Tests nachschiebt, idealerweise als umfangreiche Sonderhefte, bleibt das Ganze eine Anekdote, die spätestens nach der Bundestagswahl den nächsten Gesundheitsminister nicht mehr groß interessiert und alles geht so weiter wie bisher…

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