Windeltest: Bambino Bellissimo | Classico | Teddy

Je exotischer (im Sinne von „von irgendwo anders und nicht leicht zu bekommen“) und außergewöhnlicher ein Produkt ist, umso mehr versteift man sich darauf, es haben zu wollen, egal, was die wirklichen Qualitäten nun sind. Das entwickelt sich dann schnell wie diese vorweihnachtliche Sucht, wo man etwas so sehr will, dass man es kaum noch einen Tag länger aushält und man fast explodiert. Glücklicherweise bin ich bei solchen Dingen relativ ruhig und beherrscht und kann da geduldig warten, aber die Bambino Windeln standen schon ein Weilchen auf meiner Wunschliste. Passenderweise nimmt die Jahresend(feier)saison gerade Fahrt auf, weshalb dieser Artikel vielleicht ganz passend zum Einkaufswahn kommt, sollte man auch diesen inneren Drang verspüren.

Bambino Bellissimo

Diese Packung wurde mir wieder von einem meiner heimlichen Bewunderer und Wohltäter zur Verfügung gestellt und er hat die Bellisimo mit den Manga-artigen Illustrationen auf dem Frontaufkleber gewählt, für die von uns, die diese kindliche Ader in sich haben. Die anderen zwei Varianten, Classico und Teddy sollten sich nicht groß unterscheiden, mal abgesehen von der Bedruckung. Wenn jemand noch ein paar übrig hat, kann er die ja gern bereitstellen und ich mache dann noch ein paar Fotos, um sie hier mit unterzubringen und die Neugier der Leute zu befriedigen.

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, ist die Verpackung ziemlich unspektakulär, ums mal vorsichtig auszudrücken. Das ist jetzt kein großes Problem, aber dass nur acht Stück drin sind, könnte schon eines sein. Da sollte man sich auch keiner Illusion hingeben – das ist kein Produkt für preisbewusste Menschen. Bei ungefähr 17 Euro pro Packung kommt man da mehr oder weniger auf 2 Euro pro Stück. Der Preis kann natürlich variieren, je nachdem wo auf der Welt man wohnt und kann eben höher oder niedriger sein. Auf jeden Fall sollte man ein wenig nachforschen und den preiswertesten Händler finden.

Bambino Bellissimo

Bei dem Preis sollte das Produkt besser gut sein. Schauen wir uns also mal die technischen Parameter an. Wie ich im vorherigen Abschnitt angedeutet habe, ist das eine dieser Windeln, die einen extra Folienaufkleber im vorderen Bereich verwenden und in diesem Fall dient das auch zur Differenzierung der einzelnen Produktreihen. Ich hab mir Mühe gegeben, die Farben so genau wie möglich zu treffen, weil sie tatsächlich in manchen Fällen fast neonfarbig bzw. fluoreszierend sind, da sie mit geringer Dichte/ Deckkraft gedruckt sind und viel von der weißen Folie reflektiertes Licht durchlassen.

Natürlich dient der Aufkleber auch als Befestigungsbereich für die Klebebänder, dies sich dadurch ein paar Mal neu positionieren lassen. Bei dieser Windel darf man das aber nicht übertreiben. Die Bänder sind von Anfang an nicht sonderlich stark, auch wenn sie ihren Zweck gut erfüllen, aber exzessives Wiederfestmachen nutzt die Klebeschicht ab und reduziert die Haftkraft erheblich bis es irgendwann eben gar nicht mehr so gut hält.

Bambino Bellissimo

Die Anzahl dieser Zyklen im Griff zu haben ist auch wichtig, weil diese Art von Windeln immer etwas steif sind und es umso wichtiger ist, diese Stärke in den Bändern zu haben, damit sich alles gut an den Körper anpasst und zusammenhält. Das geht auch über die verstärkte „Frontplatte“ hinaus, weil die Folie und der Rest der Windel auch ziemlich robust ausfallen und somit etwas Aufmerksamkeit und Zuwendung brauchen, um richtig zu sitzen. Da darf man sich auch nicht von den Bildern täuschen lassen – am Körper sieht es viel glatter aus. Ich habe es nur nicht hingekriegt, es an meiner Kissenrolle, die ich als Platzhalter verwende, genauso aussehen zu lassen. ;-)

Wenn man seine Blicke auf die Rückseite lenkt, sieht man, dass das Saugpolster riesig ist und fast den gesamten Bereich bedeckt. Als jemand, dessen primäre Problemzone im hinteren Bereich liegt, kommt mir das natürlich im Rahmen der möglichen Verwendungszwecke dieser Windel entgegen, was in dem Fall heißt, dass man es als Wohlfühlprodukt für spezielle Gelegenheiten oder als Nachtversorgung verwendet. Für gewöhnlichere Anwendungen wie das Tragen unter der normalen Kleidung jeden Tag ist es vielleicht etwas zu viel des Guten, auch wenn mich solche Betrachtungen nie davon abgehalten haben, solche verrückten Sachen doch zu machen.

Das Polster ist vorne ähnlich breit wie auch im Rest des Saugkörpers, weshalb es jede Menge Kapazität für die Flüssigkeitsaufnahme hat. Insgesamt ist die Saugstärke ziemlich gut und liegt im oberen Drittel meiner imaginären Liste der saugstärksten Produkte. Die Saugstärke ist vielleicht nicht so hoch wie bei einer Comficare oder BetterDry und ich denke auch nicht, dass sie so viel halten kann z.B. wie eine ABU Space oder Rearz Safari, aber es ist auf jeden Fall nah an diesen Produkten dran. Wie auch immer, man kommt auf jeden Fall damit durch eine Nacht.

Bambino Bellissimo

Für  diesen Test hatte ich nur eine Größe M, weshalb ich nicht sagen kann, wie groß die Unterschiede zu einer L wären. Die Passform ist allerdings ziemlich normal und hält sich gut an die Standardmaße für M, so dass es für alle geeignet sein sollte, die auch in diese Kategorie fallen.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist die etwas kurze Frontklappe. Sie ist im Prinzip nicht viel höher als der farbige Aufkleber und das gibt einem nicht viel Spielraum, mit der Passform zu experimentieren und die Windel etwas höher zu ziehen oder tiefer sitzen zu lassen. Das wäre normalerweise auch nicht so das Problem, aber durch das große Polster hinten könnte es unerwartete Nebenwirkungen geben, weil sich dadurch möglicherweise alles von der Mitte weg verschiebt und das Material der Seitenflügel, dass sich um die Beine legt, das nicht ausgleichen kann und Lücken bleiben. Wenigstens ist der Mittelteil besonders breit und sollte zumindest einiges davon kompensieren, damit sich ein geschlossener Saum rundum bildet.

Der Rest der Features ist so ziemlich das, was man in dieser Klasse erwarten würde. Auch wenn ich den hohen Preis nicht für angemessen halte (außer vielleicht als Folge höherer Stückkosten bei zu geringen Produktionsmengen), fühlt sich das Produkt hochwertig genug an, um es zumindest für sich selbst zu rechtfertigen, wenn man sich in diese Denkweise hineinversetzt. Es fühlt sich angenehm an, ist formstabil und man hat den Eindruck, dass sich jemand da Gedanken gemacht hat (oder es alternativ ein Produkt aus besseren Tagen ist, das überlebt hat und noch auf alten Maschinen gefertigt wird, wenn man das so sehen will).

Alles zusammengenommen ist das kein schlechtes Produkt, aber ich würd’s mir für die Augenblicke aufheben, wenn man es bewusst genießen kann oder jemanden mit einem Badezimmer-Selfie beeindrucken will. Es kann einen schon dazu bringen, wegen des hohen Preises *umpf* Geräusche zu machen und es wäre wahrscheinlich ziemlich gewagt (und teuer), sowas die ganze Zeit zu tragen, es sei denn, man war ein braver Junge/ braves Mädchen und der Weihnachtsmann bringt gleich eine ganze Ladung davon… ;-)

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