Windeltest: MoliCare Premium Elastic

Kurz nachdem ich meine Artikel zu den MoliCare Premium Slip 2016er Versionen fertig hatte, hat mich Hartmann ausgetrickst und einfach mal so ein neues Produkt rausgebracht, die MoliCare Premium Elastic. Da hat wohl jemand wirklich vergessen, vorher bescheidzusagen. ;-) Es hat ein Weilchen gedauert, alle Details auszuknobeln, aber nachdem ich lange genug nachgestochert habe, haben sich die Verantwortlichen dann doch durchgerungen, dankenswerterweise ausreichend Material zur verfügung zu stellen, damit ich euch hoffentlich einen ziemlich umfangreichen und vollständigen Artikel hier präsentieren kann.

MoliCare Premium Elastic

Zum Zeitpunkt des Artikels waren/ sind noch nicht alle Größen und Saugstärken verfügbar, zumindest nicht in Deutschland, und auch nicht auf der Hartmann-Webseite gelistet, aber die Tabelle, die auf den Beuteln aufgedruckt ist, spricht dafür, dass irgendwann zusätzliche Varianten verfügbar sein werden. Die gezeigten sind die am oberen Ende der Saugstärken angesiedelten. Das Lustige dabei ist, dass die Saugstärken bei diesem Produkt nicht anhand der neu eingeführten einheitlichen Namenskürzel referenziert werden, sondern nur mit der Zahl der Tropfen. Das ist natürlich unpraktisch, und im Interesse einer konsistenten Zuordnung und um mir das Schreiben etwas zu vereinfachen, werde ich mich daher trotzdem auf die Namen wie bei den anderen Produkten beziehen. Dementsprechend ist die lila Packung die super Variante und die dunkelblaue die maxi. Wenn man das weiterdenkt, wären die niedrigeren Saugstufen demzufolge extra (sechs Tropfen) und extra plus (sieben Tropfen).

MoliCare Premium Elastic

Die Packungsgrößen entsprechen denen der anderen MoliCare Produkte, sowohl von den Abmessungen wie auch der Stückzahl pro Packung. Die Finesse hierbei scheint zu sein, dass es, im Gegensatz zu den konventionellen Slip-Varianten mit ihren großen und dicken Saugpolstern, keinen Grund gibt, die Stückzahl in der Packung zu sehr zu reduzieren. Ums mal zu auszuwalzen: Während die MoliCare Slip maxi nur 15 Stück in der Tüte hat, weil das Polster dreifach übereinander gefaltet ist und sich an manchen Stellen fünf Schichten davon stapeln (vorne, hinten und zusätzlich die seitlichen Ausläufer übereinander, was erheblich dazu beiträgt, dass man einen ziemlichen Ziegel in der Hand hat, bis man es auffaltet), hat die Elastic jeweils 24 oder 26 Stück selbst bei der maxi in den Größen L bzw. M. Bei den dünneren Saugstärken gehe ich davon aus, dass es sogar 28 oder 30 sind.

MoliCare Premium Elastic

Aufgrund der spezifischen Eigenschaften fühlt sich die Windel sogar im Vergleich zu herkömmlichen dünnen Produkten sehr leichtgewichtig an. Man darf sich allerdings von diesem etwas irreführenden Eindruck nicht täuschen lassen. Die Dicke des Polsters hat zwar durchaus eine gewisse Relevanz für das Produkt, aber nicht unbedingt im traditionellen Sinne. Klar kann man den Einfluss auf die Saugstärke nicht abstreiten, aber es spielt auch eine große Rolle in Sachen Stabilität und Tragekomfort. Womit wir auch zum Punkt kommen.

MoliCare Premium Elastic

MoliCare Premium Elastic

Als die Windel rauskam und ich keine Informationen weiter hatte, war ich natürlich ziemlich versessen drauf, weil ich den Eindruck hatte, dass das sowas Ähnliches wie die Attends Adjustable wäre. Wie sich herausstellte, lag ich da daneben. Was das Produkt genau ist, lässt sich etwas schwer erklären, weil es sowas wie eine Gürtelvorlage/ Flex-Windel ist, aber eben auch wieder nicht. Auf den ersten Blick erinnert der eigentliche Windelteil an die typische, fast rechteckige Form der meisten Flex-Produkte.

Der wirkliche Unterschied liegt darin, dass es keinen extra Gürtel gibt. Vielmehr sind zwei Streifen direkt am Mittelteil angebracht, die als verlängerte, elastische Fixierbänder fungieren. Auf jeder Seite gibt es eins davon und sie sind extra breit, obwohl die eigentlichen Klettbändchen schmaler sind. Die Bänder sind sehr weich und dehnbar, womit sich dann auch der Produktname der Elastic herleitet. Es sorgt auch dafür, dass die Windel sehr angenehm zu tragen ist. Nach einer Weile vergisst man sie fast, weil es so komfortabel ist.

MoliCare Premium Elastic

Aufgrund der Konstruktion sind die Bänder auch für alle Abwägungen bei der Größenwahl relevant. Wie man an den Fotos sieht, hatte ich eine reichliche Menge zum Testen und konnte mich entsprechend austoben, aber wer nicht diese Möglichkeiten hat, muss sich natürlich entscheiden, was er sich ins Haus holt, und sollte deshalb die nächsten Zeilen genau lesen. Mit irgendwo zwischen 90 und 100 cm Hüftumfang (variiert immer mal ein wenig), funktioniert Größe M bei mir eigentlich ganz gut, aber es gibt einen kleinen Haken: Man muss verdammt gut aufpassen, dass alles genau mittig und symmetrisch ausgerichtet ist und dabei streckt es die Bänder auch schon fast bis an ihr Maximum.

Hingegen sind die Bänder in Größe L für mich viel zu lang. Auch wenn sie in diesem Fall dann weiter oben landen und über die Wampe gehen, was noch ein paar mehr Zentimeter zum Umfang hinzufügt, muss ich sie dennoch über Kreuz befestigen, was aussieht wie ein entsprechender Sportsitzgurt in einem Rennauto oder so ähnlich. Sieht zwar irgendwie abgefahren aus, kann aber definitiv nicht die Absicht der Produktentwickler gewesen sein. Leider, auch wenn ich hier gern die Ausnahme wäre, scheint das doch ein weiter verbreitetes Problem zu sein, zumindest was man so auf diversen Internetseiten liest. Oder anders gesagt: Bei einer Größe L sind die Bänder vom Umfang her wohl eher wie eine XL. Das muss wohl in einer zukünftigen Überarbeitung des Produkts nochmal in Angriff genommen werden. Ich möchte mir da gar nicht vorstellen, was für verrückte Dinge man mit einer echten XL Version dieser Windel machen könnte. ;-)

MoliCare Premium Elastic

Die Eigenheiten mit den überlangen Bändern bringen uns auch zurück zu dem Punkt, wie verschiedene Saugstärken auch die Stabilität beeinflussen: Die dickere Version hat einfach eine bessere Formerhaltung und hängt nicht so stark durch, was einige der Probleme kompensiert, besonders nach einer gewissen Tragezeit. Selbstverständlich ist dann diese Zeit auch länger. Die Klassifizierung mag zwar nur einen Tropfen Differenz anzeigen, aber der Unterschied zwischen super und maxi ist doch ganz deutlich. Das ist umso wichtiger, weil das Polster aus nachvollziehbaren Gründen natürlich kleiner ist als bei den normalen Slip-Varianten der MoliCare Premium. Je länger man das Produkt trägt, umso spürbarer wird der Unterschied.

Und jetzt zum großen Fragezeichen, das über unseren Köpfen schwebt: Natürlich habe ich schon öfter gesagt, dass ich nicht der größte Fan von Flex-Windeln bin, aber es sieht so aus, als ob ich mich in dem Fall dran gewöhnen könnte. Natürlich werde ich nicht schwindeln – ich denke trotz allem, dass es eine verpasste Gelegenheit ist und es wäre super gewesen, wenn der Designer bei Hartmann an die extra 5 cm links und rechts im hinteren Bereich gedacht hätte, aber so, wie es aussieht, kann man wohl nicht erwarten, dass irgendjemand diese Produktkategorie revolutioniert und komplett neu überdenkt.

Wegen der elastischen Bänder und einer insgesamt recht strammen Passform fühlt es sich aber zumindest eine Zeit lang sicher genug an, bis dieses beunruhigende Gefühl, dass es an den Beinöffnungen reinzieht, wiederkommt, wenn alles über einen gewissen Punkt hinaus nass wird. Bei mir ist das immer bei ungefähr zwei Drittel der effektiv nutzbaren Tragezeit, wenn die Flüssigkeit dann zwischen den Beinen nach hinten läuft und man merkt, wie es an den Pobacken feucht wird. Bei einer herkömmlichen Windel würde ich das dann vielleicht noch länger tragen, aber nicht unbedingt bei diesem Produkt, weil es für mich dann immer unausweichlich scheint, dass was ausläuft, sobald ich mich dann hinsetze. Deswegen wäre es auch nicht meine erste Wahl für die Nacht und ich würde es nur tagsüber benutzen.

MoliCare Premium Elastic

Zufälligerweise kann ich auch den als Werbespruch auf der Packung aufgedruckte „Quick & Easy Use“, also die schnelle und einfache Anwendung, bestätigen. Diese Woche hatte ich eine Koloskopie (Darmspiegelung) und im Aufwachraum hatte ich schon so eine Windel mitgebracht und bereitgelegt. Obwohl ich noch leicht bedröppelt vom Narkosemittel war, konnte ich das Ding ohne große Mühe anlegen und mein Bruder konnte mir ohne große Verrenkungen dabei helfen, obwohl er sonst von sowas keine Ahnung hat. In solchen Situationen kommen die Vorteile des Produktes gut zum Tragen. Das kompakte rechteckige Polster kann man ohne großes Rumturnen gut im Liegen unter den Hintern schieben und die Bänder sind so gefaltet, dass man sie nicht vorher schon ausrollen muss. Man kann sie einfach so lassen, bis man soweit ist, und muss dann nur an den Klettverschlüssen ziehen, damit sie sich entsprechend entfalten. Das ist ziemlich cool, denn damit lässt sich das übliche Gehedder vermeiden, dass niemand wirklich mag.

In der Gesamtheit ist das in seiner Kategorie ein fast perfektes Produkt im Sinne von „beinahe, aber eben doch nicht ganz“. Es ist schade, dass es keine vollwertige Windel ist, die andere Slip-Formen ersetzen könnte. Hartmann hat die Idee eben nicht weit genug vorangetrieben und sich für weniger entschieden. Besonders die Fixierbänder und die Einfachheit ihrer Verwendung würden sich auch gut an anderen Produkten machen und wären eine prima Lösung für diese lästigen Situationen, wenn man die Windel in einer viel zu engen Toilette wechseln muss. Wenn man sich nur sicher sein könnte, dass der Hintern besser abgedeckt wird… Trotzdem ist es kein schlechtes Produkt und sofern man nur an Urininkontinenz leidet, ist es mehr als ausreichend innerhalb der in diesem Artikel dargelegten Rahmenbedingungen.

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