Windeltest: Abena Abri-Wing

Unserem vorherigen Test einer Gürtelvorlage/ Flex-Windel folgt, weil wir schon mal dabei sind, auch gleich der nächste auf dem Fuß. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dieses Mal die Abena Abri-Wing.

Abri-Wing

Vorab schon mal ein kleiner Hinweis, bevor wir richtig loslegen: An der dargestellten Verpackung sollte man sich nicht hochziehen. Wieder mal scheint das ein typischer Fall zu sein, wo die Hersteller verschiedene Gestaltungen in unterschiedlichen Ländern haben, während der Inhalt immer der gleiche ist. Da ich meine Packung mal wieder von SaveExpress bezogen habe, ist es gut möglich, dass das irgendeine reimportierte Variante ist. Soweit ich das beurteilen kann, ist bei der deutschen Variante einfach nur noch Premium zusätzlich draufgedruckt und sie kommt in den üblichen weiß-dunkelblauen Packungen, die zudem noch auf hochkant gedreht sind, weshalb das Trageband an der schmalen langen Seite ist. Das ist aber auch der einzige wirkliche Unterschied. Ansonsten purzelt immer das gleiche atmungsaktive Produkt aus der Packung.

Abri-Wing

Nun, da das gesagt ist, wenden wir uns dem eigentlichen Produkt zu. Ich werde mich wohl nie an diese Art von Windeln gewöhnen und dieses Produkt bestätigt mal wieder meine Vorbehalte. Ich frage mich wirklich langsam, ob die Hersteller überhaupt irgendeine Form von realistischen Tests durchführen (mit echten Menschen, nicht Labor-Dummys) bevor sie das Zeug auf den Markt werfen. Auch bei diesem Produkt gibt es einige Probleme, aber eh wir uns wieder über die schlechten Dinge ereifern, stellen wir erstmal die guten Punkte heraus.

Als solches kann man nicht abstreiten, dass die Windel einigermaßen vernünftig sitzt und die Maße dem entsprechen, was man bei dieser Größenzuordnung erwarten würde. Ich hatte keine Schwierigkeiten, die gezeigte Größe M auch dorthin zu platzieren, wo ich dachte, dass sie an meiner Hüfte sitzen sollte und sie bleibt auch während der gesamten Tragezeit dort. Die Bänder sind weich und fühlen sich angenehm auf der Haut an, sind aber auch stabil genug, um einiges an Zugkraft zu vertragen. Ähnlich zu Seni Optima bleiben sie auch in den überlappenden Bereichen an Ort und Stelle, wenn auch nicht ganz so perfekt. Die Teile gleiten leicht aufeinander und mit leichtem Zupfen an den hervorstehenden Teilen ist es schon möglich, dass die Enden rausrutschen und frei baumeln.

Abri-Wing

Jemand hatte auch die Vernunft, das Klettband, das quasi als Gürtelschnalle dient, nicht bis an die Kanten gehen zu lassen. Rein technisch gesehen kann man das gleiche auch für die Befestigungszonen der Frontklappe sagen, aber hier wird es etwas heikel. Leider hat sich Abena für die Tena Methode entschieden, bei der diese Teile unter der Klappe versteckt werden. Daraus ergeben sich Probleme, weil man es natürlich fast nie beim ersten Versuch schafft, alles richtig zu platzieren, und dann zu weit oben oder unten landet, so dass es auf der Haut kratzt. In meinem Fall wird das noch verschlimmert, weil sich das Band durch meinen Bauch auch noch aufrollt, weshalb es wirklich schwer ist, es in einer Position zu befestigen, die keine Hautreizungen verursacht. Diese Konstruktion arbeitet auch ein zweites Mal gegen uns, weil das Polster aus nachvollziehbaren Gründen natürlich sehr schmal ist und deshalb die störenden Teile erst recht in ungünstigen, empfindlichen Bereichen landen. Da ist es unnötig zu erwähnen, dass es natürlich auch zu schmal für vernünftige Abdeckung am Hintern ist.

Das Polster selbst ist eigentlich ganz gut, aber man sollte nicht erwarten, dass man es jemals komplett ausnutzen kann. Vielleicht zeigt sich da auch der grundlegende Fehler mit der Bauart von Flex-Windeln: Es sind eben nur übergroße Vorlagen mit angetackerten Bändern, die ohne das zusätzliche Material einer normalen Slip-Windel nicht genug Möglichkeiten bieten, die Passform anzupassen und eine gute Abdichtung zu erzielen. Sofern das Polster nicht natürlich den Körperkonturen folgt, besteht immer die Gefahr, dass etwas aussickert. Deshalb würde ich empfehlen, irgendwas stabiles und elastisches drüber zu tragen, um das Polster leicht gegen den Körper zu drücken. Es könnte auch helfen, eine dünnere Variante zu tragen, in diesem Fall eben eine M2. Mein Eindruck war zumindest, dass einige der Fehlfunktionen auf das Zusammenrollen und Quetschen des Polsters zwischen meinen Beinen zurückzuführen waren.

Ähnliches könnte man für den vorderen Bereich sagen. Es ist schwer, sich vorzustellen, warum er so weit nach oben geht, wenn da keine seitlichen Verlängerungen dran sind, die links und rechts das Auslaufen verhindern würden. Weil irgendwie so 70 Prozent aller Auslaufprobleme was mit diesen Seitenbereichen zu tun haben, würde ich dieses Produkt nicht für die Nacht geeignet halten oder auch für alles andere, was nur ansatzweise mit Schlafen oder Liegen in seitlicher Position zu tun hat. Wenn ich nicht gerade eine Erektion hätte, würde ich auch gar nicht in diese hohen Bereiche kommen, was uns wieder zurück zu meiner Bemerkung über das Ausnutzen der Kapazität des Polsters bringt. Lustigerweise ist das der einzige Bereich, in dem die Tena Flex die Konkurrenz übertrumpft, einfach, weil sie insgesamt kleiner ausfällt und daher anders sitzt.

Abri-Wing

Natürlich bin ich schon von vornherein ganz schön voreingenommen und alles, was ich so schreibe sollte daher mit der nötigen Portion Vorsicht genossen werden. So sehr ich es auch versuche, ich werde mit Flex-Windeln einfach nicht warm und finde kein gutes Einsatzszenario für sie. Vielleicht wenn ich die Figur eines Schwimmers oder Tänzers hätte… Da die Dinge nun mal so  sind, wie sie sind, werde ich mich aber nicht hinstellen und sagen, dass das ein furchtbares Produkt ist. Zum wiederholten Mal kann ich da nur meinen warnenden Satz rauskramen „Muss man selber ausprobieren und sehen, ob’s passt.“. Die Umstände, unter denen es (vielleicht) funktioniert sind zu vielfältig, um sie hier breitzudiskutieren, und die diversen „wenn“ und „wann“ Kombinationen lassen selbst die unendlichen Möglichkeiten einer Quanten Superposition harmlos aussehen. ;-) Sagen wir einfach mal so: Von tausend Nutzern werden nur sehr wenige wirklich hundertprozentig mit so einem Produkt zufrieden sein.

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