Windelzubehör: Suprima 1249 und 1250

Wie vor ein paar Wochen versprochen, wird es Zeit, dass wir uns mal ein paar nützliche Dinge ansehen, die einem helfen können, Inkontinenzprobleme besser in den Griff zu bekommen. Die Verwendung von Plastikschutzhosen (Gummihosen) ist ein nicht ganz unumstrittenes Thema, deshalb bitte ich schon mal vorab um Geduld, wenn ich ein bissl zu sehr in die theoretischen und hypothetischen Punkte abdrifte. Ich könnte da stundenlang drüber reden. Zuerst erinnern wir uns nochmal daran, warum wir diese Art der extra Verpackung eigentlich brauchen (könnten).

Viele der Punkte lassen sich leicht aus diesem Post ableiten, in dem wir die verschiedenen Für und Wider verschiedener Windelarten abgehandelt haben. Diese lassen sich kurz und schnell nochmal so zusammenfassen:

  • Für viele Windeln braucht man trotz allem noch zusätzliche Fixierung und Unterstützung, sei es wegen doch nicht 100prozentig perfekter Passform oder dem Durchhängen, wenn sie sich füllen.
  • Man will vielleicht eine extra Schutzschicht haben, um Gerüche und Stoffe einzuschließen, damit man nicht gleich ungewollt in der Öffentlichkeit im Mittelpunkt steht.
  • Man will definitiv seine normale Kleidung vor Verschmutzungen schützen oder verhindern, dass sie Teil des Saugpolsters wird (wenn ihr versteht, was ich meine).
  • Man möchte die Zeit verlängern, die man seine normale Windel gefahrlos tragen kann und noch eine Sicherheitsreserve haben.

Suprima 1249

Diese „Schwedenknöpfer“ sind meine Lieblingsform bei Schutzhosen aus einer Reihe von Gründen. Einer der wichtigsten ist der Umstand, dass man sie in verschiedensten Stellungen anlegen kann, genauso wie eben die Windel selbst. ich denke, ich beherrsche die meisten davon mittlerweile und könnte es vermutlich notfalls auch in der Schwerelosigkeit. Im Gegensatz zu Hochziehhöschen muss man nicht stehen oder Beinakrobatik im Bett vollführen. Das ist auch ein großer Vorteil, wenn man unterwegs mal einen Windelwechsel in einer engen Ecke oder diesen winzigen Kabüffchen in öffentlichen Toiletten machen muss.

Suprima 1249

Die andere Sache ist die, dass ich mich mit einer Plastikhose am Hintern irgendwie sicher und wohl fühle. Wenn man meine normalen Windeltests liest, weiß man ja, dass ich eine nahezu luftdichte Passung mag und noch eine extra Schicht PVC drüber zu haben, trägt dazu auf jeden Fall bei. Die Suprima 1249 und 1250 schlagen sich in dem Bereich besonders gut, weil sie zufällig so gut sitzen, als ob sie extra für mich maßangefertigt wären. Das heißt, wenn man eine einigermaßen normale Windel trägt und Größe M nutzt. Wenn man es natürlich übertreibt, kommt man schnell an die Grenzen des Machbaren und eine besonders dicke Windel erzeugt soviel Spannung im Material, dass sich die Knöpfe wieder öffnen oder das Material gar einreißt.

Suprima 1249

Letzteres kann schon mal vorkommen, aber der Haken dabei ist, dass es für jede Farbe anders ist, von denen es ungefähr zehn gibt. Verschiedene Farben verwenden unterschiedliche Folien, die variable Beimischungen wie Pigmente oder Titanoxid haben, um die Durchsichtigkeit zu verändern, was die Widerstandsfähigkeit auf molekularer Ebene beeinflusst. Einige Folien sind auch etwas dicker und fühlen sich schon von Anfang an steifer an. Wie man sich vorstellen kann, gehen sie umso leichter kaputt, je weniger elastisch sie sind, obwohl man bei der ganzen Rechnung auch mit einbeziehen muss, wie der eigene Körper beschaffen ist und wie beispielsweise auch die Körpertemperatur sowas beeinflusst.

Suprima 1249

Wenn man das berücksichtigt, spielt die Auswahl der Größe eine wichtige Rolle. Das obere Bild bringt das nicht so gut rüber, aber die Größenunterschiede sind auf den ersten Blick gar nicht mal so gut erkennbar. In erster Linie erscheint die Größe L auf der rechten Seite (nach Suprima Lesart ist die Farbe Lavendel [Farbcode 007]) vor allem wegen der größeren Länge von vorne nach hinten und der optischen Verzerrung beim Fotografieren so groß, weil sie näher an der Kamera dran war. Der Umfang unterscheidet sich nur um ein paar Zentimeter, was besser erkennbar wird, wenn man sie wie gezeigt übereinander legt.

Suprima 1249

Der Hüftbund hat zwei Paare von Knöpfen, mit denen man den Umfang anpassen kann. Ich glaube, das ist noch nicht mal so sehr zur eigentlichen Größenanpassung gedacht sondern hat was mit dem Winkel zwischen Hüfte und Taille zu tun, der ja bei Männern und Frauen unterschiedlich ist. aber natürlich kann man das einfach handhaben, wie es einem in den Kram passt. Man sollte nur beachten, dass sich möglicherweise eine größere Lücke zwischen mittlerem und oberem Knopf auftut, weil sich das Material nach außen wölbt, wenn man die inneren Knöpfe verwendet.

Je nach Verwendungszweck funktionieren für mich beide Größen ganz gut. Eine L ist dabei vorzuziehen, wenn man sich mal wieder in einer besonders dicken Windel wie einer BetterDry oder ähnlichem im Bett einkuschelt, die M reicht dann für die meisten anderen Gelegenheiten. Es geht aber nicht nur um den Bauchumfang. Ich war ja mal ein einigermaßen gut trainierter Radfahrer und wenn ich noch meine dicken, muskulösen Oberschenkel hätte, müsste ich wahrscheinlich die L die ganze Zeit verwenden.

Suprima 1250

Die Spannung am Körper wird durch Gummibänder in Tunnelsäumen an den Beinen und um die Hüfte sichergestellt. Sie sind vernünftig breit und sollten keine Probleme bereiten, auch wenn sie sich in den Tunneln aufrollen, wenn die Figur nicht so perfekt dem entspricht, wofür das Produkt designt wurde. Das ist am Anfang nicht mal so sehr ein Problem, aber mit der Zeit, wenn sich die Zeichen der Nutzung zeigen und sich alles immer mehr in Falten legt, wird es immer schwerer, die Flachgummibänder wieder zu entrollen und irgendwann lässt man es eben einfach als zusammengerolltes „Gummiseil“. Hier würde etwas Ingenieurskunst nicht schaden. Man könnte sicher ein etwas stabileres Stück Plastik einarbeiten oder die Bänder mit einer Ziernaht versehen, so dass sie in Querrichtung steifer werden, aber in Längsrichtung dehnbar bleiben.

Suprima 1250

In den „normalen“ Größen von S bis L sind die Suprima Produkte hochfrequenzverschweißt, was bedeutet, dass sie, abgesehen von den Knöpfen, komplett aus Plastikmaterial sind. Das hat den Vorteil, dass man sie einfach großzügig mit Wasser reinigen kann, ohne befürchten zu müssen, dass sich Nähte mit Wasser vollsaugen und in einzelne Fäden auflösen.

Andererseits gibt es auch einen Nachteil und den dann auch noch in zwei Ausprägungen: Die doppelte Folie bildet besonders starke (und relativ feste) „gerippte“ Bereiche, die Abdrücke auf der Haut hinterlassen können, wobei zugleich auch durch zu starken Druck beim Schweißen die Versenkungen zu dünn werden können. Das bietet dann wieder eine Angriffsstelle für’s Reißen und wie man erraten kann, ist mir genau das auch schon mal passiert.

Die größeren Größen für XL und darüber werden genäht, aber ich kann da nicht konkret sagen, wie Suprima das macht. Ich kann das nur mit einem Produkt eines anderen Herstellers vergleichen. Während man geschweißte Produkte einfach abspülen kann, muss man genähte Sachen eher vorsichtig mit einem feuchten Lappen abwischen. Das ist kein großes Problem, nur aufwendiger und somit etwas unbequemer.

In beiden Fällen sollte man aufpassen, welche Reinigungsmittel man verwendet. Die sollten frei von Ölen sein und auch keine kationischen Tenside enthalten, wie sie im Weichspüler vorhanden sind. Diese interagieren mit den Weichmachern im Plastik und lassen es vorzeitig altern und spröde werden. Natürlich sollte man auch niemals aggressive Lösungsmittel, Farbverdünner und ähnliches verwenden. Letzten Endes reicht ein billiges Spülmittel, um Schweiß, Hautpartikel und andere Reste loszuwerden.

Suprima 1250

Der einzige große Unterschied zwischen der 1249 und 1250 sind augenscheinlich die Knöpfe. Das sollte eigentlich nicht viel ausmachen, aber das tut es eben doch, insbesondere wenn die Knopfleisten in einer empfindlichen Gegend im Leistenbereich oder auf den Beckenschaufeln landen. Die kappenlosen Ringknöpfe der 1250 sind weicher und etwas nachgiebiger, auch wenn sie andererseits etwas fummeliger beim zuknöpfen sind, weil sie weniger Widerstand bieten.

Wie man erkennen kann, bin ich schon ein Fan dieser Plastikhöschen, aber natürlich gibt’s Nachteile. Das Material ist natürlich undurchlässig für Flüssigkeiten und Gase, weshalb es prima ist, um aus Versehen aus der Windel entwischtes Zeug aufzuhalten. Zugleich jedoch hält es auch den Schweiß, was man dann eher nicht so toll findet, selbst wenn die Windel durch ihre Absorption das zumindest etwas abmildert. Man kriegt dadurch Hautreizungen, Rötungen, Akne und vielleicht noch Schlimmeres, wenn man nicht strengstens auf die Reinigung des Produkts und auch die eigene Körperpflege achtet.

In diesem Sinne finde ich es auch etwas komisch, dass Suprima bei den Bildern Die Schutzhosen immer noch Formvorlagen zeigt. So sehr ich auch das glatte Material um meinen Hintern und meine Windelbeule mag, würde ich nie wollen, dass zu viel blankes PVC meine Haut berührt. Wie ich schon mal in einem meiner älteren Artikel erklärt habe, fühlt es sich so an, als würde es auf der Haut kleben. Wie alles, was mit Plastik zu tun hat, hat es auch den Nachteil, möglicherweise sehr bloßstellend zu wirken. Es macht nun mal Geräusche und wie man sich vorstellen kann, wäre ein Plastikrand, der aus der Jeans schaut, kaum zu leugnen.

Trotz aller Ausnahmen finde ich diese Schutzhosen von unschätzbarem Wert und eigentlich unerlässlich für meine spezielle Form der Inkontinenz und die Suprima’s passen einfach perfekt, sowohl im übertragenen wie auch im wortwörtlichen Sinne. Es macht mir, ungelogen, nicht mal mehr was aus, sie an 30 Grad und mehr warmen Sommertagen zu tragen. Zugegeben, es ist eben nicht für jeden, deshalb mal abwarten und dranbleiben, wenn wir uns demnächst (oder so) mit ein paar textilen Alternativen beschäftigen. ;-)

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