Windeltest: Rearz Safari, Seduction und Princess Pink

Da ist er nun, der Test auf den viele gewartet haben – zumindest hier in Deutschland. Wie ich schon vor anderthalb Wochen geschrieben habe, hat jedermanns Lieblingsdealer, SaveExpress, die neueren Rearz Produkte seit kurzem im Angebot und alle sind verrückt danach. Weil die Produkte im Prinzip baugleich sind, werde ich eins komplett abarbeiten und dann nur die Unterschiede bei den anderen herausstellen. Fangen wir mit der an, die am meisten heraussticht, die Seduction.

Rearz Seduction

Eigenartigerweise haben die Leute irgendeine unerklärliche Vorliebe für schwarze Windeln und bezahlen deshalb wohl gern etwas mehr für die schwarze Unterwäsche. Zumindest in dieser Beziehung passt der Name Seduction (= Verführung) ganz gut, weil man dazu verführt wird, sein schwerverdientes Geld auszugeben. In diesem Fall sogar ziemlich viel. Allein der Gedanke, da 2,50 Euro pro Stück zu verballern, kann einen nachts nicht schlafen lassen oder alternativ dazu bringen, nicht viel zu trinken, damit man die Windel so lange, wie möglich, tragen kann. Da wünscht man sich schon, dass mal jemand ein preiswertes schwarzes Produkt auf den Markt bringen würde. Es gehört nicht viel dazu, da vorherzusagen, dass es sich wie geschnitten Brot verkaufen würde.

Rearz Seduction

Offensichtlich liegt der Grund dafür, warum das noch nicht passiert ist, in der schwarzen Folie. Entweder ist sie wirklich nicht in ausreichender Menge und Qualität am Markt verfügbar oder schlicht zu teuer. Gleiches kann man natürlich für die Klebebänder und das innere Trägergewebe sagen. Transparente Bänder würden wenigstens nicht so hervorstechen. Wäre schon interessant, ob das in irgendeiner Form bei zukünftigen Chargen machbar ist. Mal abgesehen von den visuellen Details, was hat das Produkt noch zu bieten?

Am auffälligsten ist erstmal das große und dicke Saugkissen. Tatsächlich würde ich es sogar als übertrieben groß in manchen Bereichen bezeichnen, vor allem im hinteren Teil. Ich bin ja schon für gutes Einpacken des Hinterns, aber auch die Außenseiten der Pobacken fast komplett abzudecken ist dann vielleicht doch nur in besonders kalten, frostigen Wintern notwendig. es ist einfach verschwendete Fläche, selbst wenn man mal einen schlechten Tag mit Durchfall hat. Andererseits ist es natürlich aber auch super kuschelig, weil das Polster sehr weich ist. Flauschig wie Lammfell trifft es schon ganz gut.

Einige Leute haben Vergleiche zur Comficare hergestellt, hauptsächlich wegen der großen Breite des Polsters zwischen den Beinen und einer gewissen Steifigkeit der Folie (die aber nicht für die schwarze Variante zutrifft, nur für die bedruckten weiter unten), die ich aber nicht passend und zutreffend finde. Weil das Polster viel weicher ist, hatte ich nie das Gefühl, breitbeinig wie ein Kleinkind durch die Gegend zu watscheln oder ein Brett zwischen den Oberschenkeln zu haben. es ist deshalb wesentlich angenehmer. Das bezieht sich auch darauf, dass das Polster nicht so fest wird wie bei dem anderen Produkt.

Das hat aber auch eine Kehrseite. Nach einer gewissen Zeit bildet sich in der Windel so eine Art Staunässe, was sehr unagenehm sein kann. Auch wenn Sie viel aufnimmt und ich sie lange tragen konnte, war das nie so lange wie z.B. bei einer BetterDry. Das ist wohl der Preis von etwas weniger Superabsorber und der feinen Struktur des Polsters, die es den Flüssigkeiten leicht macht, überall hinzukommen. Wenn man eine lange Nacht vor sich hat, sollte man sicherheitshalber doch einen Ersatz griffbereit haben, egal wie groß die theoretische Kapazität ist.

Rearz Seduction

Ähnliches kann man für die Passform sagen. Die ist wirklich ganz anders als eine Comficare und genau genommen sogar ziemlich normal im Gegensatz dazu, zu knapp zu sein. Es fühlt sich geräumig an, aber auch nicht übertrieben. Man könnte auch einfach sagen, es ist genau richtig und man kann erleichtert sein und getrost die Größe kaufen, die man sonst auch nehmen würde. Man ist auf jeden Fall rundum gut eingepackt. Die Ziehharmonikabereiche sind sehr stark ausgeprägt, obwohl man hier auch sagen könnte, dass jemand nicht so richtig nachgedacht hat. Zumindest im vorderen Bereich geht ja der zusätzliche transparente Aufkleber bis zu diesem Bereich und neutralisiert damit die Wirkung etwas, weil einfach nicht genug bewegliche Folie freiliegt, damit sich auch was zusammenziehen kann. Für die schwarze Version ist das wiederum nicht ganz so ein Problem, aber bei den bedruckten klappt dieser Bereich öfter mal im ganzen um, weil er so steif ist, gerade, wenn man, wie ich, einen Bauch hat.

Rearz Safari

Da wir das nun mal schon angesprochen haben, können wir uns auch der Safari zuwenden. Letztes Jahr hatte ich bei den Leuten von Rearz schon mal angefragt, als die in Kanada neu rauskam, aber damals hieß es noch, dass die Windel nicht so bald hier in Europa verfügbar sein würde. Glücklicherweise hat sich das jetzt dank SaveExpress alles zum Besseren gewendet. Manchmal muss man eben nur Geduld haben.

Rearz Safari

So ziemlich alles, was ich oben schon gesagt habe, trifft auch hier zu. Das wiederkehrende Thema der schwereren Folie rechtfertigt zudem noch ein paar zusätzliche Worte. Abgesehen von den schon erwähnten möglichen Problemchen, ist die Windel auch sehr raschelig und laut im Sinne von „Das kriegt die Oma auch ohne Hörgerät mit.“. Das sollte man auf jeden Fall beachten, wenn man sich dazu entschließt, das Produkt unter der Kleidung zu tragen. Es ist mir nicht gelungen, alle Geräusche durch entsprechende Verpackung komplett zu eliminieren. Deshalb ist es vielleicht nicht die beste aller Ideen, die Windel auf Arbeit zu tragen, sofern man damit nicht offen umgeht und kein Problem hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kollegen und der Chef Fragen stellen, wenn verdächtige Geräusche aus der Hose kommen, ist nun mal gegeben.

Rearz Safari

Eine andere kleine Macke, die man auch den Eigenschaften der Folie zuschreiben kann, ist die Möglichkeit, dass sich an manchen Stellen etwas ablöst. Wie man sich vorstellen kann, kann es zu starken gegensätzlichen Scherkräften kommen, gerade dort, wo unter Druck und Spannung was zusammengeklebt wird, weshalb man gelegentlich sowas wie Eselsohren an den Schnittkanten oder Luftblasen sieht, weil sich dort das Trägergewebe von der Folie löst. Es ist mir auch einmal passiert, dass ich die transparente extra Folie vorne fast komplett ablösen konnte, weil einfach zu viel Luft drunter war. Das sind jetzt keine tragischen Probleme und zum Teil eben mit der Struktur der Schichten erklärbar, aber man sollte sich die Windel vor dem Anlegen schon mal etwas genauer ansehen, damit man keine unerwarteten Überraschungen erlebt.

Die Bedruckung ist natürlich super-niedlich und erinnert im Stil stark an die Crinklz-Viecher, was man kaum übersehen kann. Ich persönlich mag übrigens am liebsten das kleine Flusspferd. Die Verteilung der Motive ist ziemlich genau richtig, obwohl ich mir als Grafikdesigner natürlich auch alle möglichen anderen Anordnungen vorstellen könnte. Mir fehlt auch etwas Orange, Blau und Violett, weil trotz kräftiger Gelb- und Rottöne das Ganze etwas neutral und fast schon „kalt“ wirkt. Aber man kann sich nicht beschweren, besonders weil im Gegensatz zu anderen Produkten die Bedruckung gut fixiert ist und kaum abfärbt.

Rearz Princess Pink

Auf der Zielgeraden haben wir jetzt noch die Princess Pink vor uns. Ich hab nicht wirklich was mit Rosa am Hut und stehe auch nicht auf gewisse Spielarten, bei denen man zum Mädchen (gemacht) wird, aber es ist jetzt auch nicht schlimm, sowas von Zeit zu Zeit zu tragen. Auch wenn der Name etwas anderes andeutet, ist die Windel sowieso gar nicht so pink, wie man denken mag. ich habe versucht, das in meinen Fotos gut hinzubekommen, aber je nach Licht sieht das helle Rosa tatsächlich fast weiß aus. Genauso erscheinen die Fuchsia/ Magenta/ Knallrosa Bereiche mal etwas mehr rot, mal etwas mehr bläulich und das ändert sich. Es ist also wirklich nicht so schlimm und aufdringlich, wie es erstmal klingt und wie man denkt. Wer weiß, in ein paar Jahren könnte Rosa ja auch wieder zur Modefarbe, selbst in der Männermode, werden und dann fragen sich alle nur, was das mit den Einhörnern soll… ;-)

Rearz Princess PinkRearz Princess Pink

Im Abschluss gibt es viel Gutes über die Produkte zu sagen, auch wenn das mal wieder von den haarsträubenden Preisen überschattet wird. Wenn jemand einen Container voll vor meiner Tür abladen würde (ja, sogar die in Pink), würde ich sie ohne zu zucken tragen, aber so bleibt es halt etwas, was man auf entsprechenden Partys trägt, um seinen Hintern zu präsentieren und auf den Putz zu hauen, oder um Schatzi im Schlafzimmer auf Touren zu bringen. Da kommen dann natürlich noch Dinge wie die lauten Knistergeräusche hinzu (und da müssen wir noch nicht mal die Grundsatzfrage zum Thema bunte Windeln mit einbeziehen), die es relativ unwahrscheinlich erscheinen lassen, dass man sowas als vollwertigen Ersatz für die aktuell täglich verwendeten Windeln nutzt.

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