Windeltest: Rogges Hygieneslip

Im ewigen Kreis unserer kleinen Produktvorstellungen wird es mal wieder Zeit, sich eine mehr oder weniger regionale Marke namens Rogges Hygieneslip anzusehen. Diese ist relativ neu auf dem deutschen Markt, weshalb der eine oder andere vielleicht noch nicht mal davon gehört hat. Einige der Produkte sind sogar in Kaufland-Märkten erhältlich (diese Slip-Windeln aber eher nicht), was man wenigstens als gutes Zeichen dafür sehen kann, dass Inkontinenzprodukte etwas aus der Schmuddelecke herauskommen und etwas einfacher und zu akzeptablen Preisen verfügbar werden, ohne immer ins Sanitätshaus gehen zu müssen.

Rogges Hygieneslip

Als Handelsmarke aus der Fabrik eines Auftragsfertigers und als „preiswertes“ Produkt erstreckt sich die Auswahl nur auf das nötigste, was in diesem Fall nur Größe M und L bedeutet und eine einzige Saugstärke. Letztere soll sich im oberen Drittel bewegen und die Verwendung sowohl am Tag als auch in der Nacht abdecken, aber das ist vielleicht eine etwas gewagte Behauptung.

Rogges Hygieneslip

Auch wenn es möglich ist, damit durch eine ganze Nacht zu kommen, wenn man nicht so viel getrunken hat und/oder seine Blase noch so kontrollieren kann, dass kein Flutschwall entsteht, ist es insgesamt mindestens 50% zu dünn für die ernsten Fälle. Das reicht wirklich nur für leichte bis mittlere Urininkontinenz, wenn man nicht vorhat, mitten in der Nacht für einen Windelwechsel aufzustehen. Bei mir war es fast immer so, dass ich mich vor der eigentlichen Nachtruhe nochmal frisch gewickelt habe, weil die Windel, die ich bis dahin beim Fernsehen getragen hatte, eigentlich schon wieder zu voll war, um garantiert durch die Nacht zu kommen. Ich hätte da auch nix anderes erwartet, aber wenn schon nicht absichtlich irreführend, so könnte man doch die Bewertung der Saugfähigkeit zu Marketingzwecken zumindest als übertrieben bezeichnen.

Rogges Hygieneslip

Das Ding ist, dass man das aber auch schon irgendwie ahnt oder weiß, wenn man sich das Polster nur anschaut. Es ist einfach nicht dick genug um auch nur an die besten Produkte heranzukommen, also Windeln, die extra für besonders schwere Inkontinenz gemacht werden. Außerdem schlabbert die gefaltete Windel in der Hand herum anstatt sich wie ein stabiles Brett anzufühlen. Klingt erstmal schlimm, aber zur Ehrenrettung muss man sagen, dass es dann doch wieder um einiges besser ist, als viele andere Produkte von diesen weniger bekannten Herstellern, auch wenn es nicht an große Marken herankommt. Wenn es eine Attends Windel wäre, wäre es eine 7 oder 8 auf dieser Skala oder bei Tena eine Plus, aber definitiv nicht mehr als das. Einer der angenehmen Punkte beim Saugpolster ist dessen Weichheit und Hautfreundlichkeit. Die angemessen sparsame Verwendung von Superabsorber verursacht keine Hautreizungen, auch wenn es verhindert, dass die Windel bessere Absorptionswerte erreicht.

Rogges Hygieneslip

Bis hierher habe ich vielleicht nicht viel gesagt, was man sich auch nicht selber zusammenreimen kann, also wird es Zeit, mal die Katze aus dem Sack zu lassen. Wie man sieht, wird die übliche Farbkodierung für die Unterscheidung der Größen verwendet und ich mag sogar das Eierschalenblau der M (mit meiner beschränkten Fotoausrüstung lässt sich das wirklich nur sehr schwer rüberbringen, also wer das liest und Geld übrig hat – ich könnte wirklich ’ne bessere Kamera gebrauchen ^_^). Allerdings erschöpft sich an der Stelle auch meine Liebe für die Folie. Diese ist wirklich ganz fürchterlich dünn und bietet keinen Widerstand gegen Dehnen und unabsichtliches Löcher hineinstoßen. Wer dachte, die Molicare Super Plus hat empfindliche Folie, kann das hier mal als Herausforderung probieren.

In meinem Fall wurde das noch durch auf einer Seite ungleichmäßig angebrachte Klebetapes verschlimmert, wodurch Einreißen fast unvermeidlich war, weil dabei ungünstige Kräfte bei zu starkem Zug oder ziehen in die falsche Richtung auftraten. Da ich es bevorzuge, meine Windeln sehr stramm und somit dicht anzulegen (um Gerüche einzuschließen), ist das eine sehr ungesunde Kombination. Ich mache in diesem Punkt jetzt dem Hersteller aber keine Vorwürfe, weil sich das mit etwas mehr Sorgfalt bei der Einstellung für Zentrierung und Kantenausrichtung an den Maschinen beheben lässt. Es muss auch nicht zwingend für alle Chargen so sein. Das grundlegende Problem bleibt einfach die falsche Folienauswahl.

Rogges Hygieneslip

Auch wenn es schade ist, aber die Probleme mit der Folie werden leider durch nichts wiedergutgemacht. Mit der begrenzten Saugfähigkeit könnte man leben, weil man da drumrum planen kann und die Probleme mit den Klebebändern lassen sich eindeutig auf Abweichungen bei der Herstellung zurückführen, die man durch Drehen an den richtigen Knöpfen und Hebeln beheben kann. Wenn der Preis stimmt, könnte ich mir sogar vorstellen, so eine Packung als Spontankauf aus der Laune heraus im Supermarkt mitzunehmen. Leider kann ich jedoch nicht guten Gewissens ein Produkt empfehlen, das so klapperig ist, dass es einem vom Hintern rutscht, weil die Bänder mal wieder abgerissen sind. hier müssen sich die Rogges Leute mal ernsthaft in die Produktentwicklung und Forschung reinknien und drastische Verbesserungen vornehmen.

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