Windeltest: BetterDry & Crinklz

Nach der nicht ganz freiwilligen Unterbrechung meines normalen Veröffentlichungszyklus‘ möchte ich das nun mit einem besonders saftigen Häppchen wiedergutmachen. Ja, natürlich rede ich vom lange erwarteten Nachfolger der Comficare, der BetterDry und dem entsprechenden Ableger, der Crinklz. Wie in der ersten Runde letztes Jahr, habe ich wieder zwei Artikel in einen gepackt, damit es effizienter ist. Einige Krümelchen zur Entwicklung der neuen Produkte habe ich ja schon gepostet und nun ist es an der Zeit, sich das Gesamtergebnis anzuschauen. Viele von euch werden inzwischen schon ihre eigenen Tests absolviert haben, weil das Produkt ja schon kurz vor Weihnachten verfügbar war und sich jeder drauf gestürzt hat, aber schauen wir mal, ob ich nicht auch was Interessantes beitragen kann.

BetterDry

Als erstes kann sich mal wieder der Designer in mir einen Kommentar zur Gestaltung nicht verkneifen. Es überrascht mich immer wieder, wie wenig Wert die Hersteller auf gutes Design und Markenbildung (neudenglischer Werbesprech: Branding) legen, und das ist keine Ausnahme. Das Logodesign ist eigentlich ja sogar ganz hübsch, aber dann ist irgendwas mächtig schiefgegangen. Genau, ich meine diese breitgesessene McDonald’s Apfeltasche. Wie man so sagt: „Schön ist anders!“ und ich nenn’s einfach gleich mal hässlich. Als ich mich gewagt habe, das den Thrust Vector Leuten unter die Nase zu reiben, waren die leider sehr schweigsam. Das sagt schon einiges! Ist ’ne Kleinigkeit, aber mal abgesehen von meinen eigenen künstlerischen Ambitionen, ist es wieder so ein „Warum nicht gleich richtig?“ Ding. Man hätte es auf jeden Fall besser machen können.

BetterDry

Aber natürlich zählt vor allem der Inhalt der Packung, oder? Aber hab ich denn da eigentlich die richtigen Bilder verwendet? Ja, das habe ich und das wird eine der ersten größeren Enttäuschungen, wenn man die Packung aufmacht: Das Produkt hat so ziemlich alle (optischen) Eigenheiten eingebüßt und sieht auf den ersten Blick wie eine beliebige „Produkt X“ weiße Windel aus. Das ist einer dieser Punkte, der die Massen spaltet. Die einen regt’s auf, den anderen ist es schnuppe. Am auffälligsten ist dabei das Fehlen der extra Glanzfolie mit den Markierungen für die Klebezonen, was ja für genaues Platzieren der Klebestreifen und mehrfaches Ablösen, bis man es richtig hingekriegt hat, nicht so ganz unpraktisch war. Es fehlt nicht nur die visuelle Referenz, das Weglassen der Folie hat auch als Konsequenz, dass man es im Prinzip gleich richtig machen muss, sonst reißt man sich die Windel ein. Das ist keine so gute Entscheidung gewesen – wie die ganze Windel, fühlt es sich sehr generisch an und die Folie ist dünn und schwach.. Wie man in den Fotos sieht, ist sie nicht mal besonders opak, weshalb es eigentlich nie richtig schön weiß aussieht. Da hätte man sicher eine andere Auswahl treffen können.

BetterDry

Eine der ernsthafteren Problemzonen bei der originalen Comficare/ Crinklz war die – sagen wir mal exotische – Passform, weswegen auch ich ausnahmsweise die größere Größe empfohlen hatte, wenn die normale M grenzwertig war. Eines der großen Versprechen war, dass die BetterDry dieses Problem in Angriff nehmen würde und ich kann glücklicherweise Erfolg in diesem Bereich melden. Es ist nun möglich, die Größe zu tragen, die man bei anderen Marken auch verwendet. Die geänderte Form hat eine ziemlich gute Passung und eliminiert auch das „Watschelproblem“ wegen zu großer Breite im Schritt/ zwischen den Beinen. Trotzdem muss man bei etwas kräftigerer Figur immer noch testen. Auch wenn für mich die Passform gut ist, so fällt sie doch weiterhin etwas kleiner aus und unter Umständen hat man keinen richtigen Abschluss an den Beinen.

BetterDry

Ich mag vernünftig bemessene (große) Saugpolster und die Windel enttäuscht nicht. Die Abdeckung ist rundum ziemlich gut und man kann sich sehr sicher fühlen. Die Oberfläche des Polsters ist auch sehr fein und weich, was sehr bequem und umschmeichelnd ist. Das wird auch durch die hohe Schnittform und die sehr breiten Säume an der Oberkante unterstützt, was gute Abdichtung gibt und das Polster perfekt dort hält, wo es sitzen soll. Zusätzlich sind die inneren seitlichen Auslaufschutze sehr hoch, was eine tiefe „Tasche“ ergibt. Für uns Männer ist das gut, damit unser Gebaumel da bleibt, wo es soll und für mich mit Stuhlinkontinenz ist es zudem eine Art zusätzliche Schutzwand, wenn doch mal was richtig schiefgeht.

Die Saugfähigkeit der Comficare ist Gegenstand von Sagen und Legenden, also muss sich jedes Nachfolgeprodukt daran messen lassen. Hier wird’s etwas kompliziert. Ich habe zwar keine Zweifel daran, dass die versprochenen ISO-Werte den Tatsachen entsprechen, aber es erscheint mir unmöglich, diese in der Praxis auch nur annähernd zu erreichen, nicht nur aus den allgemeinen Gründen, die ich in meinem Artikel erläutere. Das Verhalten des Saugpolsters ist ziemlich eigen und es reagiert sehr „lokal“. Die Flüssigkeit wird nicht so sehr durch das ganze Polster transportiert. Stattdessen bilden sich Hotspots dort, wo die Flüssigkeit eben in Polster eintritt. Das ist kein dramatisches Problem, weil sich auch keine Pfützen mit ungebundener Flüssigkeit ansammeln, aber deswegen kann man eben trotzdem nicht die volle Kapazität ausnutzen.

Die gute Nachricht ist dabei, dass der Hintern wegen dieser Sache auch noch nach Stunden trocken bleibt, selbst wenn man vorne alles gut gefüllt hat, was für mich ja irgendwie gut ist. Andererseits muss man aber eben eventuell eher wechseln, wenn man die Windel schon randvoll gepiselt hat. Das muss jeder mit sich selber ausmachen und sehen, wie er zurechtkommt. Was man auf jeden Fall berücksichtigen sollte, ist der Umstand, dass die Windel sehr voluminös wird, sobald sie feucht wird. Meine Hosen sind mittlerweile alle geräumig genug, um auch solche Ausnahmesituationen gut zu verkraften, wenn nötig, und manchmal fühle ich mich auch ziemlich sexy, wenn die Windel so ein bisschen aus der Hose rausblitzt, aber das ist halt nicht jedermanns Ding und man muss drauf achten.

Crinklz

Das trifft auch zu, wenn man ganz wagemutig zur Crinklz greift. Im Prinzip komplett baugleich mit der BetterDry, mit Ausnahme der Bedruckung, hat sie natürlich die gleichen Features, gut und schlecht. besonders fällt dabei auf, dass die dünne Folie sich nicht so gut macht, um die Farben der Bedruckung gut aussehen zu lassen. Das ist eigentlich sogar schade, weil die Verteilung der Muster jetzt viel besser ist und einigermaßen gut aussieht.

Crinklz

Einer meiner (und vieler anderer) Kritikpunkte war ja die etwas zu willkürliche Verteilung der Figuren und das hat man jetzt entsprechend zurechtgebogen, indem sie als zwei Reihen viel kleiner aufgedruckt sind und der Rest mit Sternchen aufgefüllt ist. Leider sehen diese aber wirklich verdammt blass aus. Vielleicht sollte man bei einer weiteren Überarbeitung wirklich eine andere Folie nehmen.

Crinklz

Alles andere sollte keiner weiteren Erwähnung bedürfen, obwohl manche Leute scheinbar Probleme mit den Klebebändern haben und das bei der weißen BetterDry öfter auftritt als bei der Crinklz. Es gibt auch Fotos, auf denen man noch Nässeindikatoren sieht, aber am endgültigen Produkt gibt es diese nicht. Offensichtlich wurden die Bilder mit Prototypen aus der Vorserienproduktion gemacht.

Crinklz

Insgesamt kann man durchaus sagen, dass bei diesen neuen Versionen bestehender Produkte gemischte Gefühle aufkommen. Für viele Menschen werden sie in vielen Situationen prima funktionieren, aber zugleich werden es sich mehr Leute überlegen, erstmal auf Abstand zu gehen. Ironischerweise sind die BetterDry (und die neue Crinklz) Opfer ihrer eigenen Vorgänger. Damals waren die Leute verrückt danach, weil es einfach keine vergleichbaren Produkte am Markt gab und entsprechend kompromissbereit. Jetzt, wo viele der liebgewonnenen Features nicht mehr da sind, ist das nicht mehr so wahrscheinlich und jeder wird abwägen, besonders wegen des Preises.

Es sind immer noch etwas teurere „Premium“-Produkte und in vielen Situationen einfach zu viel des Guten, auch wenn man wieder in anderen Situationen genau diese einzigartigen Features brauchen kann, die die Produkte aus der Masse abheben. Ich hätte nichts dagegen, das angenehme Gefühl rund um die Uhr zu haben, aber man muss es unumwunden zugeben – in meiner speziellen Situation würde die Windel öfter kaum genutzt im Müll landen, nur weil ich wegen der Stuhlinkontinenz und der Geruchsentwicklung wechseln müsste. Andere Produkte sind da im Zweifelsfall kosteneffizienter. Ein Trost ist aber, dass der Nachschub dank der Produktion in Europa jetzt einfacher ist, sowohl in Sachen Lieferzeiten wie auch Auswahl der Anbieter. Man kriegt auch mehr stück in der Packung, was sich dann doch unter Umständen irgendwie rechnen kann.

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: