Behinderung der Behinderung

Ich mach ja sonst sowas nicht, aber da hab ich doch heute wirklich mal, als ich mit meinem iPad unterwegs war, auf ein Webbanner geklickt. Und warum? Yepp, es war eines von unserem gehassliebten Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) zum Internationalen Tag der Behinderung. Kann man ja so nicht unbedingt wissen, auch wenn ich wegen meiner chronischen Erkrankung ja selber einen Grad der Behinderung, wie das so schön heißt, habe. Was mich ein bisschen auf die Palme bringt, ist der unmögliche Slogan „Behindern ist heilbar“. Warum?

Nun, es heißt ja immer, man ist nicht behindert, sondern man wird behindert/ behindert gemacht und passenderweise hat Frontal 21 (ja, ich gugg diesen Scheiß) diese Woche einen relativ guten Beitrag dazu gebracht, der das Thema kurzt und verständlich auf den Punkt bringt. Wie darin veranschaulicht wird, ist ein guter Teil des Problems, wenn auch nur indirekt, Vater Staat selbst, indem er mit der Selbstverwaltung den Kostenträgern, also Rentenversicherung, Krankenkassen, Ersatzkassen bis hin zur Arbeitsagentur freie Hand gibt.

Das Ergebnis des Ganzen ist nun, dass jeder wie Dagobert Duck auf seinem eigenen kleinen Geldhaufen sitzt und möglichst nicht zahlen will. Deshalb werden dann monatelang Entscheidungen von einem zum anderen geschoben und man ist in endlosen Widerspruchsverfahren bis hin zu Klagen vorm Sozialgericht gefangen, die nicht nur Zeit und Nerven kosten, sondern, solange Hilfsmittel, Rehabilitations- und Integrationsmaßnahmen nicht genehmigt sind, natürlich auch zu einer weiteren Verschlechterung der Krankheit oder Behinderung führen können.

Selbstverständlich betrifft mich das auch ganz persönlich, nicht nur beim Kleinkrieg mit der Inkontinenzversorgung, sondern auch bei der Suche nach einem Job. Es ist haarsträubend, dass man neben dem Umstand, dass man bei der Stellensuche kaum unterstützt wird und quasi seine Stellen selber suchen muss, seinem potenziellen zukünftigen Arbeitgeber nichts weiter als Ärger und Papierkrieg einhandelt, sollte man auf dei Idee kommen, von irgendwelchen Fördermaßnahmen zu träumen. Kein Wunder, dass viele Firmen da lieber drauf verzichten und solche „Problemfälle“ wie mich gar nicht erst einstellen.

Also um mal auf den Punkt zurückzukommen: Ein großer Teil des „Behinderns“ findet immer noch in Amtsstuben und Verwaltungsbüros statt und unsere Frau Ministerin Nahles sollte vor allem mal an diesem Teil arbeiten. Schöne Öffentlichkeitskampagnen sind das eine, die Realität des tristen deutschen Behindertenalltags, wo man mit Hartz IV zurechtkommen muss oder bestenfalls eine magere Erwersminderungsrente bekommt und noch dazu jede noch so einfache Leistung aufwendig beantragen muss, sieht anders aus…

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