Atmungsaktiv oder Folie – der ewige Kampf

Weil es ein immer wiederkehrendes Thema bei entsprechenden Diskussionen in Foren und anderen Orten ist und ich langsam etwas genervt bin, immer wieder das Gleiche schreiben zu müssen, dachte ich mir, dass es mal eine gute Idee wäre, das alles hier zusammenzufassen. Das basiert auf meinen eigenen Erfahrungen, Onlinediskussionen, Gesprächen mit Leuten aus der medizinischen Pflege und Beratungsgesprächen wegen meiner eigenen Inkontinenzprobleme.

Wie ihr viellicht wisst, wenn ihr auch nur einen einzigen meiner Windeltests gelesen habt, sehe ich das zeimlich wertfrei und gelassen. Für mich sind die praktischen Dinge und der Tragekomfort wichtiger als bestimmte technische Details oder die fast schon religiös geführte Debatte, was nun besser ist. Dennoch kann man nicht abstreiten, dass beide Seiten ihre Pros und Contras haben, die man zimelich objektiv bewerten kann. Für Windeln mit Folie sind das die folgenden:

Pro

  • Die Stabilität und Formerhaltung sind insgesamt besser, besonders wenn die Windel nass wird.
  • Die undurchlässige Oberfläche schützt besser gegen beiläufige Kontamination und Verschmutzung, wenn etwas langsam durch das Polster nach außen durchdringt.
  • Entsprechend schützt die undurchlässige Oberfläche auch besser gegen Gerüche und Ausdünstungen.

Contra

  • Potenziell mehr oder stärkere Hautreizung aufgrund der chemischen Zusammensetzung der Folie (Weichmacher, Farbe) und sich ansammelnder Staunässe (siehe aber auch meine Gedanken weiter unten).
  • Oft schwieriger beim Anlegen, weil die Positionierung und Neupositionierung der Klebebänder die Oberfläche beschädigen kann.
  • Knistern von der Folie kann verräterisch sein, auch wenn die Windel unter der Kleidung sonst „unsichtbar“ ist.

Für atmunksaktive Oberflächen sind die Punkte im Prinzip umgekehrt, aber formulieren wir sie trotzdem mal aus:

Pro

  • Theoretisch bessere Hautreaktion, weil mehr Luft ran kann.
  • Leichtere Positionierung, zumindest wenn echte Klettbänder verwendet werden, die sich nahezu beliebig oft öffnen und schließen lassen.
  • Außer Rascheln, beispielsweise von Kleidung, die an der Windel reibt, sollte es keine verdächtigen Geräusche geben.

Contra

  • Die Gewebeteile geben der Schwerkraft nach, wenn sich die Windel füllt und schwerer wird, weshalb sie ihre Ausgangsform verliert.
  • Flüssigkeit und Gerüche können leichter entweichen.

Auch wenn das so ziemlich die Fakten abdeckt, erfordern einige Dinge einenen zweiten, genaueren Blick. Unweigerlich gibt es einen Unterschied zwischen theoretischen Spezifikationen und der praktischen Umsetzung. Eine passende Analogie wäre, wenn ein guter Motor in ein Auto eingebaut wird, Chassis, Gangschaltung, Räder oder Aerodynamik aber ungeeignet oder schlecht sind. Deswegen ist es dann trotzdem ein schlechtes Auto. Das ist bei Inkontinenzversirgung nicht anders. Fangen wir mal mit diesem „atmungsaktiv“ Ding an.

Meiner Meinung nach wird das hoffnungslos überbewertet. Es fühlt sich an, als wäre es der neueste Trend, dass alles so viel Luft, wie möglich abkriegen muss. Für einige Sachen wie Wundheilung oder das Austrocknen von Hautpilzen macht das absolut Sinn, für andere Sachen nicht so sehr, inklusive Windeln. Auf einem Forum hab ich sogar rumgewitzelt, dass man ja im Krankenhaus die Patienten auch nicht nackt und ohne Decke liegen lassen würde nur deswegen. ;-)

Was Windeln angeht ist deshalb mein Standpunkt: Jedem das Seine. Ich habe Folienwindeln bei 36 Grad Hitze duesen Sommer getragen und hatte keine Probleme. Meine Haut zeigt bisher keine Anzeichen von extremer Empfindlichkeit und logischerweise geht auch der Schweiß einfach ins Saugpolster. Man muss eventuell eben nur diese eine Mal mehr am Tag wechseln. Und da ich nun mal Stuhlinkontinenz habe, kriegen Folienoberfächen Extrapunkte, weil sie den Gestank einschließen.

Der andere Punkt, den ich ansprechen will ist die Sache mit der Form. Die Hersteller hören das nicht gern, aber jede atmungsaktive/ „Cotton Feel“ Windel (CF) hängt irgendwann durch. Das ist unvermeidbar. Es kommt nur drauf an, wann dieser Moment da ist und das macht den ganzen Unterschied. Produkte, die schon die Form verliere, nachdem man sie gerade angelegt hat, sind einfach schlecht, andere, bei denen man durch den Tag kommt, ohne dass sie einem den Hintern runterrutschen können okay sein. Auf jeden Fall ist es immer eine gute Idee, noch etwas zur zusätzlichen Abdeckung und Stabilisierung zu tragen, sei es nur um Gerüche und Flüssigkeit drin zu halten.

Zum Schluss möchte ich noch ein paar Beobachtungen und Meinungen wiedergeben, die ich so im Lauf der Zeit gemacht habe. Einer der Gründe, weshalb ich glaube, dass so viele Leute was gegen CF Windeln haben, ist das Abschieben bestimmter Probleme auf den Anwender. Außerdem fühlt man sich von den Herstellern bevormundet, wenn sie ihre Produkte „verbessern“ (obwohl die alten genau so gut oder besser waren/ sind). Das gleiche Gefühl hat man bei Medizin- und Verkaufspersonal. Ich zumindest bin immer erschreckt, wie wenig diese Leute über die eigentlichen Aspekte beim täglichen Tragen von Inkontinenzmaterial wissen und dann nur Lehrbuchmeinungen und Verkausmaterialien herbeten und versuchen, einem Zeug zu verkaufen, das das Problem vielleicht nicht optimal löst.

Ich bin mir ziemlich sicher, die meisten von euch sind noch genau so verwirrt, wie am Anfang, aber mehr als alles andere, sollte das als Denkanstoß dienen. Letzten Endes ist das Thema nichts anderes als das typische „je nachdem…“ und auch wenn ich hoffe, meinen Standpunkt gut dargestellt zu haben, könnte eurer komplett anders sein.

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