Windeltest: Abena Delta-Form

Eines der nicht ganz so geheimen Geheimnisse der Windelindustrie ist, dass die meisten Hersteller/ Vertriebsfirmen mehrere Marken haben. Manchmal geht’s nur um spezifisches Marketing, um bestimmte Regionen und Zielgruppen mit unterschiedlichen Preisen anzusprechen, manchmal einfach, weil ein Unternehmen ein anderes aufgekauft und damit sein Produktportfolio übernommen hat.

Delta-Form

Delta-Form ist eine der letzteren, wo Abena einen vorher eigenständigen Betrieb übernommen hat. Seitdem ist es so etwas wie die „Sparversion“ und etwas preiswerter als die Hausmarke, aber das sollte nicht über die Qualitäten hinwegtäuschen.

Delta-Form

Es lässt sich nicht vermeiden, dass man auf das Eine oder Andere verzichten muss, wenn Kosten gespart werden sollen, und bei diesem Produkt merkt man das zum Beispiel an der fehlenden Bedruckung und der etwas gewöhnungsbedürftigen Oberfläche auf der Außenseite. Die sieht irgendwie wie gräulicher Recyclingkarton aus, schimmert aber trotzdem leicht bläulich. Sie fühlt sich auch ziemlich dick und etwas steif an, weshalb ich beim ersten Mal, als ich die Windel angelegt habe, doch etwas argwöhnisch war.

Delta-Form

Glücklicherweise stellten sich meine Befürchtungen als unberechtigt heraus. Auch wenn die Windel keinen Schönheitspreis gewinnt, passt sie doch gut. Wegen der Steifigkeit bildet sich so etwas wie eine „Kastenbeule“ im Intimbereich, aber das legt sich, sobald die Windel etwas nass ist und sich selbst glattzieht und abflacht. Es hat auch keinen negativen Einfluss auf die Dichtigkeit. Interessanterweise hat das Produkt trotz der etwas groben Machart richtige Klettbänder, was hilft, sie im Zaum zu halten, bis sie richtig sitzt. Genau so hat die Windel Nässeindikatoren, obwohl das etwas komisch ist. Das fühlt sich so an, als ob man sich nicht entscheiden konnte, wie billig bzw. „kosteneffizient“ man das ganze macht, und hat dann doch das eigentlich überflüssigste Feature beibehalten. Irgendwie merkt oder sieht man ja auch so, wenn die Windel voll ist, oder?

Delta-Form

Zum Schluss müssen wir natürlich mal einen Blick auf das Saugpolster werfen. Wie man auf den Bildern sieht, ist es riesig im Verhältnis zur Gesamtfläche der Windel und geht auch sehr nah bis an die Bündchen ran. Für mich ist das perfekt, weil ich nun mal meinen Hintern gern großzügig bedeckt habe und bei meiner Statur alles an der richtigen Stelle sitzt, aber für schlankere Menschen könnte das schon ein kleiner Nachteil sein, wenn sich dann zu viel Material um die Hüften schlingt und aufträgt. Dadurch kann dann auch die Dichtheit an den Stellen leiden, wo sich Vorder- und Rückseite überlappen. Das ist eine kleine Einschränkung, die man im Blick haben sollte.

Ansonsten gibt’s nichts, worüber man sich beschweren könnte. Das Polster ist erstaunlich saugfähig und kann es leicht mit vergleichbaren Produkten in den entsprechenden Stufen aufnehmen, also die „nur“ M3 Variante entspricht trotzdem eher einer Attends M10 anstatt einer M8, wie man das eher vermuten würde. Das wird nur durch Abenas eigene Abri-Form M4 übertroffen (Test irgendwann bald demnächst) oder Produkte wie die Comficare. Kurze Randbemerkung: Die Granulatpartikel des Superabsorbers sind relativ groß hier und auch locker verteilt, so dass man nach Benutzung der Windel gesprenkelte Muster mit halb feuchten und halb trockenen Bereichen haben kann. Das wirkt sich aber nicht negativ auf die Gesamtaufnahmefähigkeit aus.

Um das Ganze zum Abschluss zu bringen: Meine Meinung hier ist „Was kann man da nicht mögen?“. Wenn man über die billige Anmutung hinwegsieht, gibt’s eigentlich ein sehr vernünftiges Produkt zu einem guten Preis. Als Windelträger, der mit anderen Produkten verwöhnt ist, hat man da vielleicht bisher verächtlich drüber hinweggesehen, aber wenn man entsprechend geeignete Proportionen hat, kann man wirklich mal eine Probe wagen. Vielleicht ist man ja genau so überrascht, wie gut das Ganze eigentlich ist.

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