Windeltest: Kolibri Comslip Supra

Um unsere Sammlung regionalspezifischer Marken etwas auszubauen, schauen wir uns dieses Mal die Kolibri Comslip an, aber vorerst nur in der Supra Variante. Warum betone ich das so? Das Produkt, dass hier getestet wird ist die atmungsaktive Variante mit Stoffoberfläche. Es gibt aber auch eine Folienversion, die dann Ultra heißt und etwas weniger Saugleistung hat. Ich hatte noch keine Gelegenheit, letztere zu testen, deshalb sollte man beachten, dass alles, was hier geschrieben ist, für „das andere Produkt“ nicht zutreffen muss. Um’s noch komplizierter zu machen, ist das auch wieder eine Situation, wo ein „altes“ Produkt durch ein „neues“ mit gleichem Namen ersetzt wird, weshalb wir genau genommen zwei Reviews in einem Artikel bündeln und die Unterschiede erläutern. Fangen wir mit dem ursprünglichen Produkt an.

Kolibri Comslip Supra

Der Hersteller/ Vertreiber, IGEFA, ist ein Gemischtwarenladen, der alle möglichen Artikel für den Reinigungs- und Medizinbedarf anbietet, vom Toilettenpapier bis zu Einwegkitteln für Chirurgen, weshalb man sich leicht vorstellen kann, dass das eigentliche Produkt irgendein generisches Produkt aus einer namenlosen Fabrik ist, wo einfach der Name draufgedruckt wird. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass wahrscheinlich alle wichtigen Entwicklungsarbeiten von der Fabrik selbst ausgehen und man sich einfach drauf verlassen muss. Die Nachwirkungen dieses Ansatzes werden dann weiter unten klar werden, wenn wir das neue Modell besprechen. Was haben wir also hier?

Kolibri Comslip Supra

Das erste augenfällige Merkmal ist die intensive grüne Farbe, die so aussieht, als ob jemand versucht hat, die farbigen Kunststofffolien, die bei manch anderen Windeln verwendet werden, nachzuahmen. Das mag erstmal nicht wichtig erscheinen, aber wenn man ein Typ ist, dem es schon so peinlich ist, wenn die Windel vielleicht aus der Jeans herausragt, dann ist ein leuchtendes Grün (ja, das ist so stark, ich hab’s nicht übertrieben mit der Bildbearbeitung) noch schlimmer als reines Weiß. Wie ich schon oft gesagt habe, gehöre ich nicht zu dieser Kategorie Menschen, aber man muss schon drauf achten, wenn man vorhat, diese Windel auch tagsüber zu tragen.

Kolibri Comslip Supra

Die andere Sache, die man sofort bemerkt, ist der intensive „chemische“ Geruch, wenn man die Packung aufgemacht hat. Es riecht definitiv so, als ob ein starkes Putzmittel da reingekippt worden wäre. Ich hab nie rausgefunden, wo der Duft herkommt – von der grünen Farbe oder dem Saugpolster – aber glücklicherweise ist es kein Problem beim Tragen der Windel. Anfangs war ich da sehr skeptisch, aber ich habe nie Hautreizungen gehabt, was bedeutet, dass, was auch immer für eine Substanz ist, diese harmlos ist und für die meisten Leute kein Problem darstellen sollte.

Kolibri Comslip Supra

Größenmäßig ist die Windel etwas größer als eine durchschnittliche M, aber wirklich nur so wenig, dass es um drei Zentimeterchen hier und da geht. Das gibt etwas mehr Luft beim Anlegen. Leider verwendet das Produkt normale Klebestreifen anstatt Klettverschlüsse, so dass der extra Rand sich nicht wirklich auszahlt, weil man nur begrenzt die Bänder neu platzieren kann, bevor die Oberfläche beschädigt wird.

Das Saugpolster ist ziemlich groß und besonders vorne auch breit, was für mich immer ein Pluspunkt ist, wie ich in meinem vorherigen Artikel zur ID Expert Slip geschrieben habe. Ein etwas spezifisches Merkmal dieses Polsters ist der Umstand, dass es steifer und voluminöser wird, wenn es sich vollsaugt. Das deutet normalerweise darauf hin, dass auch gelartige Substanzen zum Binden der Flüssigkeit verwendet wurden und nicht nur moderner Superabsorber. Dadurch wird das ganze zu einer Art Block. Je nachdem, wie gut man es verträgt, wenn es „da unten“ enger wird und die Kleidung etwas mehr ausbeult, kann das schon ein Problem sein und man fühlt sich unwohl dabei. Ansonsten erfüllt es sein Versprechen und nimmt wirklich viel auf, ohne auszulaufen.

Insgesamt ist es ein ordentliches Produkt, aber hat ein paar Macken, die sich nicht abstreiten lassen. Es ist (oder wie man zu diesem Zeitpunkt sagen muss, war) nicht jedermann’s Geschmack. In einer perfekten Welt würde man deshalb davon ausgehen, dass der Vertreiber das auch so sieht und versucht, ein besseres Produkt zu entwickeln, aber wie ich im zweiten Absatz angedeutet habe, wurde wohl einfach der Hersteller gewechselt und so ist die neue Version entstanden.

Kolibri Comslip Supra

Dabei handelt es sich um ein ganz anderes Biest, leider aber ein ziemlich zahnloses. Was auch immer der Antrieb war, das Produkt zu wechseln, ging mächtig schief. Wo soll ich nur anfangen?

Kolibri Comslip Supra

Vielleicht sollte ich mit dem einzigen wirklich guten Feature anfangen, das mich wirklich überrascht hat. Die Seitenflügel sind super, super weich. Sie fühlen sich an, wie Microfaserunterwäsche, und umschmeicheln die Haut. Bedauerlicherweise, so sinnlich es sich auch anfühlt, wird es auch schnell zum Nachteil. Wie man leicht erraten kann, hat die Weichheit einen Preis, und der heißt fehlende Formstabilität. Diese Windel kann man unmöglich ohne was zur Fixierung tragen und es sollte schon was Robustes sein, wenn man nicht will, dass die Schwerkraft gewinnt oder etwas ausläuft.

Kolibri Comslip Supra

Wie man auf den Bildern sehen kann, wirken die Flügel wie falsch angeklebt und Vorder- und Rückseite der Windel stehen über. Das sieht einfach häßlich aus und verkompliziert die Angelegenheit, wenn man die Windel unter der Kleidung verstecken will. Es scheint keinen sinnvollen Grund zu geben, warum das so designt wurde. Wenigstens wurden dieses Mal Klettbänder verwendet, aber die sind auch dringend notwendig. Wegen des Ausleierns des weichen Materials muss man irgendwie ständig nachjustieren.

Kolibri Comslip Supra

Ein weiteres Opfer des Redesigns ist das verkleinerte Polster. Pauschal ist das noch kein Problem, weil die Saugfähigkeit immer noch gut ist, aber für die Verwendung in der Nacht ist es nicht ideal, wenn Flüssigkeit über das Polster hinaus läuft, während man in Seitenlage schläft. Ich mag das wirklich nicht und damit landet die Windel in der Kategorie der x-beliebigen Produkte ohne herausragende Merkmale und ohne Grund, sie gegenüber anderen, möglicherweise leichter verfügbaren und billigeren Marken vorzuziehen.

Mit all diesen Punkten kann das Gesamturteil nur lauten: Wenn man Alternativen hat, ist das kein Must-Have-Produkt. So Vieles ist einfach falsch gelaufen und es macht einfach keinen Sinn, wenn man zuverlässigere Produkte von anderen Herstellern kaufen kann. Solange es noch Reste von der „alten“ Version gibt, kann man da noch zuschlagen, aber auch hier gilt, dass man nicht unbedingt was verpasst, wenn man es nicht probiert hat.

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