Bäumchen wickel dich! – Nur wo?

Wie wenige Gedanken sich in Deutschland zum Thema Inkontinenz gemacht werden und wie rückständig wir da doch sind, zeigte sich mal wieder beim Lesen dieses Artikels, den jemand in einem Forum verlinkt hatte. auch wenn es sich da um einen extremeren Fall handelt, illustriert er doch ein grundlegendes Problem: Wo es keine verbindlichen Vorschriften gibt, tut sich auch leider nichts. Einige der Punkte, die mich immer besonders ärgern sind folgende:

  • Pro forma gibt es eigentlich ’ne ganze Menge behindertengerechte Toiletten. Zu blöd nur, dass die fast ausschließlich in öffentlichen Gebäuden sind und man da oft erst durch Zugangskontrollen reinkommt oder man riesige Umwege in Kauf nehmen muss, weil beispielsweise die Rollstuhlrampe genau am anderen Ende des Gebäudes ist.
  • Wenn man denn in die Gebäude reinkommt, sind die behindertengerechten Toiletten oft auch in der hintersten Ecke und nur umständlich zu erreichen. Oft sind sie auf einer bestimmten Etage, wo man erstmal hinkommen muss.
  • Wenn man Pech hat, sind die Toiletten verschlossen und keiner im Haus weiß, wer den Schlüssel hat. Ein möglicher Ausweg wäre hier der sogenannte Euroschlüssel, aber den hat nicht jeder und nicht jeder bekommt ihn, weil, was irgendwie ja auch diskriminierend ist, die entsprechenden Verbände eine körperliche Behinderung in bestimmter Höhe vorraussetzen. Den meisten mobilen Inkos nützt das also nix. Hinzu kommt, dass natürlich auch nicht jede Behindertentoilette schon ein kompatibles Schloss hat.
  • All das alles nützt einem an Wochenenden nix, weil das rettende Rathaus ja da in aller Regel geschlossen ist.
  • Einkaufszentren, Fitnessstudios, Spaßbäder und ähnliches scheinen überhaupt keinen Wert darauf zu legen, dass ihre Kunden/ Besucher komfortable Toiletten vorfinden. Oft findet man sie nur schwer und wenn, dann sind es zu wenige, zu kleine oder zu verbaute Kabüffchen. Da kann man weder ungestört seiner Verrichtung nachgehen, noch in Ruhe, ohne dass sich die Zellennnachbarn fragen, was man da tut, die Windel wechseln.
  • Schließlich, und das habe ich schon mal in einem anderen Artikel angedeutet, bleibt das ewige Problem mit der Entsorgung der benutzten Windeln. Ick kann wirklich nicht verstehen, warum es so schwer sein soll, in jeder Toilette einen luftdichten, ausreichend großen Mülleimer zu haben und nicht nur die üblichen Papiersammelbehälter für benutzte Einmalhandtücher.

Insgesamt gesehen sieht es in Deutschland also ziemlich finster aus und deshalb sind Initiativen für öffentliche Wickelräume mit entsprechender Ausstattung auf jeden Fall zu begrüßen.

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