Die richtige Windel – Teil 7: Logistik

Wenn man etwas (fast) jeden Tag braucht, wird es wichtig, dass die Versorgungskette nicht abreißt, also muss man seinen Vorrat pflegen und verwalten und sich auch um die Entsorgung Gedanken machen. Erstmal ist natürlich die Frage, wo man seine  Windeln herbekommt und das möglichst billig, also fangen wir damit an.

Beschaffung

Je nachdem, wo man lebt, kann die Beschaffung sehr unterschiedlich sein, aber einige Grundregeln treffen überall zu. Hier in Deutschland wird natürlich ein Großteil der Inkontinenzprodukte immer noch über die Sanitätshäuser vertrieben, da man ja dafür ein Rezept bekommen kann und die Krankenkasse Festbeträge übernimmt. Diese Zuschüsse werden aber immer weiter reduziert und somit spielt es immer weniger eine Rolle. Einer der größten Nachteile dabei sind ohnehin die Kosten für den Verbraucher, weil alles, was die Krankenkasse nicht übernimmt, selber bezahlt werden muss und über die teilweise haarsträubenden Preise für eine „Wunschversorgung“ mit besseren oder anderen Produkten auch die Angestellten bezahlt werden (hat man zumindest den Eindruck).

Aus diesem Grund freue ich mich schon fast auf den Tag, wenn diese Regelungen wegfallen und sich in einem freien Markt durch den Wettbewerbsdruck vielleicht vernünftige Preise durchsetzen. Natürlich könnte es aber auch genau andersrum gehen und die Preise steigen (Stichwort „Monopolbildung“). Auf jeden Fall dürfte einiges einfacher werden, wenn man Inkontinenzprodukte ganz normal im Supermarkt kaufen kann. Einige große Ketten experimentieren ja schon damit wie auch Drogerien, aber es ist noch nicht so weit verbreitet. Außerdem wären dann die Apotheken wieder dabei, die ja durch die Rahmenverträge der Krankenkassen mit Herstellern und den Sanitätshäusern verdrängt wurden. In vielen anderen Ländern funktioniert es ja schon so.

Eine weitere starke Konkurrenz sind selbstverständlich Onlineshops. Pakete voll mit Windelpackungen sind voluminös, unhandlich und haben einiges an Gewicht, weshalb es einfach unheimlich praktisch ist, sie mit einem Mausklick zu bestellen und kostenlos nach Hause geliefert zu bekommen. Viele Onlinehändler bieten ohnehin jetzt schon bessere Preise und, was eigentlich wichtiger ist, eine größere Auswahl and meist sofort lieferbaren Produkten. Da kann ein Sanitätshaus nicht mithalten. Außerdem bekommt man einige „exklusive“ Produkte oder Importware, die man woanders nicht findet. Wie ich schon mal geschrieben habe, habe ich gute Erfahrungen mit Schanders, aber es gibt natürlich auch noch andere wie Windelwelt24 oder die Mutter aller Windelshops, Save Express. Einige Hersteller bieten auch Direktbestellungen über ihre Webseiten an.

Eine weitere Möglichkeit, billig Windeln zu bekommen, sind Seiten wie eBay oder ihre entsprechenden „Kleinanzeigen“ Gegenstücke. So traurig es auch sein mag, die Reste aus dem Bestand der verstorbenen Großeltern können eine sehr kostengünstige Alternative sein. Natürlich gibt es einige Einschränkungen. Man muss eben nehmen, was es gerade gibt. Nicht alle Produkte sind auf diesem Zweitmarkt zu haben und man muss eventuell einen Kompromiß bei Größe oder Saugstärke eingehen. Außerdem kann es sein, dass man Zeug dazu bekommt, das man eigentlich gar nicht will, weil es nur als Gesamtpaket verkauft wird. Hier muss man sich dann selber kümmern und wissen, an wen man es weitergibt/ weiterverkauft.

Mit Abstand das größte Problem sind immer die Versandkosten. Ich sehe öfter mal gute Angebote, aber wenn es nicht in der Nähe ist und ich nicht meinen Bruder nicht zu einer Spritztour mit dem Auto überreden kann, wird das Ganze durch die Versandkosten dann so teuer wie in einem regulären Onlineshop. Im Gegensatz zu kommerziellen Anbietern mit Rahmenverträgen und Mengenrabatten bei großen Logistikanbietern bezahlen ja Privatleute gerade bei großen und schweren Paketen ganz schöne Preise. Damit rechnet’s sich dann eben nicht. Gleiches gilt, wenn der Grundpreis nicht stimmt. Manchmal einfach aus Unwissenheit, oft aber um die „Verluste“ gering zu halten, verlangen Leute zu viel und dann kann man gleich wieder bei einem normalen Händler bestellen.

Lagerung

Sobald man seine Windeln zu Hause hat, braucht man einen Platz, wo man sie lagert. Ähnlich wie bei dem im vorhergehenden Abschnitt erwähnten Transportproblem, kann die Größe der Pakete zum Problem werden. In meiner kleinen Wohnung habe ich sie an der Rückwand meines Flurs gestapelt, aber es wäre schon hilfreich, ein weiteres Zimmer dafür zu haben. Um die Sache weiter zu verkomplizieren, haben verschiedene Produkte verschiedene Abmessungen der Packungen, manchmal nur wenige Zentimeter, so dass es ein Weilchen gedauert hat, bis ich ein System gefunden hatte, wie man sie am besten stapelt.

Neben der reinen Physik muß man weiterhin beachten, dass man eine Packung für jedes Produkt offen und in Reichweite haben will, um daraus den täglichen Bedarf zu entnehmen. Da ich gerne etwas Abwechslung habe und je nach Situation und Laune gern mal ein anderes Produkt verwende, habe ich immer einige angefangene Packungen rumstehen. Wenn man eine bestimmte Anzahl an Windeln rausgenommen hat, verlieren diese natürlich ihre Stabilität und man muss die Wand aus „Windelblöcken“ neu anordnen. Sobald nur noch eine Handvoll Windeln in einer Tüte ist, nehme ich diese raus und verstaue sie in einer Restekiste. Das sieht ordentlicher aus und ich kann die Folienverpackung auch gleich entsorgen. Außerdem behält man so den Überblick und steht nicht plötzlich morgens, wenn man es eilig hat, weil man den Zug noch erwischen muss, vor einer leeren Packung.

Weil ich mein Zeug in der Wohnung lagere, muss ich keine besonderen Vorkehrungen bezüglich Luftfeuchtigkeit, Temperatur oder Schutz vor Staub und Dreck treffen. Wenn man die Windeln in der Garage, dem Keller oder dem Dachboden lagert, kann es natürlich sein, dass man etwas tun muss. Die Temperatur ist nicht so das Problem, aber wenn man die Sachen zu lange in zu heißen Räumen (Heizungskeller) lagert, können die Bänder ihre Klebekraft verlieren und die Folien werden spröde. Außerdem vergilben dann das Polster und andere Bestandteile und die Windel sieht nicht mehr so gut aus.

Das Gleiche gilt für Orte mit zu viel Luftfeuchtigkeit oder Nässe (feuchte Wände, Kondensation). Neben potentiellen Schimmelproblemen wird dadurch auch die Funktion der Windel beeinträchtigt, weil sie eben schon aus der Umgebung vermehrt Feuchtigkeit aufnimmt. Dadurch kan nes dan nsein, dass nicht mehr so viel Flüssigkeit reinpaßt, wie eigentlich gedacht. Umgekehrt macht zu trockene Luft das Polster krümelig und die Papieranteile fühlen sich staubig an, was die Haltbarkeit und Stabilität auch beeinträchtigen kann. Hier muss man eine gute Balance finden.

Das alles klingt aber schlimmer, als es ist. Ich habe immer noch 5 Jahre alte Windeln in meinem Bestand und die sind in Ordnung. Letzten Endes muss man alles nur für eine bestimmte Zeit lagern und der tägliche Verbrauch trägt dazu bei, dass der Vorrat schrumpft. Nach einer Weile kriegt man ein Gefühl dafür, wieviele Packungen man jeden Monat braucht und das bestimmt dann viele dieser Dinge.

Entsorgung

Einiges dazu habe ich schon in diesem Schnellschußartikel geschrieben, aber schauen wir nochmal genauer hin.

Weil eine Windel im strengsten Sinne „biologisch kontaminiertes Material“ ist, will man sie nicht ewig herumliegen haben und bestimmte Teile zu oft anfassen. Deshalb sollte man sie, wie im animierten Bild gezeigt, zusammenrollen/-legen, um nur die – theoretisch „sauberen“ – Außenseiten berühren zu müssen. Die gezeigte Methode funktioniert auch, wenn man die Windel noch am Körper hat und steht oder liegt. Mit einer Hand hält man den hinteren Teil fest und mit der anderen löst man die Klebebänder und beginnt mit dem Zusammenlegen. Nach der Hälfte ist das Paket dann klein und kompakt genug, um es nach hinten wegzuziehen und endgültig zu versiegeln. Der Sinn dieses Vorgehens ist einfach, dass man so Schmierereien zwischen den Beinen vermeiden und reduzieren kann. Eine Windel ohne diesen kleinen Trick abzulegen kann schwierig werden, gerade bei großen Größen und wenn die Windel voll und somit schwer ist.

Diaper Folding

Klicken Sie hier für eine statische Version als Grid.

Nachdem man die Windel in ein handliches Päckchen verwandelt hat, muss sie verstaut werden. Entgegen dem Eindruck, den das Bild vermittelt, verpacke ich natürlich zu Hause nicht jede Windel einzeln. Es ist überhaupt kein Problem, mehrere in einem größeren Beutel unterzubringen, der in einem luftdichten Mülleimer ist. Meiner ist ein 5 Euro Eimer aus dem Baumarkt, aber er erfüllt seinen Zweck prima. Natürlich variiert das je nachdem. Es ist was anderes, wenn bei Stuhlinkontinenz im Sommer alles müffelt, als im Winter nur ein paar vollgepiselte Windeln zu haben. Vollgesaugte Windeln können auch sehr, sehr schwer sein. Deshalb muss man herausfinden, wieviele es sein können, eh man einen Gabelstapler braucht, um sie zum Müllcontainer zu schaffen beziehungsweise auch schon der Geruch nicht mehr zu ertragen ist.

Wie schon in dem anderen Artikel geschrieben, gehören Windeln auch in den Hausmüll, nicht woanders hin, es sei denn, man trägt irgendein super-öko Produkt oder es gibt ein spezielles Sammelsystem vor Ort, das die Windeln schreddert und in was Nützliches verwandelt.

Unterwegs

Sobald man erstmal im „Windelgeschäft“ drin steckt, wirkt es sich auch auf den alltäglichen Ablauf aus, wenn man unterwegs ist. Man muss sich darüber Gedanken machen, wie lange man von zu Hause weg sein wird und sich entsprechend vorbereiten. Ich habe dafür keine spezielle „Windeltasche“, die ich mit mir rumtrage. Stattdessen habe ich in meinen Rucksäcken imer eine Reservewindel und keline Plastikbeutelchen. Diese Windel nehme ich auch nie heraus, damit es keien Überraschungen gibt, wenn ich mir schnell mal den Rucksack schnappen muss, ohne noch extra eine Windel einzupacken. Zusätzlich nehme ich dann noch weitere Windeln mit nach Bedarf. Normalerweise versuche ich, Wechsel unterwegs zu vermeiden und lege an solchen Tagen morgens deswegen eine besonders dicke Windel an, aber wenn ich um die Mittagszeit nicht wieder daheim bin, kommt man meist nicht drumrum.

Das größte Problem dabei ist immer noch, erstmal eine Möglichkeit zu finden, die benutzte Windel zu entsorgen. Die meisten entsprechenden Spezialbehälter z.B. auf Zugtoiletten sind zu klein und nur auf Babywindeln ausgerichtet. Genau so gibt es auf den meisten öffentlichen Toiletten massig Körbe für die Papierhandtücher, aber keine richtigen Mülleimer, und wenn, dann sind da auch noch die Öffnungen zu klein, so dass man das Päckchen kaum reingestopft bekommt. Genau deshalb habe ich auch schon solche Pakete mit mir im Rucksack rumgetragen und zu Hause entsorgt. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, kann man auch sein Problem in den Müllsammelbehältern/ -tüten von Reinigungspersonal oder privaten Mülltonnen am Straßenrand entsorgen, aber immer vorher fragen! Auch wenn keiner was dafür kann, finden es viele Leute unangenehm oder anstößig. Aus diesem Grund sollte man sowas auch nicht in offenen Papierkörben in Parks oder ähnlich entsorgen, sonst steht man am nächsten Tag in der Zeitung oder wird von Passanten blöd angemacht.

Mit diesen abschließenden Gedanken ist meine kleine Serie erstmal zu Ende. Ich hoffe, mein Geschreibe hat Spaß gemacht. Wenn’s Fragen gibt, einfach losschießen! Natürlich werde ich diese Artikel ab und an ergänzen oder erweitern, je nachdem, wie neue Erkenntnisse und Erfahrungen meine Sicht der Dinge verändern und außerdem werde ich auch weiter Windeltests und was auch immer ich sonst noch so mache veröffentlichen, damit jeder das richtige Polster für seien Problemzone findet.

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