Die richtige Windel – Teil 6: Babyhaut

In den anderen Artikeln im Rahmen dieser Serie habe ich schon die eine oder andere Info eingestreut, wie Windeltragen die Körperhygiene und das Wohlbefinden beeinflußt, besonders natürlich die Haut. Somit ist es an der Zeit, daran anzuknüpfen und ein paar Worte zu dem Thema zu verfassen, wie man eine perfekte Haut behält und all die Allergien, Reizungen und Infektionen vermeiden kann. Zunächst fassen wir nochmal zusammen, was denn da alles so Gefährliches passieren kann.

  • Urin besteht zwar hauptsächlich aus Wasser, enthält aber auch Salze, Mineralien, Enzyme sowie Abbauprodukte von Nahrungsmitteln und Medikamenten – eben alles, was die Nieren rausfiltern. Wenn man sich klar macht, was das bedeutet, erkennt man das Problem. Wie auch Meerwasser auf der Haut brennt, brennt auch das nach einer gewissen Zeit.
  • Feuchtigkeit läßt die Haut aufquellen und das vermindert die Widerstandskraft gegen äußere Einflüsse. Poren öffnen sich und kleine Risse in der Haut erweitern sich, so dass Keime eindringen können. Das kann alles mögliche von harmlosen Pickeln/ Akne über Entzündungen bis hin zu Pilzinfektionen verursachen. Außerdem fördert das warme und feuchte Mikroklima die Vermehrung von Keimen.
  • Stuhl enthält verdauungsfördernde Bakterien, die zwar im Darm nötig sind, aber außerhalb Infektionen verursachen können. Genau so kann man bei Infektionen im Harntrakt Bakterien ausscheiden, die weitere Infektionen verursachen können.
  • Schweiß, der sich in Ritzen und Falten ansammelt, kann all diese Probleme auch verursachen oder fördern und trägt noch dazu zur Geruchsbildung bei.
  • Das Saugpolster und andere Bestandteile einer Windel können die Haut austrocknen.
  • Eng sitzende Windeln können Abschürfungen und Druckstellen verursachen.
  • Dauerhafte Exposition gegenüber diesen Faktoren kann langfristig zu Allergien führen.

Wie man sieht, geht da einiges vor und man sollte darauf achten, sich zu schützen. Vorab muss ich noch sagen, dass ich ganz bestimmt kein Experte für Hautpflege bin, weil ich eigentlich nicht viele Sachen benutze. Auch wenn meine Haut nicht perfekt ist im Sinne von glatter Modelhaut, ist sie doch widerstandsfähig genug für die meisten Dinge. Es ist etwas schlechter geworden, weil ich nun seit meheren Jahren ohne Unterbrechung Kortikoide nehme, aber sie ist nicht extrem empfindlich oder sowas. Wenn man bestimmte Hautprobleme hat, sollte man natürlich zum Dermatologen gehen, wenn man sich nicht sicher ist. Hautpflege im Intimbereich kann man im Prinzip als dreischichtigen Ansatz sehen: Vorbereitung, Schutz und Reparatur. Was bedeutet das nun konkret?

Vorbereitung

Am wichtigsten ist es natürlich, die Haut auf das Windeltragen vorzubereiten. Ziemlich offensichtlich bedeutet das, den Bereich sauber zu halten und das kann man natürlich beim täglichen Bad oder Duschen machen. Eine milde Seife, Duschgel oder dermatologische Waschsubstanzen sind dafür mehr als ausreichend, gefolgt von ordentlichem Abspülen mit klarem Wasser. Wie immer – nicht übertreiben. Es reicht völlig aus, sich zweimal am Tag zu duschen, zuzüglich zusätzlicher Duschen wenn man wirklich sehr stark geschwitzt hat. Es ist nicht nötig, sich bei jedem Windelwechsel zu duschen.

Damit kommen wir auch auf ein anderes interessantes Thema – Feuchttücher. Dazu hat jeder seine eigenen Ansichten, deswegen ist es etwas schwer zu fassen, aber man sollte einige Punkte im Hinterkopf haben. Erstens kommt der angenehme Duft nicht von ungefähr, es sind also Parfüme enthalten. Zweitens sind weitere Chemikalien enthalten, die die Tücher feucht halten und verhindern, dass sie faulen oder schimmeln. Drittens können medizinische Feuchttücher zusätzliche Desinfektionsmittel enthalten. Damit kommen diese Stoffe in Kontakt mit der Haut und können Reizungen weiter verschlimmern. Außerdem können Feuchtigkeit und die Chemikalien die Immunreaktion in kritischen Bereichen vermindern. Deshalb sollte man Feuchttücher eher sparsam verwenden und nur, wenn es nicht anders geht, z.B. wenn man unterwegs ist und in einer öffentlichen Toilette die Windel wechseln muß oder wenn man aus medizinischen Gründen nicht aus dem Bett kommt. Wenn man zuhause ist, sollte man lieber einen feuchten Waschlappen, normales Toilettenpapier/ Küchenpapier und andere Alternativen verwenden. Das hilft auch dem Geldbeutel!

Jetzt wird es etwas intim und wir müssen mal über Schamhaare reden. Auch wenn es letzten Endes für jeden die eigene Entscheidung ist, paßt hier der Spruch „Weniger ist mehr.“ besonders gut. Haare stellen eine große Oberfläche dar, wo sich all das schlimme Zeug ausbreiten kann und besonders gut hält und es ist einfach mehr Aufwand, es sauber zu kriegen. Besonders bei Stuhlinkontinenz sollte man es unbedingt in Erwägung ziehen, den Bereich zwischen den Beinen und Pobacken glatt zu machen. Natürlich kann das Rasieren selbst auch wieder zu Reizungen oder Verletzungen führen, deshalb nochmal: Nicht übertreiben. Es reicht völlig, einmal die Woche oder sogar aller zwei Wochen drüber zu gehen und das Haar kurz zu halten. Es reicht auch, sie mit einem Trimmer auf einer bestimmten Länge zu halten anstatt sie ganz zu rasieren.

Hautpflegeprodukte

Schutz

Dieser Teil läßt sich am leichtesten erklären. Natürlich ist es am besten, potenziell bedrohliche Sachen gar nicht erst an die Haut kommen zu lassen. Das bedeutet vor allem, dass man schützende Cremes und Puder aufträgt und die gute Nachricht ist, dass es davon so viele gibt, weil man von Babypflege, normalen hautschützenden Kosmetika, spezielle Schutzcremes aus dem Industriebereich, speziellen medizinischen Produkten bis hin zu ordinären sachen wie Vaseline oder Melkfett eigentlich alles nehmen kann, entweder jeweils alleine oder in Kombinationen. Solange man alles verträgt, ist alles okay und das Portemonaie freut sich auch, wenn man sparen kann.

Der Punkt ist der, dass man eine dünne, gleichmäßige Schicht aufträgt, nicht so sehr endlos große Mengen. Jedes Produkt, das man verwendet, sollte jedoch einen gewissen Mindestanteil an Ölen oder Fetten haben oder andere schichtbildende Bestandteile, damit das Ganze zumindest eine gewisse Weile anhält. Andererseits sollte es einigermaßen atmungsaktiv bleiben und somit sind natürliche Produkte anderen vorzuziehen, die z.B. Silikonöle enthalten können.

Es ist auch nicht nötig, den ganzen Unterleib einzuschmieren, sondern nur die Teile, die besonders den Einflüssen ausgesetzt sind. Für mich als Mann ist die Unterseite der Hoden beispielsweise besonders kritisch, weil – man verzeihe die Formulierung – die Bällchen einige Zeit im Saft schmoren und das zu Juckreiz führt. Genau so hilft bei meiner Inkontinenz hintenrum ein kleiner Kleks am Poloch wunderbar, das Brennen zu beruhigen. Andere Bereiche wie die Außenseiten meines Hinterns oder meiner Oberschenkel hingegen brauchen (noch) keine besondere Pflege.

Bei all dem sollte man natürlich die praktischen Aspekte berücksichtigen. Da ich mir die Windeln oft im Stehen anlege, funktioniert das Einreiben mit Penaten – Creme natürlich besser als Puder. Wenn’s jetzt aber wärmer draußen wird und die creme-artigen Produkte anfangen, zu schmieren werde ich wohl öfter auf Puder zurückgreifen und mich auf dem Bett wickeln. Man sollte auch beachten, dass viele dieser Produkte auch sehr fettig sind und gut da haften, wo man es nicht will, also muss man sich danach die Hände waschen oder gleich Handschuhe zum Auftragen nehmen.

Reparatur

Ab und an wird man seine normale Hautpflege mit zusätzlichen Maßnahmen ergänzen müssen. Mal trägt man eine Windel einfach zu lang, es ist zu warm oder kalt oder man war einfach ein böser Junge/ böses Mädchen und hat eine juckende Stelle gekratzt und hat jetzt Abschürfungen, kleine offene Wunden oder sogar Infektionen. Da muss man seinem Körper bei der Heilung etwas nachhelfen.

Außer dem offensichtlichen Umstand, dass man den betroffenen Bereich gründlich reinigen sollte, muss man natürlich die Hautbarriere so schnell, wie möglich, wieder reparieren. Ein Weg, das zu tun, ist die Benutzung von Panthenol-haltigen Schaumsprays wie im Bild zu sehen (dass es aus dem Fußpflegebereich kommt, spielt erstmal kein große Rolle). Diese Sprays haben den Vorteil, dass sie weder fettig sind und außerdem schnell einziehen, so dass sie die normalen Pflegemaßnahmen nicht stören. Aus den genannten Gründen würde ich deshalb entsprechende Cremes, Lotionen und Salben nicht empfehlen, weil sie zusätzliche Fette und Feuchtigkeit bringen.

Wenn die Haut stärker verletzt ist und Wundflüssigkeit austritt, sollte man blutstillende/ saugende Puder verwenden oder Sprühpflaster, bis sich eine feste Schorfkruste gebildet hat. Hilft das nicht, unbedingt zum Arzt gehen! Gleiches trifft zu, wenn man ungewöhnliche Verfärbungen sieht, die sich nicht als normale Rötung vom Kratzen oder als blaue Flecken erklären lassen. Das können dann Pilzinfektionen sein und weil es so viele davon gibt, kann nur der Arzt einschätzen, welche Behandlung hilft.

Wieder mal hoffe ich, dass ich einige sinnvolle Hinweise geben konnte und mit dem nächsten Artikel wird die Serie zum Ende kommen (wenn ich nicht noch einen weiteren Beitrag einschiebe). Bis dahin dann also…

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