Die richtige Windel – Teil 5: Gut verpackt

Während wir uns der Ziellinie mit unserer Miniserie zu den Grundlegen des Windeltragens nähern, wird es Zeit, dass wir einen Blick auf die Verpackung drumrum werfen. Obwohl es rein optional ist, gibt es nachvollziehbare persönliche und technische Gründe, noch eine Schicht oben drauf zu packen. Einige davon sind folgende:

  • Jede Windel, selbst die beste, fängt an, durchzuhängen, während man sie trägt. Sobald sie feucht/ nass wird, wird sie schwerer und voluminöser. Außerdem lockern sich durch Bewegung die Klebebänder und die Außenfolie verzieht sich. Dem muss man entgegenwirken.
  • Eine weitere Schutzschicht zu haben kann nützlich sein, wenn die Windel langsam voll wird und Feuchtigkeit austritt. Gerade bei „atmungsaktiven“ Varianten kann eine undurchlässige Hülle eine Katastrophe verhindern.
  • Es kann helfen, die Temperatur im Intimbereich zu regulieren. Im Winter ist es ein Schutz, der verhindert, dass kalter Wind durch die Windel faucht und das vollgesaugte Polster auskühlt, im Sommer kann es helfen, Schweiß vom Körper wegzuleiten und kühlend wirken.
  • Einige Windelmodelle rascheln und knistern recht stark selbst unter der Jeans. Sie stramm am Körper zu halten und damit die Folien glattzuziehen, kann diesen Effekt minimieren und eine zusätzliche Schicht Stoff schluckt die Geräusche.
  • Natürlich kann man auch aus rein ästhetischen Gründen und zur Verschleierung etwas über der Windel tragen. Wenn man, im Gegensatz zu mir, sensibel auf das Thema reagiert will man möglicherweise was zur Tarnung drüberziehen.
  • Wenn man schon Windeln tragen muss, kann man es auch so angenehm wie möglich machen und seinen Spaß dabei haben. Ich kann mich z.B. einfach nicht der Anziehungskraft der bunten Stoffwindeln/ Windelcover, wie sie Dependco und andere anbieten, entziehen (nein, ich hab noch keine davon, weil die Versandkosten so teuer wären, aber wer mir ein paar Exemplare in Größe M zukommen lassen will, kann sich gern melden ;-) ).

Nicht alle genannten Punkte lassen sich immer unter einen Hut bringen. Manche Anforderungen schließen sich sogar gegenseitig aus. Beispielsweise können Kunstoff oder kunststoffbeschichtete Stoffe zwar vor Feuchtigkeit schützen, aber zugleich selbst Geräusche verursachen während man sich bewegt. So wie sehen die spezifischen Optionen aus?

Unterwäsche

Natürlich hatten viele von uns auch ein Leben vor den Auslaufproblemen, so ist es nur logisch, dass man seine Schubladen voller Unterwäsche auf sinnvolle Weise weiterverwenden will. Der Erfolg des Ganzen hängt allerdings von der Art der Wäsche ab, die man so trägt. Obwohl man jedes Material als Abdeckung verwendet werden kann, kommen als zusätzliche Verstärkung nur einige Materialien in Frage. Seidenboxer, Microfaser Shorts und Spitzenhöschen sehen zwar gut aus und fühlen sich sexy an, bringen aber keine Stabilität.

Unterhosen

Weniger geeignete Unterhosen aus Mikrofasergewebe bzw. mit einfach zu wenig stützendem Material beim Jockstrap

Andererseits sind stärkere Baumwollmaterialien oder stabile Lycra/ Polyester-Mischungen dafür geeignet. Somit kann eine billige Unterhose aus dem Discounter also geeigneter sein als teure Markenwäsche. Und natürlich spielt die Form auch eine Rolle. Rechteckige Schnittformen funktionieren aus nachvollziehbaren Gründen besser als Strings und Tangas, obwohl für Flex-Windeln und ähnliche auch Dreiecksformen ausreichend sind.

Unterhosen

Stabile Lycra/ Polyester Shorts (hinten) und Baumwolle (vorn)

Sportkleidung

Auch wenn man nicht alles verwenden kann (siehe vorheriger Abschnitt), lassen sich einigermaßen robuste Sportklamotten verwenden, um die Windeln in Position zu halten. Badehosen funktionieren gut wie auch Radlerhosen. Deshalb sollten z.B. die Unterhosen, die Fußballspieler tragen, genau so funktionieren. Man sollte allerdings aufpassen, dass es nicht zu eng und stramm wird, weil sonst der Druck das Polster ausquetschen kann wie einen nassen Schwamm und man genau das Gegenteil erreicht von dem, was man wollte.

Badehosen

Badehosen

Fixierhöschen

In der Rubrik „Obskure Medizinprodukte“ sind diese Dinger zu finden. Persönlich mag ich sie überhaupt nicht. Sie fühlen sich an wie Damenstrumpfhosen und damit kann ich gar nichts anfangen. Außerdem sind sie extrem unbequem und schwierig zu verwenden. Weil es sich im Prinzip um ein Wegwerfprodukt handelt, sind sie billig produziert und das merkt man. Sie sind dünn und empfindlich und haben nicht gerade eine angenehme Paßform. Das Risiko, sie beim Hochziehen zu zerreißen oder Laufmaschen zu bekommen ist hoch, und die Spannkraft läßt schon nach ein paar Verwendungen nach. Völlig unpraktisch, so dass man sie eigentlich nur im Bett verwenden kann.

Fixierhöschen

Medizinisches Fixierhöschen

Plastikhöschen/ Gummihöschen

Als spezifische Inkontinenzprodukte müssen Plastikhöschen (oft auch Gummihöschen genannt) natürlich erwähnt werden. Damit werden eine Reihe verschiedener Produkte zusammengefasst von klassischen geschweißten und genähten PVC Produkten über Polyurethan (PU)-beschichtete Stoffe und ähnliche Komimaterialien bis hin zu Neopren und Latex. Als ob das nicht schon genug wäre, gibt es das Ganze dann noch in nahezu beliebig vielen Formen als Hochziehhosen, zum Hochklappen und Knöpfen oder sogar mit Reißverschlüssen und anderen Verschlußmethoden. Manches macht Sinn, anderes fällt mehr in den Bereich Fetisch und Mode.

Plastikhosen

Verschiedene Plastikhosen/ Gummihosen mit Schwedenknöpfern vorn und hinten und in der Mitte Hochziehhosen

Bei PVC-Hosen bevorzuge ich den klassischen „Schwedenknöpfer“, da man diesen in fast allen Positionen anlegen kann, egal ob man steht oder im Bett liegt. Mir passen sie außerdem am besten und da sie meist relativ breite Bündchen haben, gibt es nicht so viele Abdrücke und Einschnürungen auf der Haut. Sie sind zudem leicht zu reinigen – kurz mit warmem Wasser und einer milden Seife abspülen und aufkeklappt aufhängen wie ein Handtuch. Ein Nachteil ist natürlich, dass PVC nichts durchläßt und dadurch schwitzt man leicht. Außerdem fühlt sich das Material auf der Haut „klebrig“ an, weil es im Gegensatz zu Latex auch nicht auf einem Schweißfilm gleitet (Fragt mich mal, woher ich das weiß! ;-) ). Deshalb muß man beim Anlegen recht genau darauf achten, dass es gut sitzt. Als letztes muß noch erwähnt werden, dass PVC natürlich altert. Dabei wird es spröder weil die Weichmacher aus dem Material verschwinden und als Folge gibt es Risse und Löcher und das Material vergilbt oder bleicht aus.

Stoffwindeln/ Windelcover

Wie in der Einführung schon gesagt, wären Stoffwindeln eine schöne Alternative zu Plastikhöschen für viele Leute, aber bedauerlicherweise gibt es recht wenige Hersteller/ Anbieter, so dass sie teuer sind und schwierig zu beschaffen. Der offensichtlichste Vorteil liegt darin, dass sie sich wie normale Stoffunterwäsche anfühlen, atmungsaktiv sind und mit Hilfe der Klettverschlüsse oder Druckknöpfe gut angepaßt werden können. Der Nachteil ist, dass sie auftragen, was zu einigen der hier gemachten Betrachtungen zurückführt.

Stoffwindel

Stoffwindel

Windelbodies/ Pflegewäsche

Yepp, das ist sicher ein etwas heikles Thema für manche, aber diese Dinger sind wirklich sehr praktisch. Eines meiner Dauerprobleme beim Windeltragen in der Nacht ist, dass ich mich „nackt“ in der Taille fühle und deswegen ständig an meinem Schlafanzug rumzupfe, um zu prüfen, ob das Oberteil nicht aus der Hose gerutscht ist. Einen Windelbody zu tragen löst das Problem und man fühlt sich sicherer. Man kann sie auch tagsüber tragen, weil sie im Prinzip aussehen wie ein normales, enggeschnittenes T-Shirt. Wie bei Stoffwindeln sind sie etwas rar, wodurch es schwer ist, schöne Muster zu finden, die über die üblichen Schwarz/ Weiß/ Ultramarinblau Farbvarianten hinaus gehen. Viele der Produkte werden auch eher für behinderte Kinder/ Jugendliche gemacht, wodurch es nach oben eine Grenze bei der Größe gibt. Glücklicherweise passe ich in Größe 176 oder 188 gerade noch so rein und habe zumindest ein wenig Auswahl. ;-)

Windelbodys

Windelbodys

Hab ich was vergessen? Gut möglich. Ich bin mir sicher, dass es da draußen noch jede Menge faszinierende Möglichkeiten gibt, seine Windeln „festzunageln“, aber ich hoffe, zumindest die häufigsten abgedeckt zu haben. Bis zum nächsten Artikel dann…

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