Ein Kommentar

Die richtige Windel – Teil 4: Die Vermessung der Windel

Auf unserem Weg durch die Welt der Windel beschäftigen wir uns nochmal mit dem Aspekt des sicheren Tragens, aber von einer etwas anderen Perspektive. Wenn man sich für eine bestimmte Grundform entschieden hat, muss man sich über die Details Gedanken machen, besonders Größe und Dicke.

Fangen wir mal mit der Dicke des Saugpolsters an. Wie im vorherigen Artikel geschrieben, kann sich ein dickes Polster durch die Kleidung abzeichnen. Zusätzlich dazu kann allein die Dicke des Polsters dafür sorgen, dass man seine Klamotten größer kaufen muß, damit genug Platz ist. Wie ich schon öfter gesagt habe, ist für mich beides kein Problem. Ich gebe nicht viel drauf, was andere Leute sagen oder denken, wenn sie meine Windel entdecken oder erahnen. außerdem habe ich schon immer etwas weitere Hosen bevorzugt. Als ich noch viel Rad gefahren bin, hatte ich sehr kräftige Oberschenkel und heutzutage brauche ich den Platz eben für meinen Bauch.

Darüber hinaus gibt es natürlich auch einen psychologischen Aspekt. Ich persönlich muss meine Windel spüren, um mich sicher und wohl zu fühlen, also wissen, dass sie da ist. Sicher braucht da der kleine Junge in mir auch das Kuschelgefühl, aber auf rationaler Ebene muss ich mir z.B. wenn ich unterwegs bin, auch sicher sein können, dass ich es hin und zurück schaffe, ohne die Windel wechseln zu müssen. Auch wenn ich theoretisch nur meine Inkontinenz hintenrum berücksichtigen müßte, ist es natürlich auch praktisch, dickere Polster zu haben wenn man mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs ist oder sich in öffentlichen Gebäuden aufhält, wo Toiletten außer Betrieb sind oder abgeschlossen. Es einfach laufen zu lassen kann im wahrsten Sinne erleichternd sein, wenn man in der Kälte auf eine verspätete Bahn wartet.

Ein weiterer Punkt können die Kosten sein. Dickere Produkte über eine längere Zeit zu tragen kann preiswerter sein, als in der gleichen Zeit zwei Windeln zu benutzen. Das ist natürlich rein subjektiv und hängt von der individuellen Situation ab. Spezifische medizinische Erfordernisse können natürlich häufige regelmäßige Wechsel erforderlich machen und zu Hause kann man sich „leicht kleiden“, um es mal so zu sagen. Beides ist für mich kein Thema und deshalb kann ich tragen, wonach mir ist (und was beim Händler gerade das preiswerteste Angebot ist). Somit sind die meisten meiner Windeln eher dicker. Eine Auswahl ist auf den Fotos zu sehen.

Windeln AuswahlWindelstapel seitlichWindelstapel vorn

Wie in den Bildern ersichtlich, gibt es schon merkliche Unterschiede bei der Dicke und der Art der Faltung, wenn die Windeln frisch aus der Packung kommen. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen, da das nichts über das Gefühl am Körper oder die Saugkraft aussagt. Aufgrund der unterschiedlichen Materialmischungen in den Saugpads und die Art, wie sich die Flüssigkeit darin verteilt, kann auch eine scheinbar dünnere Windel sehr gut saugen.

Um das Ganze mal abzuschließen: Es ist natürlich nichts verkehrt an dünneren Materialien, es macht für mich nur aus vielerlei Gründen nicht wirklich Sinn. Wie ich mal einer ensetzten Sanitätshausverkäuferin an den Kopf geworfen habe: „Da kann ich mir auch gleich ’ne Einkaufstüte um den Hintern wickeln!“ und das ist nun mal mein Standpunkt zu der Sache. Wenn ich mir beispielsweise als Auslaufschutz für meine leichte Stuhlinkontinenz eine Abri-Form M1 anlegen würde (1 steht für die dünnste Stärke) anstatt der dickeren M3 oder M4 (4 ist das Maximum), wäre ich den ganzen Tag damit beschäftigt, zu wechseln oder müßte versuchen, die Windel „aufzusparen“ und doch jedes Mal zum Wasserlassen eine Toilette suchen, was nicht nur der Bequemlichkeit entgegensteht und nervig ist, sondern real auch den Effekt hat, dass man trotzdem irgendwann mal die Windel wechseln muss, weil durch das ständige auf- und Zumachen die Klebebänder an Kraft verlieren, abreißen oder sogar die Windel einreißt.

Eine Sache, die fast immer außer Acht wird, ist die richtige Größe. Ich sage das nicht nur aufgrund meiner eigenen Erfahrungen, sondern auch nachdem ich flasche Beratung von Verkäufern bekommen habe, mich mit übergroßen Windeln im Krankenhaus rumschlagen mußte und natürlich entsprechenden Diskussionen auf Foren. Man kann wirklich viel falsch machen! Da so eine Erörterung natürlich nur Sinn macht, wenn man einen entsprechenden Bezug hat, schauen wir uns zunächst mal die relevanten Maße an. Yepp, auf den Bildern bin ich nur leicht bekleidet zu sehen, aber ich hoffe, der Informationsgehalt kompensiert meinen nicht so tollen Körper.

Körpermaße

Meine Taille ist ungefähr 95 cm (37″), die Hüfte 90 cm (35″), der Beinumfang 60 cm (23″) und meine Schrittlänge vom Lendenwirbel bis Unterkante Bauch 70 cm (27.5″). Ich trage bei meinen Jeans Größe 34″/35″ und bei Unterwäsche die M, also sind die obigen Maße bzw. die entsprechenden Kleidungsgrößen nicht unbedingt 100% stimmig. Mit diesne Informationen kann man das ganze nun in Relation zu den eigentlichen Windelmaßen setzen.

Windelmaße

Um es interessant zu machen, habe ich die gleiche Windelsorte in zwei Größen genommen und flach ausgebreitet. Es gab da keinen Plan, ein bestimmtes Produkt zu verwenden, ich hatte sie nur eben da. Untenstehend kann man die Molicare Premium Super sehen, links in Größe L (3 Streifen) und rechts in M (nur 2 Streifen)

Windelmaße

Die Maße sind wie folgt:

Breite (B) Höhe (H) Polsterbreite (PB) Polsterlänge (PL) Fronthöhe (FH) Rückenhöhe (RH)
Größe M 66 cm/ 26″ 80 cm/ 31.5″ 17 cm/ 6.75″ 63 cm/ 25″ 16,5 cm/ 6.5″ 22,5 cm/ 8.75″
Größe L 75 cm/ 29.5″ 95 cm/ 37″ 18 cm/ 7″ 75 cm/ 29.5″ 22 cm/ 8,5″ 31 cm/ 12″

Wie man sehen kann, ändern sich trotz des Größenunterschieds einige Eckdaten nur leicht. Besonders sollte man auf das Saugpolster achten – obwohl es länger ist, ist es nicht wirklich breiter. Das bedeutet letztendlich, dass man nicht unbedingt mehr „Stauraum“ gewinnt, wenn man größere Produkte wählt und somit ist es eigentlich sinnlos, nur deswegen eine Größe größer zu kaufen. Die Vergleichsfotos unten enthüllen auch noch eine Reihe weiterer Probleme (links M, rechts L)

Windel Größenvergleich vornWindel Größenvergleich seitlichWindel Größenvergleich hinten

Die Problembereiche in den Bildern sollten ersichtlich sein, aber hier nochmal die wichtigsten Punkte.

  • Die zu große Windel ist nicht rundum dicht. Das kann man in der Seitenansicht an den dunklen Schatten im Beinbereich sehen, wo die Bündchen nicht richtig abschließen. An diesen Stellen kann matürlich was seitlich austreten.
  • Wie man in der Seitenansicht auch sieht, gibt es viel zu viel Luft in der Windel. Das kann erneut bedeuten, dass Flüssigkeiten dort landen, wo man nicht will, weil sie sich den einfachsten Weg suchen, bevor sie aufgesaugt werden. Besonders für Männer kann das beim Liegen und Sitzen zusätzlich problematisch werden, wenn der kleine Freund nicht gerade liegt und nach der Seite zielt, anstatt geradeaus ins Saugpolster zu schießen. Es ist keien gute Idee, „ihn baumeln zu lassen“.
  • Die große Windel rollt sich stärker auf und legt sich in Falten, weil einfach zu viel Material da ist, das nicht fixiert ist. Mein Bauch drückt die Windel nach unten und der Flügel von der Vorderseite ist an der Seite runtergerutscht. Mal abgesehen davon, dass es nicht gut aussieht, können diese aufgerollten Stellen Abdrücke auf der Haut hinterlassen, die Blutzirkulation beeinträchtigen, blaue Flecken verursachen und sind einfach nur unbequem, wenn man in der Nacht darauf liegt.
  • Die Klebebändchen landen im falschen Bereich der Windel. Je nach Produkt kann das ihre Haftung vermindern und sie lockern sich leichter, weil z.B. durch die Bauchmuskulatur mehr Spannung in die Windel kommt, wenn man sich vorbeugt.
  • Weil es insgesamt mehr Bewegungsspielraum gibt und die Windel leichter verrutschen kann, erhöht sich generell das Risiko, dass etwas einreißt.
  • Größe M sieht einfach sexier aus. ;-)

Wenn man das obige berücksichtigt, wird kalr, dass die Wahl der richtigen Größe wichtig ist. Das gilt um soi mehr, wenn man keinen perfekt trainierten Körper hat, bei dem es nicht auffallen würde, wenn man eien große Windel hoch in der Taille wickelt und es trotzdem noch gut aussieht.

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Ein Kommentar zu “Die richtige Windel – Teil 4: Die Vermessung der Windel

  1. Perfekt beschrieben, Kompliment! Danke für die Mühe

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