Gut fühlen oder gesund fühlen?

Auch wenn uns unsere Eltern was anderes gelehrt haben, gibt es meiner Meinung nach durchaus richtig blöde Fragen. Eine dieser Sorte ist das übliche „Wie fühlen Sie sich denn?“, das uns die Ärzte und das Pflegepersonal mal mehr oder weniger ernst und charmant, mal als reine Höflichkeitsfloskel um die Ohren hauen. In meinem Fall ist die Antwort dann meist „Nicht so gut.“.

Die nun folgende Befragung und Anamnese dreht sich natürlich vor allem darum, woran es denn liegen könnte, dass man sich schlecht fühlt und wie man es wieder „reparieren“ kann. Meist geht es dann darum, welche Pillen man noch nehmen könnte oder ob vielleicht eine Spritze helfen würde, ob man mit Massage oder Akupressur was machen kann, Salben drauf schmiert, ätherische Öle inhaliert, Bandagen oder Schuheinlagen verordnet bekommt oder zur Krankengymnastik verdonnert wird. Der Arzt möchte in erster Linie, dass man „gesund(er)“ ist oder fühlt, aber das hat nicht undbedingt was mit „gut“ fühlen oder wohlfühlen zu tun.

Das Problem bei der ganzen Sache ist natürlich, dass der Arzt immer nur eine Momentaufnahme hat – so, wie man eben im Behandlungszimmer vor Ihm sitzt. Er weiß nichts davon, dass man vielleicht bei geringster Belastung der Körper durchdreht, weil natürlich seine Werte z.B. für Atemfluß im Ruhezustand super aussehen und er weiß in dem Moment auch nicht, wie andere Begleiterscheinungen einer Erkrankung einem das Leben vielleicht doch schwerer machen, als es den Anschein hat.

Wenn es mir schlecht geht, sind sogar manche Behandlungen eine Tortur und tragen eher dazu bei, dass ich mich „schlecht“ fühle, als zu helfen. Es wird zur Last, wenn man wegen anstehender Termine zeitig aufstehen muss, lange Wege mit Bus und Bahn antritt oder wegen einer Inhalation 20 Minuten lang angestrengt kontrolliert atmen soll, obwohl man eigentlich lieber im Bett bleiben würde. Es geht einem eben einfach auf den Keks und der Weg zum „gesund“ fühlen hat meist recht wenig mit „gut“ fühlen zu tun…

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