Hygiene vs. Sauberkeit

Beim Reden über meine Gesundheitsprobleme geht es natürlich auch oft um das Thema Hygiene in all seinen Facetten. Allgemein gibt es zu der ganzen Sache durchaus einige fundamentale Misverständnisse, wie auch immer wieder entsprechende aus dem Ruder laufende Diskussionen in Foren beweisen, bei denen Hausfrauenmythen und Werbeversprechen  für bare Münze genommen werden. Deshalb gebe ich mal hier kurz ein paar Gedanken zu dem Thema.

Eigentlich habe ich schon immer viel Wert auf Sauberkeit und Ordnung gelegt und vielleicht ja sogar ein wenig den Putzfimmel von Oma und Mama geerbt, habe also meine Wohnung relativ gut in Schuss gehalten, was das angeht. Natürlich kommt mir das jetzt, wo mein Infektionsrisiko irgendwie zwanzigmal höher ist und jede falsche Bakterie zur Bedrohung wird, zugute. Immerhin ist es schon mal ein guter Anfang, Boden, Möbel und andere Oberflächen frei von potenziell gefährlichen oder ansteckenden Stoffen zu halten. Entgegen dem üblichen Glauben, bedarf es dazu keiner Spezialreinigungsmittel, steriler Wischtücher oder was auch immer. Man muss das Ganze nur regelmäßig durchziehen.

Staub läßt nicht nur die Wohnung dreckig aussehen, sondern kann auch allergische Reaktionen auslösen. Fusseln, Faserstaub oder Hautschuppen sind außerdem ideale Träger für Bakterien, Milben und chemische Stoffe, auch wenn der Staub selbst nicht infektiös ist. Deshalb sollte man einigermaßen regelmäßig staubsaugen oder mal kurz mit einem Trockenwischsystem (Swiffer und ähnliches) das Gröbste beseitigen.

Beim Naßwischen reichen gewöhnliche Universalreiniger in entsprechendem Verhältnis im Wischwasser völlig aus. Damit kriegt man nicht nur Flecken weg, sondern auch einen guten Teil der Bakterien, weil durch die Tenside deren Haftung vermindert wird oder ihre Lipidhülle aufgelöst wird und sie schutzlos sind. Man sollte nur darauf achten, dass man für jeden Raum frisches Wasser nimmt und natürlich nicht, wie es Reinigungsdienste so oft tun, das schmutzige Bodenwasser auch zum Abwischen von Treppengeländern oder Möbeln verwenden. Also immer separate Eimer und Lappen!

Natürlich sollte man es auch nicht übertreiben. Solange man vom „eigenen Schmutz“ redet, muß man sich immer vor Augen führen, dass man davon nicht krank wird. In den eigenen vier Wänden und innerhalb der Familie oder einer festen Gruppe von Kontaktpersonen (Arbeitskollegen, andere Leute die man regelmäßig trifft) entwickelt sich mit der Zeit ein Gleichgewicht von Keimen, da man verschieden Stämme durch Berührungen, Atmung, gemeinsames essen, Küssen und so weiter austauscht und der Körper darauf eine kontrollierte Immunreaktion entwickelt, also Abwehrstoffe produziert oder ungefährliche Sachen einfach ignoriert. Nur wenn neue, unbekannte Bestandteile beispielsweise durch eien Erkältung, die jemand mit heim bringt, hinzukommen, entstehen Erkrankungen oder das Immunsystem dreht durch. Das ist auch der Teil, wo es endlich interessant für uns wird.

Manche Leute haben eine fast schon übertriebene Angst sich mit irgendwas anzustecken, nur weil jemand vielelicht etwas komisch aussieht oder riecht. Das ist natürlich Quatsch. Solange man nicht direkt angeniest wird, sich länger im gleichen Raum aufhält und „gebrauchte Luft“ von anderen einatmet oder jemanden anfäßt, der potenziell ansteckend ist, gibt es für normale Menschen nichts zu befürchten. Wenn man zu einer Risikogruppe gehört, wie ich, ist das natürlich was anderes. Das gilt allerdings alles nur unter der Annahme, dass sich auch Alle an einfache Regeln halten und sich regelmäßig die Hände waschen, Hand, Taschentuch oder den Ärmel beim Niesen vor Mund und Nase halten oder in der Küche nicht mit den Klamotten essen kochen, die sie auch im Kuhstall tragen.

Zusätzliche Sauberkeit schadet nie, aber, und hier muss man differenzieren, nur weil man gut riecht muss man nicht hygienisch sauber sein. Man kann ganze Flaschen mit Duschgel verbrauchen oder minutenlang die Hände waschen, aber wenn man es zu schnell wieder abspült und nicht einwirken läßt oder nicht die richtigen Techniken verwendet und stellen ausläßt, bleibt außer dem Duft nichts übrig. Umgekehrt muss jemand, der etwas müffelt nicht zwingend unhygienisch oder gar ansteckend sein. Es kann schon mal vorkommen, dass eine länger getragene Windel nicht mehr ganz so frisch riecht und sich vielleicht auch keine Gelegenheit bietet, sie zu wechseln. Solange man aber nicht die Hände in die volle Windel steckt, ohne sie danach zu waschen, gibt es da nichts zu befürchten. Selbst ein Koch muss mal auf’s Klo und wenn er sich danach nicht wäscht, ist er eien gefährlichere Bazillenschleuder, als vielleicht ich, der als Gast ein kleines Windelmalheur hatte.

Der Punkt ist letzen Endes der, das Hygiene was damit zu tun hat, dass man sich an Regeln hält und einen Gesamtplan hat. Es geht nicht um isolierte Einzelmaßnahmen oder ungerechtfertigte Ängste oder Zimperlichkeiten, nur weil man etwas nicht kennt oder versteht. Der Trick ist der, dass man allen Beteiligten diese Regeln beibringen und erklären muss, immer und immer wieder; dass man dafür sorgt, dass ansteckende Materialien nicht in saubere Räume kommen und wenn es mal passiert, dass man weiß, wie man sie gefahrlos wieder beseitigt. Natürlich muss man auch Vorbild sein – es macht keinen Sinn, sich zu Hause über die Fußtapsen des Haustieres aufzuregen und dann bei Krankenbesuchen selber mit schmutzigen Schuhen ins Zimmer zu latschen. Das kommt leider viel zu oft vor.

Bei all unseren bisherigen Betrachtungen haben wir noch nicht über spezielle Desinfektionsmittel gesprochen. Warum? Weil sie im Heimbereich nicht notwendig sind und bestenfalls nur sparsam verwendet werden sollten. Dafür gibt es gute Gründe.

  • Solche Mittel enthalten Stoffe wie Bittersalze oder Alkohole, die selbst Allergien auslösen können oder insbesondere für Kinder sogar toxisch sein können. Auf jeden Fall riechen viele dieser Mittel sehr unangenehm.
  • Frei verkäufliche Mittel für den Hausgebrauch sind aus Zulassungsgründen stark verdünnt und bekämpfen nur bestimme Bakterien. Mit Pech bleibt deshalb genau der krankmachende Keim am leben, der dich erwischt!
  • Bakterien können sich an das chemische Milieu gewöhnen und resistent werden.
  • Wie zuvor geschrieben, lassen sich viel Krankheitserreger rein physikalisch beseitigen.
  • Ohne normale Reinigungsmaßnahmen nützen auch noch so intensive und agressive Desinfizienzen nichts.
  • Bakterien vermehren sich auch unter ungünstigen Bedingungen. Die normale Zellteilung geht weiterselbst wenn man literweise Chemie ins Klo schüttet. Oder die Keime verkapseln sich zu Sporen und wachen dan nwieder auf, wen ndie Bedingunegn wieder erträglicher für sie sind.

Wie daraus ersichtlich sein sollte, kann man massig Geld ausgeben, ohne dass es nötig ist oder eine deutliche Verbesserung des Resultats zu erwarten wäre. Man könnte auch sagen, dass vieles einfach nur Marketinggerede ist und zu einer Scheinhygiene gehört, die an den alltagsrelevanten Bedürfnissen vorbei geht. Natürlich gibt es auch Gründe, Antiseptika usw. einzusetzen – dort, wo sie hingehören im Krankenhaus, der Aztpraxis oder bei der häuslichen Pflege, aber das ist ein Thema für ein anderes Mal…

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